Trondheim

Vorfall vor Synagoge in Norwegen

Polizist vor der Synagoge in Trondheim am Donnerstagabend Foto: IMAGO/NTB

In der Synagoge im norwegischen Trondheim kam es am Abend zu einem größeren Polizeieinsatz. Eine Person wurde festgenommen. »Ich kann bestätigen, dass derzeit eine Polizeiaktion in der Synagoge stattfindet«, sagte Leif Knutsen, Vorsteher der Jüdischen Gemeinde in Trondheim. Das Gebäude beherbergt auch das jüdische Museum der Stadt.

Als sich der Vorfall ereignete, fand dort eine Veranstaltung statt. Zunächst war von einem »bewaffneten Angriff« und einer möglichen Geiselnahme die Rede. Dies wurde aber nicht bestätigt. Der Einsatzleiter der Polizei teilte dem Sender NRK mit, dass zwei verdächtige Personen in einem Auto nahe der Synagoge gesichtet worden seien. Eine Person sei ausgestiegen und geflüchtet, während die andere mit hoher Geschwindigkeit weitergefahren sei.

Gesuchte Person

Es sei dann zu einer Verfolgungsjagd stadtauswärts gekommen. Das Auto fuhr in eine Nagelmatte, die die Polizei ausgelegt hatte.

Nach der zweiten Person werde aber noch gefahndet. Gegenüber der Zeitung »Adresseavisen« sagte die Polizei, man habe aber keine genaue Beschreibung der gesuchten Person.

Die Polizei sperrte das Gebiet rund um das Gebäude in der Trondheimer Innenstadt ab. Seit dem Anschlag auf die US-Botschaft in Oslo am vergangenen Sonntag haben die Behörden die Schutzmaßnahmen für die wenigen jüdischen Einrichtungen im Land verstärkt.

Lesen Sie auch

Gezielter Angriff

Der Anschlag werde Ängste bei der jüdischen Gemeinschaft erhöhen, sagte der Vorsitzende der Synagoge, Chris den Hoedt, auch wenn der Sachschaden gering sei. Er sprach von »einem gezielten Angriff auf eine niederländische Glaubensgemeinschaft«.

Justizminister David van Weel sprach von einem gezielten Anschlag mit vermutlich antisemitischem Hintergrund. Die jüdische Gemeinschaft sei bereits länger Zielscheibe von Gewalt und Bedrohung.

Die Rotterdamer Bürgermeisterin Carola Schouten sagte zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu. »In Rotterdam ist kein Platz für Antisemitismus, Einschüchterungen, Gewalt und Hass gegen Religionsgemeinschaften.«

Die 1905 gegründete Gemeinde von Trondheim unterhält eines von zwei noch aktiven jüdischen Gotteshäusern in Norwegen. Das andere befindet sich in Oslo, wo die meisten der rund 1500 Mitglieder starken jüdischen Gemeinschaft leben.

Unterdessen wurde im Nordwesten von Detroit, im US-Bundesstaat Michigan, am Donnerstag ebenfalls eine Synagoge angegriffen. Der Täter fuhr mit einem Truck auf das Gelände, auf dem sich auch ein jüdischer Kindergarten befindet. Der Mann wurde von der Polizei erschossen. Außer ihm gab es ersten Berichten zufolge aber keine Toten und Verletzten.

Am Montagmorgen war im belgischen Lüttich ein Sprengstoffanschlag auf die dortige Synagoge verübt worden. Die mutmaßlichen Täter sind weiter auf der Flucht. Am Mittwoch wurde ein Bekennervideo veröffentlicht, dessen Authetizität die belgischen Behörden aktuell noch prüfen. mth

Kommentar

250 Gründe, die USA zu lieben

Am 4. Juli 1776 wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Eine etwas andere Liebeserklärung

von Imanuel Marcus  29.06.2026

Österreich

Rabbiner Yaron Nisenholz wird Wiens neuer Oberrabbiner

Nach einem internationalem Auswahlverfahren übernimmt Rabbiner Yaron Nisenholz die religiöse Führung der IKG Wien

von Nicole Dreyfus  29.06.2026

Venezuela

Jüdische Gemeinde beklagt drei Tote, mehr als 100 Obdachlose

Das Erdbeben in Venezuela hat auch für die rund 5000 Mitglieder zählende jüdische Gemeinschaft des Landes schwere Folgen

 29.06.2026

Eva Erben

»Oft weiß man gar nicht, wie viel Kraft in einem steckt«

Die 95-jährige Holocaustüberlebende war aus Israel nach Prag gekommen, um bei der Verlegung der »Stolpersteine« für ihre in der Schoa ermordeten Eltern dabei zu sein

von Michael Thaidigsmann  26.06.2026

Frankreich

Gesinnung von der Stange

Antisemitismus und eine feindliche Haltung gegenüber Israel stehen in der Modewelt hoch im Kurs. Längst gehören sie zum ideologischen Accessoire so mancher Marke

von Ute Cohen  25.06.2026

Kolumbien

Knapper Wahlsieg, dramatischer Kurswechsel?

Der knapp zum kolumbianischen Präsidenten gewählte Abelardo de la Espriella will die Beziehungen zu Israel kitten - doch de la Espriella ist wie sein Vorgänger Gustavo Petro sehr umstritten

von Michael Thaidigsmann  24.06.2026

Nachruf

Erfinder des »Greenspeak«

Alan Greenspan prägte als Chef der US-Notenbank eine 19 Jahre währende Boom-Phase der Börsen und Konjunkturen

von Philip Fabian  23.06.2026

Nachruf

Clive Davis: Der Mann, der den Sound ganzer Generationen prägte, ist tot

Der jüdische Musikmanager entdeckte und förderte Bands und Künstler wie Earth, Wind & Fire, Chicago, Santana, Whitney Houston, Barry Manilow und Barbra Streisand

 23.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  22.06.2026