Schweiz

Ein Sohn der jüdischen Gemeinschaft

Die letzte grausame Ironie seines zu kurzen Lebens: Ausgerechnet am Dienstag vergangener Woche, an jenem Wochentag, an dem er immer seine vielbeachteten und beliebten Schiurim in der Israelitischen Cultusgemeinde (ICZ) zu geben pflegte – zuletzt ging es um die Zehn Gebote –, verlor Rabbiner Michael Goldberger sel. A. den Kampf gegen seine langjährige heimtückische Krankheit. Am 17. Juli ist er im Alter von nur 51 Jahren in Zürich verstorben. Er wurde am darauffolgenden Tag in Israel zur letzten Ruhe geleitet.

Seine Familie – Rabbiner Goldberger hinterlässt eine Frau und fünf Söhne – und seine Freunde hatten schon länger mit der grausamen Gewissheit leben müssen, dass der in Basel Geborene, wie schon sein langjähriger Weggefährte und Kollege, der Basler Kantor Marcel Lang sel. A., bereits in vergleichsweise jungen Jahren schwer erkrankt war und dem frühen eigenen Ende entgegensehen musste. Goldbergers Freundschaft mit Lang, der im Sommer 2009 erst 53-jährig verstorben war, ging auf die gemeinsame Jugendzeit in Basel zurück. Beide waren dort aktive Mitglieder des Jugendverbands Ben Akiwa und schon früh einem dynamischen, toleranten und offenen Judentum verbunden.

Düsseldorf Zur vollen Entfaltung kam die Freundschaft, als Goldberger ab 1988 als Jugendleiter und von 1993 bis 2003 als Gemeinderabbiner der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und Lang als deren Kantor amtierten. An den Feiertagen bildeten die beiden ein einzigartiges Duo, das durch seine Dynamik die Synagogenbesucherinnen und -besucher mitreißen konnte.

Rabbiner Michael Goldberger hinterließ aber auch im Alltag der Gemeinde seine Spuren. Er sei »authentisch und überzeugend« gewesen, sagt Herbert Rubinstein, Vorstandsmitglied des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein: »Er konnte unseren Jugendlichen in der Gemeinde ein Judentum vorleben, das seine Identität war« – nicht zuletzt auch durch die Gastfreundschaft, die er zusammen mit seiner Frau Pnina ausübte und von der viele Menschen profitieren konnten. »Es ist ein Sohn unserer Gemeinde in sehr jungen Jahren von uns gegangen. Er ist für uns und für die jüdische Gemeinschaft einfach unersetzlich«, betonte Rubinstein.

Vorbild Was Michael Goldberger tat, das tat er mit großem Engagement. Schon als Schüler schrieb er unter anderem für die Basler Jüdische Rundschau – ein Mitarbeiter, dem kein Thema zu heiß und keine Recherche zu unangenehm war. Dann machte er sein Diplom in Psychologie, er wurde Gestalttherapeut und widmete sich neben der rabbinischen auch der Jugendarbeit. Nach seiner Rückkehr aus Deutschland amtierte er zuerst als Rektor der jüdischen Schule Noam in Zürich, bevor er Assistenzrabbiner der ICZ wurde. Bis zuletzt waren es also gerade junge Leute, denen er das Judentum auf eine menschliche und zugleich dynamische Art und Weise nahebrachte.

Michael Goldberger sel. A. liebte aber auch die Sprache, er liebte das Weiterentwickeln eines Gedankens, das logische Aneinanderreihen von Argumenten. Wer einmal einen Schiur dieses Rabbiners erlebte, wird ihn nicht vergessen. Daneben publizierte Goldberger auch weiter. Für die jüdischen Zeitungen der Schweiz und auch für die Jüdische Allgemeine in Deutschland verfasste er regelmäßig Betrachtungen zum Wochenabschnitt der Tora. Diese Texte sollen im Herbst in Zürich gesammelt erscheinen – eine würdige Erinnerung an eine Persönlichkeit, die viel zu früh von uns gegangen ist.

Alija

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