Ukraine

Erinnern am Tatort

Die Idee entstand vor 17 Jahren. Bereits 1996 wurde darüber diskutiert, in der Schlucht von Babij Jar ein Museum sowie eine neue Gedenkstätte zur Erinnerung an die ermordeten Kiewer Juden zu errichten. Nun gibt es grünes Licht: Auf einer Konferenz des Weltforums russischsprachiger Juden (WFRJ) wurde beschlossen, noch in diesem Jahr mit dem Bau zu beginnen.

Im Jahr 2010 war das Großprojekt ausgeschrieben worden. Den Zuschlag erhielt das Architektenbüro Skorik. Besitzerin Larissa Skorik übertrug man in den vergangenen Jahren eine Reihe prestigeträchtiger Projekte. Unter anderem ist sie für den Komplettumbau des historischen Kaufhauses Tsum im Herzen von Kiew verantwortlich.

Wochenzeitung Ukrainische Medien kritisieren die angeblich zu engen Verbindungen zwischen Skorik und der Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch. »Frau Skorik erhält faktisch jeden Auftrag. Vom Taras-Schwetschenko-Museum über den Neubau einer katholischen Kirche bis hin zum Museum von Babij Jar fällt alles an ein und dasselbe Architektenbüro«, kritisiert die Wochenzeitung Zerkalo Nedeli.

Offenbar wird das Projekt jetzt von der Regierung vorangetrieben. Bei der WFRJ-Tagung versprachen Präsident Janukowitsch und Außenminister Leonid Kozhara, dass sie an einer zügigen Fertigstellung eines solchen Museums interessiert seien. »Diese Art Gedenkstätte trägt dazu bei, dass wir unsere Geschichte besser verstehen«, sagte Kozhara bei einer Pressekonferenz mit WFRJ-Präsident Alexander Levin.

»Die Gedenkstätte wird ein lebendiges Symbol der Wiedergeburt des ukrainischen Judentums«, wünscht sich Levin. Obwohl mit dem Bau bereits im Herbst begonnen werden soll, befindet sich der WFRJ noch immer in Verhandlungen mit den Baubehörden der Stadt Kiew. Inzwischen hat sich die ukrainische Regierung eingeschaltet, sodass der Bau wie geplant in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 abgeschlossen sein könnte.

Die von dem Kiewer Architekten Vitali Vasiahinim entworfene Gedenkstätte sieht ein Museum und einen Gedenkort vor. Bevor der Besucher den Pavillon betritt, wird er an Laternen vorbeigehen, die als eine Art riesige Gedenkkerzen einen Davidstern umrahmen.

Pravda Im Haus erwarten den Besucher moderne, am Computer entworfene Spezialeffekte, die die Atmosphäre vom September 1941 wiedergeben sollen. »Von den Kommandos der Nazi-Soldaten bis zum Bellen ihrer Schäferhunde wird der Besucher die beklemmenden Momente der Tausenden erleben, die dort ihr Leben ließen«, schreibt die Zeitung Historia Pravda. Die Software für die Spezialeffekte entwickelt eine amerikanische Firma, die auch schon für Hollywood gearbeitet hat.

Die Kosten für die Gedenkstätte werden von Spendern aus Israel, der Ukraine und den USA bestritten. Genaue Angaben über die Höhe der Ausgaben sind vom WFRJ nicht zu bekommen.

Am 29. und 30. September 1941 ermordeten SS-Männer in der Schlucht von Babij Jar nordwestlich von Kiew fast die gesamte jüdische Bevölkerung der Stadt – eines der größten Massaker während des Zweiten Weltkriegs. Innerhalb von zwei Tagen wurden mehr als 33.000 Menschen erschossen – manche Schätzungen gehen gar von 50.000 bis 60.000 aus. Internationale Opferverbände beklagten lange Zeit die Tatenlosigkeit der Politik und die Ignoranz weiter Teile der ukrainischen Gesellschaft.

Porträt

Challa vom Prinzen

Idan Chabasov wurde mit seinen kunstvollen Zopfkreationen auf Instagram berühmt. Sein simples Rezept: Mehl, Wasser, Hefe und Verbundenheit zur jüdischen Gemeinschaft. Seine ersten Challot hat er in Berlin gebacken

von Nicole Dreyfus  29.03.2026

Gesa Ederberg

»Globaler und vielfältiger«

Die Berliner Rabbinerin über ihre neue Präsidentschaft der »Rabbinical Assembly«, amerikanische Kollegen und europäischen Elan

von Mascha Malburg  29.03.2026

Großbritannien

Wegen Hamas-Lob: Polizei nimmt Ärztin zum fünften Mal fest

Immer wieder machte die britisch-palästinensische Medizinerin Rahmeh Aladwan mit antisemitischer Hetze von sich reden. Doch auch dieses Mal wurde sie nicht in Haft genommen

 27.03.2026

Krieg gegen Iran

USA könnten Abfangraketen für die Ukraine nach Nahost umleiten

Schicken die USA für die Ukraine vorgesehene Rüstungsgüter in den Nahen Osten? Ein Bericht der »Washington Post« sorgt Aufsehen - vor allem, weil eine Nato-Initiative betroffen sein könnte

 26.03.2026

Großbritannien

Angriff auf Ambulanzen

Eine iranisch-islamistische Terrorgruppe bekennt sich zu einem Anschlag auf den jüdischen Rettungsdienst Hatzola

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  25.03.2026

London

Nach Brandanschlag: König Charles übernimmt Schirmherrschaft für jüdische Sicherheitsorganisation

Das Engagement des Monarchen für »Toleranz, Inklusion und interreligiöses Verständnis« passe eng zur Arbeit des Community Security Trust, so die Organisation

 25.03.2026

Nachruf

Chuck Norris ist doch sterblich

Der Actionstar und Meme-König wurde 86 Jahre alt. Und war immer ein großer Freund Israels

von Sophie Albers Ben Chamo  25.03.2026

Russland

Kleines Haus, große Herausforderung

Einst trugen Schoa-Überlebende in Sankt Petersburg eine Ausstellung zusammen. Nun ist daraus ein Museum geworden, das auch jungen Menschen die jüdische Geschichte näherbringt

von Polina Kantor  24.03.2026

Belgien

Zwei Festnahmen nach Brandstiftung in Antwerpen

Zwei Minderjährige sollen an der Grenze zum jüdischen Viertel ein Auto angezündet haben

 24.03.2026