Schweiz

Langjähriger Zürcher Oberrabbiner verstorben

Blick auf die Stadt Zürich Foto: Getty Images

Der frühere Zürcher Oberrabbiner Zalman Kossowsky ist tot. Er starb am Sonntag in Florida im Alter von 79 Jahren.

Der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz (CER), Moskaus Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, würdigte Kossowsky als einen Mann, der von seiner Gemeinde und seinen Rabbinerkollegen geliebt wurde.

mitglied »Er war eine aristokratische, aber zugleich sehr zugängliche Person«, sagte Goldschmidt der Jüdischen Allgemeinen. Zudem sei der Verstorbene ein sehr gelehrter Mann gewesen, der enorm viel über die Halacha wusste. Kossowsky war bis zuletzt Mitglied des Ständigen Ausschusses der CER.

Kossowsky entstammte einer Rabbinerfamilie aus dem Schtetl Selwa. Der Ort gehörte vor 1939 zu Polen und ist seit der sowjetischen Besatzung Teil Weißrusslands.

Geboren wurde Kossowsky 1940 in der iranischen Hauptstadt Teheran. Dorthin war seine Familie vor den sowjetischen Truppen geflohen. Ziel ihrer Flucht war Südafrika, wo sowohl Vater Mikhl als auch Großvater Isaac später Rabbinerposten übernahmen.

Zalman Kossowsky wuchs in Johannesburg auf. Nach seinem Universitätsabschluss 1956 besuchte er ein Rabbinerseminar in Israel. Später ging er in die USA und wurde dort 1972 Rabbiner einer jüdischen Gemeinde im Norden von Miami Beach. Später diente Kossowsky als Militärkaplan bei der amerikanischen Navy. 1978 entschied er sich, wieder nach Südafrika zurückzukehren, wo er acht Jahre lang blieb.

ZÜRICH Es folgte eine Station als Rabbiner in London und 1992 schließlich die Ernennung zum Oberrabbiner der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ). Dort wirkte er bis zum Eintritt in den Ruhestand 2007. In seine Amtszeit fiel auch die aufwühlende Diskussion um die nachrichtenlosen Vermögen von Schoa-Opfern bei Schweizer Banken.

Als Oberrabbiner setzte sich Kossowsky unter anderem dafür ein, ein breites Spektrum an Strömungen zuzulassen. Herbert Winter, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, würdigte ihn als »einfühlsame und offene Person, mit der man auf Augenhöhe kommunizieren konnte.« Sein großes Verdienst bei der ICZ sei sein Einstehen für die Einheitsgemeinde gewesen, so Winter. »Alle sollten sich unter einem gemeinsamen Dach zu Hause fühlen,«

Kossowsky hinterlässt seine Frau Dana und sieben Kinder. Er wird am späten Montagnachmittag (Ortszeit) in Lake Worth, Florida beigesetzt werden.

Nachruf

Zum »idealen arischen Baby« erklärt: Hessy Levinsons Taft gestorben

Der Fotograf sagte Tafts Familie damals, er habe bewusst das Foto eines jüdischen Kindes eingereicht, um die Rassenideologie der Nazis ad absurdum zu führen

von Imanuel Marcus  13.01.2026

Jackson

Brandanschlag auf Synagoge in Mississippi

Zwei Torarollen hat das Feuer vollständig zerstört. Der Verdächtige wurde vom FBI gefasst. Er bezeichnete das Gebäude während eines Verhörs als »Synagoge Satans«.

 12.01.2026 Aktualisiert

Fußball

Als Bayern gegen Prag verlor

Vor 125 Jahren traf der FC Bayern bei seinem ersten Auslandsspiel auf den legendären DFC Prag – und unterlag 0:8. Nach dessen Auflösung 1938 geriet der jüdische Verein fast in Vergessenheit, doch seit einigen Jahren wird er von Enthusiasten wiederbelebt

von Kilian Kirchgeßner  11.01.2026

Armenien

Offene Arme in Jerewan

Juden finden in einer der ältesten Städte der Welt Sicherheit und Gemeinschaft. Ein Ortsbesuch

von Stephan Pramme  11.01.2026

Sport

»Absoluter Holocaust«: Fußball-Kommentator sorgt für Eklat

Der Ex-Torwart Shay Given hat die Amtszeit des Trainers Wilfried Nancy bei Celtic Glasgow mit dem industriellen Massenmord der Nationalsozialisten verglichen

 11.01.2026

Belgien

Außerhalb des Völkerrechts

Die belgische Regierung verweigert einer Staatsangehörigen die konsularische Betreuung, weil sie in einer von Brüssel nicht anerkannten israelischen Siedlung lebt

 09.01.2026

Alija

Sprunghafter Anstieg: Mehr Juden sagen Frankreich Adieu

2025 hat sich die Zahl der jüdischen Auswanderer nach Israel fast verdoppelt. Experten machen dafür vor allem den wachsenden Antisemitismus verantwortlich

 08.01.2026

Los Angeles

Sega-Mitgründer David Rosen im Alter von 95 Jahren gestorben

Der Unternehmer aus New York ging in den 1950ern nach Japan und importierte Fotoautomaten. Später folgten Flipper-Automaten und Jukeboxen

 08.01.2026

Meinung

Instrumentalisiertes Leid kennt keine Moral

Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana braucht es Mitgefühl und Respekt. Wer eine lokale Tragödie von existenzieller persönlicher Wucht für politische Deutungen missbraucht, handelt zynisch – und entwürdigt die Betroffenen.

von Nicole Dreyfus  08.01.2026