Brüssel

Belgische Juden fordern Antisemitismusbeauftragten

Schmiererei an einer Frittenbude im Brüsseler Stadtteil Uccle Foto: Michael Thaidigsmann

Der Anschlag auf die Synagoge in der ostbelgischen Stadt Lüttich am Montagmorgen wurde mittels eines selbstgebauten Sprengkörpers (Improvised Explosive Device, IED) durchgeführt. Der Sprengsatz sei mit Hilfe von Feuerwerkskörpern hergestellt worden, berichteten belgische Medien unter Berufung auf Polizeikreise.

Bei der Explosion entstand beträchtlicher Sachschaden, Menschen wurden aber nicht verletzt. Presseberichten zufolge zeigen die Aufnahmen einer Überwachungskamera einen maskierten Mann, wie er mit einem Auto auf das Gotteshaus zufährt, einen Sprengkörper vor der Tür des Gebäudes abstellt und anschließend mit hoher Geschwindigkeit davonfährt, bevor schließlich der Sprengkörper explodiert. Das Gesicht des Mannes ist demzufolge auf den Aufnahmen nicht erkennbar. Nach ihm wird weiter gefahndet.

Unterdessen hat das Koordinierungskomitee der jüdischen Organisationen Belgiens (CCOJB) gefordert, erneut Soldaten zum Schutz jüdischer Stätten und Einrichtungen einzusetzen, sofern nicht genügend Polizeikräfte zur Verfügung stünden. CCOJB-Präsident Yves Oschinsky sagte zudem im Radio »La Première«, es sei höchste Zeit, dass Belgien einen Antisemitismusbeauftragten bekomme. Das Königreich ist zudem eines der wenigen EU-Länder, das auch noch keine nationale Strategie im Kampf gegen den Judenhass verabschiedet hat.

Lesen Sie auch

Vor kurzem veröffentlichte das unabhängige Institut Jonathas eine Umfrage über den Antisemitismus in der Hauptstadt Brüssel. Demnach glaubten zwei Fünftel der 600 Befragten, dass Juden die Finanzwelt und die Banken kontrollierten, während ein Viertel der Teilnehmer der Befragung Juden für Wirtschaftskrisen verantwortlich machten und 22 Prozent der Auffassung waren, dass belgische Juden »nicht wirklich Belgier wie alle anderen« seien. mth

Meinung

Ein Sonntag genügt!

Was gehen uns in der Schweiz die Wahlen in Sachsen-Anhalt an? Auf den ersten Blick nicht viel. Auf den zweiten wird klar: Das Problem ist nicht nur die Partei selbst

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.09.2026

Nachruf

Gloria Steinem: Ein Leben im Dienst der Gleichberechtigung

Die Journalistin und feministische Aktivistin starb im Alter von 92 Jahren. Mit ihrem Magazin »Ms.« veränderte sie den Blick auf Frauen nachhaltig

 04.09.2026

Schweiz

»Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen!«

Der neunjährige Nathan Hertig ist eines von 25 jüdischen Kindern des FC Hakoah Zürich, die die Profis des FC Zürich ins Stadion begleiten durften. Im Interview erzählt er von diesem Erlebnis

von Nicole Dreyfus  03.09.2026

Terezín 2050

Theresienstadt: Zwischen Gedenken und Weiterleben

Einst Habsburger Festung, dann NS-Ghetto, heute tschechische Kleinstadt: Terezín (Theresienstadt) ist Erinnerungsort und lebendige Stadt zugleich. Internationale Forscher suchen nach Perspektiven für den Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft

 03.09.2026

Ungarn

Jüdisches Leben nach Orbán

Die neue Regierung verspricht eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Judenhass – und Partnerschaft auf Augenhöhe

von György Polgár  03.09.2026

USA

Warum Punk so jüdisch ist

In New York fing es an. In London wurde es Modetrend. Aber was hat eigentlich Lenny Bruce damit zu tun?

von Sarah Thalia Pines  31.08.2026

Interview

»Die Lage der schwedischen Juden ist schrecklich«

Schwedens Bildungs- und Integrationsministerin Simona Mohamsson über den Davidstern und die Vermischung von Israel-Kritik und Antisemitismus

von Michael Thaidigsmann  31.08.2026

Birmingham

Ermittlungen gegen früheren Polizeichef wegen Ausschluss israelischer Fußballfans

Der Ausschluss von Anhängern des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv bei dessen Auswärtsspiel im November vergangenen Jahres in Großbritannien hat ein Nachspiel

 28.08.2026

Social Media

Prozess: Mark Zuckerbergs Meta will knapp 17 Milliarden Dollar zahlen

Das historische Verfahren zwischen Tech-Gigant Meta und fast allen US-Bundesstaaten gilt rechtlich nur für die USA. Doch es könnte auch globale Auswirkungen haben

 28.08.2026