Österreich

Jüdischer Teenager zusammengeschlagen

Die Synagoge in Graz Foto: dpa

In Graz, der Hauptstadt der Steiermark, wurde vergangene Woche ein Schüler von zwei Jugendlichen auf offener Straße antisemitisch beleidigt und anschließend so schwer verprügelt, dass er Hämatome und Platzwunden im Gesicht erlitt und im Krankenhaus versorgt werden musste. Die Identität der Täter ist bislang unklar.

Der Judenhass in der Stadt habe »ein neues Ausmaß erreicht«, teilte die örtliche jüdische Gemeinde nach dem Vorfall mit.

DAVIDSTERN Die beiden laut Beschreibungen des Opfers ungefähr gleichaltrigen Jugendlichen seien auf den 16-Jährigen zugegangen, hätten ihn auf seinen Ring mit einem Davidstern angesprochen und gefragt, ob er Jude sei. Als er diese Frage bejahte, hätten ihn die Angreifer aufgefordert, sich zu »verpissen«.

Anschließend schlugen die beiden jungen Männer mehrmals zu und beleidigten ihr Opfer als »Scheißjuden«, so die Gemeinde in einer Pressemitteilung. Nach den Tätern wird gefahndet.

»Leider ist Graz kein Einzelfall«, erklärte Gemeindepräsident Elie Rosen. Es werde in der Gesellschaft viel zu sehr beschwichtigt, was den Hass auf Juden angehe. Kaum ein Politiker habe sich zu dem Angriff am vergangenen Mittwoch geäußert.

Solidaritätsbekundungen habe er nur von einer einzigen Religionsgemeinschaft erhalten, sagte Rosen der Jüdischen Allgemeinen. Es werde in Graz und anderswo in Österreich zwar gerne abstrakt über Antisemitismus geredet, aber bei konkreten Vorfällen fehle es an Anteilnahme.

UMFELD Die Jüdische Gemeinde Graz hat rund 150 Mitglieder und ist damit die zweitgrößte Österreichs nach Wien. »Es lebt sich eigentlich gut hier,« meint Rosen. Das Umfeld sei aber für Juden nicht immer leicht, und das jüdische Leben in der 300.000-Einwohner-Stadt sei eher auf sich selbst bezogen.

Man habe auch viel mit Israel-bezogenem Antisemitismus zu kämpfen. Vergangenen November hatte der Grazer Gemeinderat mit den Stimmen aller Fraktionen einen Beschluss gefasst, mit dem jegliche finanzielle Unterstützung der Anti-Israel-Kampagne durch die öffentliche Hand untersagt wird.

Die Stadtverwaltung soll dem Beschluss zufolge Organisationen, die zum Boykott Israels aufrufen, auch keine öffentlichen Räume mehr für Veranstaltungen zur Verfügung stellen. Der Beschluss sei richtig, er müsse aber auch konsequent umgesetzt werden, so Rosen. Damit hapere es noch ab und an.

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