Italien

Das Licht der Menora

Mit einer gemeinsamen Eintrittskarte für sieben Euro können Besucher bis zum 23. Juli sowohl 120 Exponate im kürzlich restaurierten Braccio di Carlo Magno als auch zehn Werke im Jüdischen Museum besichtigen. Zum ersten Mal zeigen die Vatikanischen Museen und Roms Jüdisches Museum eine Gemeinschaftsausstellung. Sie widmet sich der Menora, dem siebenarmigen Leuchter.

Dialog Die Schau »verwirklicht den interreligiösen Dialog«, betont die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Roms, Ruth Dureghello. »Jüdische und katholische Welt haben ihre Eigenheiten. Aber wenn wir die Unterschiede bewahren, können wir die Werte, die wir teilen, noch besser sehen.« Ronald S. Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, erklärte: »Einen langen Weg sind zwei unterschiedliche Völker gegangen, die in Wahrheit ähnlicher sind, als sie dachten.«

Innerhalb von dreieinhalb Jahren ist es den Kuratoren Arnold Nesselrath, Francesco Leone und Alessandra Di Castro gelungen, etliche Museen in aller Welt davon zu überzeugen, bedeutsame Werke auszuleihen, darunter der Pariser Louvre, die Londoner National Gallery und das Berliner Kupferstichkabinett.

Vielfalt Die Exponate zeigen die große Vielfalt von Menora-Darstellungen im Laufe der Geschichte. So ist unter anderem eine antike Pruta-Münze mit einer Menora zu sehen. Jene Geldstücke waren in Jerusalem wahrscheinlich zur Zeit Antiochus II. in Umlauf und werden an mehreren Stellen in der Mischna erwähnt. Das Jüdische Museum der piemontesischen Stadt Casale Monferrato steuerte ein Schiwiti (Psalmvers) aus dem 18. Jahrhundert für die Ausstellung bei. Es wurde in Form einer Menora geschrieben.

Das Hauptinteresse der Ausstellung gilt jedoch einem Menora-Steinrelief, das Archäologen 2009 bei Ausgrabungen am See Kinneret entdeckten. Man datiert es auf die Jahre 50 v.d.Z. bis 50 n.d.Z. Vermutlich handelt es sich um eine der ältesten Menora-Darstellungen aus der Zeit vor der Zerstörung des Zweiten Tempels.

Die Tora erwähnt im 2. Buch Mose 25, 31–37, dass Moses die Menora, wie von Gott befohlen, aus reinem Gold schmiedete. Bei der Zerstörung des Zweiten Tempels wurde sie angeblich von Titus geraubt und nach Rom gebracht. Die Geschichte ist im Titusbogen, dem ältesten erhaltenen Triumphbogen des antiken Roms, bildlich dargestellt.

Spekulationen Die Original-Menora befand sich bis Ende des zweiten Jahrhunderts im Templum Pacis. Später, bei der Plünderung Roms durch die Vandalen im Jahr 455, verschwand sie. Was danach mit ihr geschah, bleibt ein Rätsel und führt immer wieder zu Spekulationen: Die Menora sei nach Karthago oder Konstantinopel gebracht oder vielleicht im Tiber versenkt worden (den man daraufhin erfolglos ausbaggerte), oder sie sei vielleicht im Vatikan versteckt. Roms Oberrabbiner Riccardo Di Segni meint hingegen, sie sei womöglich wieder nach Jerusalem gelangt und dort begraben worden.

Die Menora symbolisiert unter anderem die Schöpfung der Welt. Sie ist eine mystische Metapher des göttlichen Lichts, des Lebensbaums sowie seit der Staatsgründung das Symbol Israels. Menora-Darstellungen finden sich in Roms jüdischen Katakomben, auf Sarkophagen, Grabsteinen, Glasfenstern, Kelchen und Juwelen.

Logo »Von Anfang an galt die Menora als das Logo des jüdischen Volkes – weit vor dem Davidstern seit dem 17. Jahrhundert«, sagt Rabbiner Di Segni. Doch im Laufe der Geschichte entwickelte sich der siebenarmige Leuchter auch zu einem christlichen Symbol, vor allem seit der Zeit Karls des Großen. Beispiele hierfür finden sich im Essener Münster, auf der Insel Reichenau und im Mailänder Dom. Die Ausstellung zeigt zwei Leuchter aus Palma de Mallorca (18. Jahrhundert) sowie einen aus der Busdorfkirche in Paderborn (um 1300).

