Luxemburg/Belgien/Frankreich

Grün, groen, vert

Gebändigte Natur: Parkanlage in Luxemburg Foto: dpa

Luxemburg/Belgien/Frankreich

Grün, groen, vert

Der Europäische Tag der Jüdischen Kultur widmet sich diesmal dem Thema »Natur«

von Anina Valle Thiele  23.09.2013 14:50 Uhr

Am Europäischen Tag der Jüdischen Kultur, der in diesem Jahr am 29. September in rund 30 Ländern Europas begangen wird, steht die Natur im Fokus. Luxemburg, das Kernland Europas, nimmt seit 2002 im Abstand von zwei Jahren an diesem Kulturtag teil. Die Idee dazu entstand Ende der 90er-Jahre rund um die Organisation B’nai B’rith Europe in der Nähe von Straßburg. Ziel war es, an das kulturelle jüdische Erbe zu erinnern und es zu bewahren. Zugleich sollte die Veranstaltung Nichtjuden mit jüdischen Bräuchen und Traditionen in Berührung bringen.

Die Programme in Luxemburg, der angrenzenden französischen Region Lothringen, aber auch die der europäischen Metropolen Straßburg und Brüssel erfüllen zweifellos diesen Anspruch. Doch muten viele Events etwas verstaubt an. In erster Linie sind es Führungen durch die lokalen Synagogen, liturgische Konzerte, Friedhofsbesuche oder Stadtführungen »auf den Spuren jüdischen Lebens« – wie etwa durch Straßburg. Daneben lassen viele Synagogen, wie etwa die in der Hauptstadt Luxemburg, ihre Sukka stehen und laden zu einer Besichtigung ein. Die Gemeinden setzen darauf, dass sich den Besuchern die Bedeutung der Natur im Judentum über die Laubhütten erschließt.

respekt »An Sukkot sollen sich die Menschen auf eine ihrer grundlegenden Aufgaben zurückbesinnen: die Befriedung und der Respekt vor der Natur«, sagte Alain Nacache, der Oberrabbiner von Luxemburg-Stadt, bei der Vorstellung des Kulturtagsprogramms. Der Präsident des israelitischen Konsistoriums, François Moyse, hob hervor, dass die Sukka ein sehr starkes Symbol ist, die sinnbildlich für die Beziehung des Judentums zur Natur stehe. Daher habe man sich dazu entschlossen, die Sukka auch nach dem Laubhüttenfest stehen zu lassen, sodass die Besucher sie besichtigen können.

Die an Luxemburg grenzende französische Stadt Metz, in der es eine große jüdische Gemeinde gibt, öffnet bereits zwei Tage im Voraus, am 27. September, ihren Botanischen Garten und läutet damit gewissermaßen den Beginn der Europäischen Kulturtage ein. Das bunte Programm bildet im Vergleich zu dem vieler kleiner Städte und Gemeinden in Lothringen, der Moselregion und im Elsass einen erfrischenden Kontrast. Unter dem Titel »Origines & Itinéraires« werden in den städtischen Archiven, der Universitätsbibliothek und dem Musée de La Cour d’Or drei Ausstellungen des Fotografen Michel Kirch gezeigt.

klimawandel Daneben bietet Metz auch noch im Oktober und November ein lebendiges jüdisches Kulturprogramm: etwa mit »Padam Padam«, einer musikalischen Chansondarbietung von Isabelle Georges am 20. Oktober. Oder am 17. November mit Liedern aus der jüdischen Welt, vorgetragen von der Gruppe »Goldene Pave«. Zudem soll am 1. Dezember im Metzer Rathaus unter dem Motto »Die Natur als Erbe: die Welt bewohnen« eine Tagung mit Vorträgen rund um den Klimawandel stattfinden.

