USA

Eine Hochschule und ihr LGBTQ-Klub

Universitätspräsident Ari Berman Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Der juristische Kampf hat ein Ende. Dachte man jedenfalls, und so titelten diverse jüdische Medien, vom »Forward« bis zur »Times of Israel«, dass die modern-orthodoxe Yeshiva University (YU) in New York von nun an einen LGBTQ-Klub in ihrer Mitte dulden werde. Ein »Meilenstein für queere Juden«, hieß es. Allerdings wollte YU-Präsident Ari Berman nur wenige Tage später nichts mehr von diesem »Meilenstein« wissen.

Der Streit begann vor vier Jahren. Nachdem sich die Universität aus religiösen Gründen strikt geweigert hatte, den Studentenklub förmlich zu genehmigen, hatten Studenten eine Diskriminierungs­klage eingereicht. Seitdem befanden sich die YU Pride Alliance und die YU im Rechtsstreit, und die Universität war bereit, bis zum Supreme Court zu gehen. Das höchste Gericht forderte jedoch, dass vorher »alle Möglichkeiten an bundesstaatlichen Gerichten ausgeschöpft« werden müssten.

Nachdem die YU den LGBTQ-Klub zwischenzeitlich für geschlossen erklärt hatte, gründete sie schließlich einen eigenen mit Namen »Kol Yisrael Areivim« (Alle Juden tragen Verantwortung füreinander), der allerdings von einem Rabbiner geleitet werden sollte, der für seine Anti-LGBTQ-Ansichten bekannt ist, so Studenten-Berichte. In der Zwischenzeit agierte die YU Pride Alliance ohne Finanzierung durch die Universität und ohne Zugang zum Campus.

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Umso größer war nun die Freude darüber, dass der Streit durch eine gemeinsame Vereinbarung beigelegt wurde. Weil sich die YU vor allem am politisch aufgeladenen Wort »Pride« störte, hat der Klub einen neuen Namen: »Hareni«. Laut den Gründern ein Verweis auf den traditionell bestimmte Gebete einleitenden Satz: »Ich nehme mir hiermit vor, das positive Gebot ›Liebe deinen Nächsten wie dich selbst‹ zu erfüllen.«

Gemäß der außergerichtlichen Einigung hat Hareni nun Anspruch auf Schulmittel und werde wie jede andere offizielle Studentenorganisation an der orthodoxen Vorzeige-Universität behandelt. »Hoffentlich wird das dazu führen, dass queere Menschen im Herzen der jüdischen Orthodoxie voll einbezogen werden«, zitiert der Forward Schneur Friedman, den Co-Präsidenten und langjährigen Aktivisten der Pride Alliance.

Das gilt nicht für Präsident Berman. Der gab indes eine Erklärung ab, in der er Medien vorwirft zu suggerieren, dass die Yeshiva University ihre Position geändert habe.

Rabbiner widersprachen entschieden

Die Universität habe immer klargemacht, »dass das, was ein Pride Club repräsentiert, im Widerspruch zum Studiengang steht, in dem die traditionelle Auffassung von der Ehe und den bei der Geburt festgelegten Geschlechtern vermittelt wird«. Der neue Klub sei für »Studenten gedacht, die sich um ein authentisches, kompromissloses halachisches Leben bemühen«, und alle Beteiligten seien sich einig, »dass er mit der Halacha übereinstimmt«. Auch leitende Rabbiner der Rabbinerschule der YU widersprachen entschieden: Der einzige LGBTQ-Klub, den sie an der Universität dulden würden und der genehmigt worden sei, sei einer, der dazu ermutige, sexuell enthaltsam zu leben.

Mitglieder der Pride Alliance reagierten wiederum gelassen: »Hareni freut sich darauf, seine Arbeit zur Unterstützung von LGBTQ-Studenten und Verbündeten aufzunehmen«, hieß es in einer Erklärung.

Ein wichtiger Hinweis kommt vom unabhängigen News-Portal »RNS«: Da beide Parteien offensichtlich widersprüchliche Vorstellungen von dem hätten, was sie vereinbart haben, hätte ein Teil der Verwirrung vermieden werden können, indem die Bedingungen veröffentlicht worden wären. Laut Berichten soll dies in den kommenden Wochen geschehen.

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