Justiz

»Ich liebe Israel«

Bleibt standhaft: Südafrikas Chief Justice Mogoeng Mogoeng will sich trotz Drucks nicht für seine Liebe zu Israel entschuldigen. Foto: imago

Der Vorsitzende des Obersten Gerichts Südafrikas hat sich in einer eidesstattlichen Versicherung gegen Vorwürfe verteidigt, er habe sich in unzulässiger Weise in die Tagespolitik eingemischt.

Mogoeng Mogoeng hatte Ende Juni an einem Webinar der »Jerusalem Post« teilgenommen und dabei nicht nur seine »Liebe und Unterstützung« für Israel bekundet, sondern sich auch kritisch mit der einseitigen Haltung der südafrikanischen Regierung im Nahost-Konflikt auseinandergesetzt. »Als Christ kann ich nur für Israel beten und es wertschätzen, denn ich weiß, dass Hass gegenüber Israel für mich und meine Nation ein Fluch wäre«, sagte der 59-Jährige.

WEBINAR An der Videokonferenz hatte auch Südafrikas Oberrabbiner Warren Goldstein teilgenommen. Seinen Ausführungen hatte der oberste Richter allerdings in weiser Voraussicht eine Klarstellung vorausgeschickt: »Lassen Sie mich gleich zu Beginn sagen: Die von meinem Land, Südafrika, eingeschlagene politische Richtung bindet auch mich. Sie bindet mich in gleicher Weise wie ein Gesetz. Deswegen sollte das, was ich jetzt sage, nicht als Feststellung missverstanden werden, dass ich die politische Ausrichtung meines Landes als für mich nicht bindend ansehe.« Als Bürger stehe es ihm aber frei, die Gesetze seines Landes zu kritisieren und Änderungen am Regierungskurs vorzuschlagen.

Mit seinen Aussagen habe der oberste Richter seinen Amtseid auf die Verfassung gebrochen, argumentiert der Verband Africa4Palestine.

Die Lobbygruppe Africa4Palestine sah das anders und reichte Anfang Juli eine Disziplinarbeschwerde gegen Mogoeng ein. Mit seinen Aussagen habe der oberste Richter seinen Amtseid auf die Verfassung gebrochen, argumentierte der Verband. Auch Außenministerin Naledi Pandor war »sehr befremdet« über Mogoeng Mogoeng. Israel verletzte in grober Art und Weise die Rechte der Palästinenser, argumentierte sie. Auch andere führende Mitglieder der Regierungspartei ANC verurteilten den obersten Richter.

Doch der blieb hart und lehnte eine Entschuldigung strikt ab. »Selbst wenn 50 Millionen Leute die nächsten zehn Jahre jeden Tag einen Protestmarsch gegen mich abhalten, werde ich so etwas nicht tun.« Niemals werde er sich zwingen lassen zu sagen, dass er jemanden hasse, sagte Mogoeng kürzlïch in einem virtuellen Gebet. Es gebe auch nichts zurückzunehmen. »Ich liebe alle. Ich liebe Israel, ich liebe die Juden, ich liebe die Palästinenser.«

BIBEL In einer Stellungnahme an eine Disziplinarkommission schrieb der oberste Richter, mit seinen Aussagen beim Webinar habe er lediglich seiner christlichen Pflicht genüge getan, für Frieden und das Wohlergehen Jerusalems zu beten, führte Mogoeng aus – und zitierte als Beleg dafür gleich mehrere Bibelstellen.

Das Verbot für Richter, sich in politische Kontroversen einzumischen, gelte nur für Dinge, für die diese auch im Gerichtssaal zuständig seien, argumentierte Mogoeng. Themen der internationalen Politik fielen nicht darunter. Seine Aussagen könnten auch nicht dahingehend interpretiert werden, dass er Israel gegenüber Palästina bevorzuge, schrieb Mogoeng. Richtern sollte man nicht den Mund verbieten.

Der aus Zeerust stammende Jurist ist seit 2011 Vorsitzender des südafrikanischen Verfassungsgerichts.

Meinung

Königliches Versagen im Kulturbetrieb

Das renommierte Reina-Sofía-Museum in Madrid setzt eine Schoa-Überlebende vor die Tür. Die Existenz des Juden wird zur Provokation, die Befindlichkeit des Antisemiten zum schützenswerten Gut. Spanien ist verloren!

von Louis Lewitan  19.02.2026

Pilot Adam Edelman (links) und Bremser Menachem Chen auch Israel, was noch keinem israelischem Bob-Team vor ihnen gelang: eine Olympia-Qualifikation ohne Trainer

Winterspiele

RTS entschuldigt sich für Olympia-Kommentar

Ein Live-Kommentar über den israelischen Bobfahrer Adam Edelman sorgte für Empörung – nun entschuldigt sich RTS und spricht von einem »unangemessenen Format«

von Nicole Dreyfus  19.02.2026

Belarus

Die Kushner-Karte

Alexander Lukaschenko sucht die Nähe zu den USA und gibt sich philosemitisch

von Alexander Friedman  18.02.2026

Antisemitismus

In Andorra wird zum Karneval eine Israel-Puppe hingerichtet

In dem kleinen Fürstentum in den Pyrenäen wurde beim Karneval einer Puppe mit Davidstern der Prozess gemacht - die jüdische Gemeinschaft ist empört

 18.02.2026

Meinung

Eklat im Schweizer öffentlich-rechtlichen: Das RTS und der Israelhass

Der eigentliche Skandal ist die Rechtfertigung des öffentlich-rechtlichen Senders. Eine Rundfunkanstalt sollte ihre publizistischen Leitlinien immer einhalten und auch bei Israel keine Ausnahme machen.

von Nicole Dreyfus  17.02.2026

Der israelische Bobfahrer Adam Edelman nimmt die Hasstiraden gegen seine Person gelassen und will sich auf den Wettkampf konzentieren.

Olympische Winterspiele

Sender verteidigt »Genozid«-Kommentar, nimmt ihn aber offline

Die politischen Einordnungen eines Schweizer TV-Kommentators bei der Abfahrt des israelischen Bobfahrers Adam Edelman sorgen für Debatten. Der Sender verteidigt sich, der Sportler sieht es gelassen

 17.02.2026

Brüssel

Streit um Beschneider: US-Botschafter nennt Belgien »antisemitisch«

In mehreren X-Posts griff Bill White die belgische Regierung scharf an, die wiederum sich die Einmischung verbat. Hintergrund ist ein Strafverfahren gegen drei Mohelim in Antwerpen

von Michael Thaidigsmann  17.02.2026

Boston

Dokumentarfilm-Pionier Frederick Wiseman gestorben

»Dokumentarfilme sind wie Theaterstücke, Romane oder Gedichte – sie haben keine messbare soziale Nützlichkeit«, sagte der Verstorbene einst. Er wurde 96 Jahre alt

 17.02.2026

Österreich

Wiens Oberrabbiner wandert nach Israel aus

Sechs Jahre leitete der gebürtige Schweizer Engelmayer mit einer internationalen Berufsbiografie die jüdische Gemeinde in Wien. Jetzt siedelt er mit seiner Familie nach Israel über

von Burkhard Jürgens  16.02.2026 Aktualisiert