Die europäischen Metropolen Brüssel, Straßburg und Luxemburg halten ihr Programm hingegen eher klassisch. In Luxemburg besteht am 29. September die Möglichkeit, an Besuchen der jüdischen Friedhöfe in Clausen und Grevenmacher teilzunehmen, und es gibt Synagogenführungen. Der Kulturtag wird abgeschlossen durch zwei Konzerte in der Synagoge, die damit zugleich ihren 60. Geburtstag feiert. »Wir zeigen gern, was wir als jüdisches Erbe haben«, sagt Konsistoriums-Chef Moyse. Er hofft, »dass viele Menschen die Möglichkeit nutzen, etwas Neues über das Judentum und die jüdischen Feste zu lernen, damit die Verständigung untereinander wächst«.

Auch in diesem Jahr dürfte sich der Europäische Tag der Jüdischen Kultur für jüngere Generationen wohl eher nicht als Publikumsmagnet erweisen. Allerdings ist auch für diese Zielgruppe die eine oder andere Überraschung geplant – wie etwa eine neue App, die unter dem Stichwort »Patrimoine juif« auf die 150 größten Webseiten des kulturellen jüdischen Erbes in Europa verweist. Wer sie sich herunterlädt, kann mit seinem Smartphone Infos und Termine rund um Veranstaltungen der Gemeinden in weiten Teilen Frankreichs abrufen.

London

Messerangriff auf Juden: Steckt erneut der Iran hinter der Tat?

Wieder ist es in der britischen Hauptstadt zu einem schweren antisemitischen Vorfall gekommen

von Michael Thaidigsmann  29.04.2026 Aktualisiert

Sydney

Benefizkonzert abgesagt: Griechischer Chor verweigert Auftritt mit jüdischem Ensemble

Sowohl der Leiter des Chors als auch jüdische Organisationen sind entsetzt

 29.04.2026

Italien

Nächstes Jahr in Palermo

Über Jahrhunderte war das Judentum fester Bestandteil Siziliens. Dann wurde es mehr als 500 Jahre lang dem Vergessen preisgegeben. Die Geschichte einer Wiederentdeckung

von Mark Feldon  28.04.2026

Vereinte Nationen

Welche Chancen hat diese Frau?

Erstmals könnte eine Frau neue UN-Generalsekretärin werden. Mit im Rennen ist Rebeca Grynspan aus Costa Rica. Sollte sie gewählt werden, wäre sie auch die erste jüdische Person im Amt

von Michael Thaidigsmann  28.04.2026

Universität Gent

»So weit ist es also gekommen«

Israelfeindliche Aktivisten haben erneut ein Fakultätsgebäude besetzt - obwohl die belgische Uni bereits vor zwei Jahren die Kooperation mit drei israelischen Hochschulen beendet hatte

von Michael Thaidigsmann  27.04.2026

Kirgistan

Hotel verbietet »Juden und Tieren« den Zutritt

Eine erst vor wenigen Wochen eröffnete Unterkunft in der kirgisischen Stadt Osch musste nach Intervention der israelischen Botschaft ein Schild wieder abhängen

 27.04.2026

Nachruf

Dirigent Michael Tilson Thomas mit 81 Jahren gestorben

Als Chefdirigent der San Francisco Symphony wurde er berühmt. Doch er arbeitete mit Orchestern in aller Welt. Nun ist der Musiker mit 81 Jahren gestorben

 24.04.2026

Österreich

Der geneigte Antisemit

In Wien soll das Denkmal des einstigen Bürgermeisters Karl Lueger um 3,5 Grad gekippt werden. Die jüdische Gemeinde sähe die Bronzestatue lieber im Museum. Ein Ortsbesuch

von Tobias Kühn  24.04.2026

Tschernobyl

Damals in Tschernobyl

Im März 1987 arbeitete unser Autor zwei Wochen lang im havarierten Atomkraftwerk Tschernobyl. Eine persönlicher Bericht über die Zeit in der Sperrzone und wie es danach weitergeht

von Vitalii Miasnikov  24.04.2026