Die Schau ist in drei Abschnitte unterteilt, die von den Ursprüngen bis in die Gegenwart reichen: Beginnend mit einem Fragment der Forma Urbis Romae, einem Stadtplan des antiken Roms, führt sie durch die Malerei von Marcello Venusti und Nicolas Poussin bis hin zu den Bildern Marc Chagalls sowie zu literarischen Werken wie dem Begrabenen Leuchter von Stefan Zweig (1937).

Zeitgenössische Kunst findet sich in der 3D-Komposition »Shabbat Room« von Maya Zack, der Kohlezeichnung »Triumphs & Laments« von William Kentridge oder der Mandelblüte aus Silber, Email und Diamanten des amerikanischen Designers und Juweliers Joel Arthur Rosenthal.

In Rom hört man dieser Tage, die Ausstellung trage zum Ruhme der ewigen Stadt bei. Sogar aus New York gebe es bereits Anfragen. Vergangene Woche wollte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel die Schau besichtigen. Doch auf dem Weg ins Museum erreichte sie die Nachricht von Helmut Kohls Tod, sodass sie ihren Besuch (vorerst?) absagte.

Die Vatikanischen Museen sind täglich außer Mittwoch und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, das Jüdische Museum Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr und Freitag von 10 bis 16 Uhr. www.lamenora.it

Flüge

US-Airline nimmt Route Tel-Aviv-New York wieder auf

Pünktlich zu Rosch Haschana gibt es wieder Direktflüge zwischen New York und Tel Aviv von anderen Anbietern als El Al

 09.08.2026

Großbritannien

Verdacht: Britische Hilfsorganisation könnte Hamas unterstützt haben

Die Anti-Terror-Polizei Londons untersucht, ob eine muslimische Hilfsorganisation von der Terrorfinanzierung mit ihren Spenden wusste oder nicht

 09.08.2026

Griechenland

Warnung an Israelis in Griechenland

Weil »propalästinensische« Organisationen zu einem »Tag des Zorns« aufgerufen hätten, sollen sich Israelis bedeckt halten, warnt das israelische Außenministerium

 09.08.2026

Jerusalem

Großeltern umgebettet: Theodor Herzls letzter Wille ist erfüllt

Die Überreste von Schimon und Rikva Herzl, Vorfahren väterlicherseits des Zionismus-Begründers und prägende Gestalten in Theodor Herzls Jugend, wurden von Serbien nach Israel überführt und auf dem Herzlberg beigesetzt

 06.08.2026

Palma

Michael Douglas ist Ehrenbotschafter Mallorcas

Der Hollywood-Star mit jüdischem Familienhintergrund wird für seine enge Verbindung zu der spanischen Insel und sein Engagement für deren kulturelles Erbe geehrt

 06.08.2026

Frankreich

Eine Abrechnung mit dem Judenhass der neuen Linken

Nach 41 Jahren verlässt der anerkannte Journalist Jean Quatremer die beliebte Tageszeitung »Libération«. Er wirft Kollegen einen »entfesselten Antisemitismus« und eine ideologische Schreckensherrschaft vor

 06.08.2026

USA

Seitenwechsel

In Stanford hetzte Taryn Thomas auf Studentenprotesten gegen Israel. Dann sah sie die Nova-Ausstellung – und wurde zur »Verräterin«

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  06.08.2026

Großbritannien

Tories wegen Nominierung von Ex-Neonazi in der Kritik

Die Chefin der Konservativen Partei hält ihn für resozialisiert, doch die jüdische Labour-Politikerin Luciana Berger ist skeptisch, was eine Kandidatur des früheren Rechtsextremisten Joshua Bonehill-Paine bei der Kommunalwahl 2027 anging

von Michael Thaidigsmann  06.08.2026

Litauen

Bima der Großen Synagoge von Vilnius endlich freigelegt

Während die Ausgrabungen voranschreiten, geht die Debatte über die Zukunft des Ortes weiter. Soll dort ein Gemeindezentrum entstehen, ein religiöses Zentrum oder eine Erinnerungs- und Bildungsstätte?

 05.08.2026