Buenos Aires

»In der Gesetzgebung konnten wir einiges erreichen«

»Es hat sich wenig geändert«: Geschäftsführer des Zentralrats Daniel Botmann Foto: Marco Limberg

Herr Botmann, Sie sind mit einer Delegation der J7 in Buenos Aires, um am 30. Jahrestag der Opfer des Anschlags auf das Gemeindezentrum AMIA zu gedenken. Was bedeutet es Ihnen, dort zu sein?
Der AMIA-Anschlag ist in Europa außerhalb der jüdischen Gemeinschaften kaum bekannt, dabei war es einer der schwersten antisemitischen Angriffe seit der Schoa. Der Zentralrat der Juden gedenkt der Opfer vor Ort gemeinsam mit Vertretern aller großen jüdischen Gemeinschaften der Welt. Alles spricht dafür, dass hinter diesem islamistischen Anschlag vor 30 Jahren das Mullah-Regime des Iran unter Chamenei steht. Das macht einen natürlich angesichts der aktuellen Situation im Nahen Osten und in der ganzen Welt sehr nachdenklich: Es hat sich wenig geändert.

Wie sieht das Programm vor Ort aus?
Die J7 ist auf Einladung der argentinischen Mitgliedsorganisation DAIA (Delegación de Asociaciones Israelitas Argentinas) in Buenos Aires. Im Anschluss wird es zudem eine Konferenz des World Jewish Congress geben. Das Gedenken an das Attentat und seine Opfer bildet den Rahmen für das J7-Treffen, das am Montagabend begonnen hat. Es wird darum gehen, die aktuellen Herausforderungen für die jüdische Gemeinschaft zu diskutieren und voneinander zu lernen, welche Strategien zur Bekämpfung von Antisemitismus in unseren jeweiligen Ländern Erfolg versprechend sein können. Der Zentralrat kann hier viel mitnehmen, aber auch bieten: Gerade in der Gesetzgebung konnten wir in den vergangenen Jahren einiges erreichen.

Was zum Beispiel?
Wir haben uns erfolgreich dafür eingesetzt, dass das Verbrennen von Flaggen – unabhängig welchen Landes – nun strafbar ist. Wir konnten erreichen, dass ein antisemitisches Motiv bei der Tatbegehung nun strafschärfend wirkt, und dass mit dem neuen Straftatbestand der verhetzenden Beleidigung Antisemiten schneller die Schwelle der Strafbarkeit überschreiten. Aktuell setzen wir uns dafür ein, dass der Aufruf zur Vernichtung eines Staates unter Strafe gestellt wird. Von »From the River to the Sea« muss ein direkter Weg in den Gerichtssaal führen.

Vor einem Jahr ist die J7 angetreten, um Juden in den großen Gemeinden weltweit gegen den grassierenden Antisemitismus besser zu vernetzen. Gibt es schon Erfolge?
Dieses Zusammenrücken der größten jüdischen Gemeinschaften außerhalb Israels ist schon ein Erfolg an sich. In den Mitgliedsländern der J7 (Argentinien, Australien, Deutschland, Frankreich, Kanada, Vereinigtes Königreich, Vereinigte Staaten) leben etwa so viele Juden wie in Israel. Die Anti-Defamation League in den USA trägt einen großen Teil dazu bei, indem sie den organisatorischen Rahmen für die J7 bietet. Im März waren Vertreter der J7 zum Gespräch beim Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, in New York. Es war ein intensiver Austausch. Die jüdische Gemeinschaft außerhalb Israels muss in den UN gehört werden.

Was ist der nächste Schritt für J7?
Wir wollen erreichen, dass sich in allen unseren Ländern die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Kampf gegen Antisemitismus weiter schärfen. Wir leisten damit auch einen Beitrag zur Stärkung demokratischer Strukturen insgesamt. Im ersten Halbjahr 2025 übernimmt der Zentralrat den Vorsitz der J7 und richtet das Treffen rund um den 80. Jahrestag des Falls Nazi-Deutschlands aus.

Was raten Sie Juden, die angesichts solcher Gedenktage und der aktuellen globalen Situation zunehmend verzweifeln?
Wir Juden geben niemals auf. Wir halten zusammen, und dieser Zusammenhalt lässt uns auch heute geeint und zuversichtlich nach vorn blicken.

Mit dem Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland sprach Sophie Albers Ben Chamo.

Frankreich

43 Jahre nach Anschlag auf jüdisches Lokal: Verdächtiger Palästinenser ausgeliefert

Der Anschlag auf das »Chez Jo Goldenberg« in der französischen Hauptstadt am 9. August 1982 erschütterte das Land und seine jüdische Gemeinschaft schwer

 17.04.2026

New York

Die Tiger der Tora

Einst feierten jüdische Fußballclubs in der Bronx das Leben, und sogar Marilyn Monroe kickte den Ball. Schwarz-weiße Erinnerungen zur Einstimmung auf die WM in den USA, Kanada und Mexiko

von Helmut Kuhn  16.04.2026

Ungarn

Wer ist Péter Magyar?

Viktor Orbán hat die Wahl verloren. Sein Nachfolger strebt weitreichende Veränderungen an. Doch bei vielen Themen setzt auch Magyar auf Kontinuität

von Michael Thaidigsmann  15.04.2026

Rom

Auch die »Trump-Flüsterin« Meloni fällt in Ungnade

Eigentlich gilt Italiens Ministerpräsidentin Meloni als Politikerin mit gutem Draht zu US-Präsident Trump. Nun attackiert er sie scharf. Der Schlagabtausch könnte für Meloni jedoch von Nutzen sein

von Robert Messer  15.04.2026

Statistik

Knapp 111.000 Holocaustüberlebende leben in Israel

Sie sind alt und sie werden weniger: Heute leben noch etwa 111.000 Holocaustüberlebende in Israel. Fast ein Drittel von ihnen ist über 90 Jahre alt, fast zwei Drittel von ihnen sind Frauen

 15.04.2026

München/Budapest

Europäische Rabbiner gratulieren Magyar zum Wahlsieg in Ungarn

»Das ungarische Volk hat eine klare Entscheidung für Demokratie, für Erneuerung und für ein zukunftsorientiertes Ungarn getroffen«, sagt Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt

 15.04.2026

Polen

Rechtsradikaler Politiker schockiert mit israelischer Hakenkreuzfahne

Am Holocaustgedenktag warf Konrad Berkowicz Israel im Sejm vor, das neue Dritte Reich zu sein

 14.04.2026

Warschau

Absage an Antisemitismus: Polnische Bischöfe besuchen Synagogen

Vor 40 Jahren umarmte Papst Johannes Paul II. in Roms Hauptsynagoge den dortigen Oberrabbiner. In Polen erinnern nun Bischöfe an diesen Meilenstein in den katholisch-jüdischen Beziehungen. Es gibt aber auch Misstöne

von Oliver Hinz  14.04.2026

Nordmazedonien

Brandanschlag auf Synagoge in Skopje

Zwei bislang unbekannte Täter verschafften sich Zugang zum Eingangsbereich des Gotteshauses und versuchten, ihn in Brand zu setzen

von Nicole Dreyfus  14.04.2026 Aktualisiert