Uganda

Botschaft am Viktoriasee

Straßenszene in Kampala Foto: imago

Uganda

Botschaft am Viktoriasee

Israel möchte in der Hauptstadt Kampala wieder eine diplomatische Vertretung eröffnen

von Markus Schönherr  28.05.2013 16:43 Uhr

Für viele Juden weckten die Worte von Gil Haskel, Israels Botschafter in Kenia, Hoffnung: »Jetzt, da die beiden Länder wieder eine herzliche Beziehung haben, gibt es keinen Grund, die Botschaft nicht zu eröffnen.« Bei seiner Rede hatte Haskel eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und dem ostafrikanischen Staat Uganda in Aussicht gestellt. Das Verhältnis der beiden Staaten war lange angespannt. Über Jahrzehnte wurden Juden in Uganda vertrieben, verfolgt und getötet.

Entebbe Im Jahr 1971 putschte sich in Uganda Idi Amin, einer der grausamsten Diktatoren Afrikas, an die Macht. Mehr als 300.000 Menschen sollen während seiner achtjährigen Gewaltherrschaft ums Leben gekommen sein. Kurz nach seiner Machtergreifung ließ Amin das Judentum verbieten. Der selbst ernannte »Herr aller Kreaturen der Erde« bekundete seine Solidarität mit Palästina und ließ alle Israelis ausweisen.

Bei der Entführung einer Air-France-Maschine 1976 nach Entebbe sollen seine Sicherheitskräfte maßgeblich beteiligt gewesen sein. Deutsche und palästinensische Terroristen hatten damals die Passagiere als Geiseln genommen. Kurz darauf ließen sie alle bis auf Juden frei. Israels Regierung schickte Spezialeinheiten nach Uganda und startete die »Operation Entebbe«. Bei der Befreiungsaktion schlug sich die ugandische Armee auf die Seite der Entführer und schoss auf die israelischen Soldaten.

Israel hatte 1962 eine Botschaft in Uganda eröffnet, um seine Expatriaten und die schwarzafrikanische jüdische Gemeinde mit Kleidung und Gebetsbüchern zu versorgen. In den Wirren der Judenverfolgung durch Amin musste sie 1971 schließen. Zwei Jahrzehnte später nahmen Israel und Uganda wieder diplomatische Beziehungen auf, aber das Verhältnis blieb angespannt.

Technologie Seit einigen Jahren gibt es Hoffnung auf Besserung. Botschafter Gil Haskel lobt die landwirtschaftlichen Projekte, die Israel und Uganda einen Schritt nähergebracht hätten. »Uganda hat genügend Wasservorräte. Es gibt keinen Grund, weshalb ein einziger Ort keine Ressourcen für Trinkwasser oder die Bewässerung haben sollte.«

Uganda werde von Israels Expertise im Wassermanagement und seinen landwirtschaftlichen Technologien profitieren. Schon in der Vergangenheit konnte Israel mit Know-how helfen: Als im Viktoriasee die heimischen Fische durch eingeschleppte Tiere verschwanden, reisten vier Ugander nach Israel, um die Karpfenzucht zu erlernen.

Aus einer diplomatischen Vertretung Jerusalems vor Ort würden vermutlich auch die Juden im Osten Ugandas einen Nutzen ziehen. Die örtliche Gemeinde verlor während der Amin-Herrschaft um die 1000 Mitglieder. Seit einigen Jahren findet sie aber immer mehr Zulauf. Eine offizielle Statistik gibt es zwar nicht, aber Rabbi Gershom Sizomu zählt rund 1500 Mitglieder in der Gemeinschaft der sogenannten Abayudaya.

Abayudaya Der Name heißt übersetzt »Volk des Juda« oder »Kinder Israels«. Einige konvertierten im Jahr 2002 bei Rabbinern aus Israel und den USA zum Judentum. Die Gemeinde betreibt fünf Synagogen, eine Grund- und eine Mittelschule sowie ein Krankenhaus.

Sizomu ist der erste und bisher einzige Rabbiner in Zentralafrika. Nach seinem Studium in den USA wurde er 2008 von der Konservativen Bewegung zum Rabbiner ernannt. »Dies bringt große Verantwortung mit sich«, sagte er der Jüdischen Allgemeinen. »Wir haben aufstrebende Gemeinden in Kenia, Ghana, Nigeria, dem südlichen Afrika und Uganda.«

Eva Erben

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