In Skopje ist es am frühen Sonntagmorgen zu einem versuchten Brandanschlag auf die Synagoge sowie das Gebäude der jüdischen Gemeinde gekommen. Nach übereinstimmenden Berichten lokaler Medien und Auswertungen von Überwachungskameras verschafften sich zwei bislang unbekannte Täter Zugang zum Gelände und setzten den Eingangsbereich in Brand.
Der Vorfall soll sich frühmorgens gegen 5 Uhr ereignet haben. Die beiden Verdächtigen sollen mit einem Motorrad vorgefahren sein, anschließend über den Zaun geklettert und sich dem Gebäude genähert haben.
Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen, wie einer der Täter einen Kanister mit brennbarer Flüssigkeit trägt, während der zweite offenbar Wache steht. Anschließend wird die Flüssigkeit über dem Eingangsbereich verteilt und ein brennender Gegenstand geworfen, der ein Feuer auslöst.
Die israelische Botschafterin in Mazedonien, Vivian Aisen, veröffentlichte ein Video von dem Versuch, die Synagoge in Skopje in Brand zu setzen. »Ein zutiefst beunruhigender antisemitischer Vorfall in Nordmazedonien, der erste seit 1945, trifft auf die Werte des Zusammenlebens, die die jüdische Gemeinde schätzt. Ich stehe an der Seite der Gemeinschaft und fordere die Behörden des Landes auf, die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen«, sagte Botschafterin Aisen auf der Plattform X.
Das Innenministerium Nordmazedoniens teilte mit, dass der Vorfall dann gegen 7:22 Uhr gemeldet wurde. Auf dem Gelände in der Straße »Apostol Guslarot« seien ein Benzinkanister sowie Hinweise auf Brandbeschleuniger entdeckt worden. Polizeikräfte sicherten Spuren, parallel laufen Ermittlungen zur Identifizierung der Täter. Verletzt wurde bei dem Angriff niemand. Dennoch wurden die Sicherheitsmaßnahmen rund um jüdische Einrichtungen in der Hauptstadt vorsorglich erhöht.
Multiethnisches Umfeld getroffen
Die jüdische Gemeinde des Landes verurteilte die Tat scharf. Wie auf Anfrage der stellvertretende Vorsitzende der jüdischen Gemeinde von Nordmazedonien, Rahamin Mizrahi, sagt, sei die jüdische Gemeinde in Skopje nach dem Brandanschlag zutiefst erschüttert und besorgt. »Dieses unerwartete und schmerzliche Ereignis hat die Gemeinde, die seit Jahrzehnten in einem stabilen und friedlichen multiethnischen und multikulturellen Umfeld in Nordmazedonien lebt, tief getroffen.«
Der Vorfall sei daher mit großem Unglauben aufgenommen worden. Gleichzeitig habe er den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde gestärkt. »Die Mitglieder zeigen Solidarität, gegenseitige Unterstützung und ein neu entfachtes Verantwortungsgefühl«, sagt Mizrahi.
Besorgnis über Hassrede und Intoleranz
Er äußerte aber auch Besorgnis über eine zunehmende Verbreitung von Hassrede und Intoleranz. »Dieser Anschlag stellt eine erhebliche emotionale Erschütterung des Sicherheitsgefühls der jüdischen Gemeinde dar.« Nordmazedonien gilt weithin als multiethnische Gesellschaft. »In diesem Kontext fühlte sich die jüdische Gemeinde historisch integriert und sicher.«
Die Tatsache, dass dies der erste Vorfall dieser Art in der Nachkriegszeit sei, mache ihn besonders bedeutsam. »Er erzeugt ein Gefühl der Verletzlichkeit, das zuvor nicht Teil der Lebenserfahrung der Gemeinde war«, so Mizrahi.
Seit dem 7. Oktober ist in Nordmazedonien ein begrenzter, aber spürbarer Anstieg antisemitischer Äußerungen, vor allem in bestimmten Online-Bereichen und sozialen Medien, zu verzeichnen. Dies seien zwar Ausnahmen und kein allgemeiner gesellschaftlicher Trend, findet Mizrahi, dennoch können selbst vereinzelte Fälle solcher Rhetorik für eine kleine jüdische Gemeinde ein erhöhtes Maß an Sensibilität hervorrufen.
Die jüdische Gemeinde fordert daher alle »religiösen Führer, Institutionen und Bürger zu einer klaren, deutlichen und einheitlichen Verurteilung auf. Nur durch gemeinsame Verantwortung und Wachsamkeit können wir sicherstellen, dass sich solche Vorfälle nie wiederholen«. Die Reaktion der Behörden war laut Mizrahi zeitnah, verantwortungsvoll und »entsprach den Prinzipien einer funktionierenden demokratischen und multiethnischen Gesellschaft.« Aber er fordert auch, dass Schutz nicht nur als reaktive Maßnahme verstanden wird, sondern als Teil eines umfassenderen und kontinuierlichen Engagements für Sicherheit und Prävention. Daher erwartet die Gemeinde auch, dass nun auch die Sicherheitsvorkehrungen vor den jüdischen Institutionen erhöht werde.
Gleichzeitig setze sich die jüdische Gemeinde weiterhin für Offenheit, Dialog und einen positiven Beitrag zur gemeinsamen Zukunft aller Bürgerinnen und Bürger ein.
Auch Außenminister Timčo Mucunski reagierte mit deutlichen Worten und bezeichnete den Vorfall als »völlig inakzeptabel«, ein religiöses Gebäude – noch dazu am Osterfest – in Brand setzen zu wollen. Die Behörden würden alles daransetzen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Gegen die Täter wird ermittelt.