Schweden

Befremdliche Aussagen

Bei einer Pressekonferenz am Montagmittag erklärte Mehmet Kaplan seinen Rücktritt. Foto: dpa

In einer Pressekonferenz gab Schwedens Premierminister Stefan Löfven am Montagmittag den Rücktritt des grünen Bauministers Mehmet Kaplan (Miljöpartiet) bekannt. Kaplan war in der vergangenen Woche in die Kritik geraten, nachdem die schwedische Tageszeitung Svenska Dagbladet (SvD) eine seiner Aussagen aus dem Jahr 2009 veröffentlicht hatte, in der er Israels Agieren gegenüber den Palästinensern mit Nazideutschlands Politik gegenüber den Juden verglich. Der israelische Botschafter in Schweden, Isaac Bachman, bezeichnete Kaplans Vergleich als »blanken Antisemitismus«.

Der Zentralrat der Juden in Schweden begrüßte die Mitteilung des Regierungschefs, dass Kaplan gezwungen werde, die Regierung zu verlassen. Es sei für die schwedische Regierung notwendig gewesen, Kaplan abzusetzen, um ihre Glaubwürdigkeit zu behalten, sagte Zentralratsvorsitzende Lena Posner-Körösi der Jüdischen Allgemeinen. »Mehmet Kaplan hat sich in den vergangenen Jahren sowohl mit Rechtsextremisten als auch Islamisten umgeben. Außerdem hat er befremdliche Aussagen über Israel und die Schoa gemacht.«

gemeinde Es sei positiv, dass Kaplan um Rücktritt gebeten habe, sagte Aron Verständig, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Stockholm. »Mehmet Kaplan hat eine lange Geschichte problematischer Aussagen, von denen einige direkt antisemitisch sind. Vor diesem Hintergrund begrüße ich es, dass der Ministerpräsident und einige andere Minister sich so klar positioniert haben.«

Mehmet Kaplan ist seit 2006 Mitglied des schwedischen Reichstages. Seit der schwedischen Parlamentswahl 2014 amtierte er als Bauminister. Der grüne Politiker wurde während seiner politischen Laufbahn bereits mehrfach für seine unentschiedene Haltung zum Islamismus kritisiert.

So hatte Kaplan etwa im vergangenen Sommer an einem Abendessen teilgenommen, bei dem auch ein Repräsentant der rechtsextremen türkischen Partei Graue Wölfe anwesend war. Zudem berichtete das schwedische Fernsehen SVT, Kaplan habe wiederholt Kontakt zu der als islamistisch geltenden Organisation Milli Görüs gehabt. Im vergangenen Jahr war der Bauminister damit angeeckt, dass er während eines Seminars zu Islamophobie schwedische IS-Kämpfer im gleichen Atemzug mit Schweden genannt hatte, die während des Sowjetisch-Finnischen Krieges von 1939 bis 1940 an der Seite Finnlands gekämpft hatten.

Alija

Sprunghafter Anstieg: Mehr Juden sagen Frankreich Adieu

2025 hat sich die Zahl der jüdischen Auswanderer nach Israel fast verdoppelt. Experten machen dafür vor allem den wachsenden Antisemitismus verantwortlich

 08.01.2026

Entführungsfall

Jugendamts-Zeugin im Block-Prozess: »Unglaubliche Belastung«

In dem Hamburger Prozess geht es eigentlich um die Entführung der Block-Kinder. Die hat aber eine jahrelange Vorgeschichte. Eine Jugendamts-Mitarbeiterin schildert eine wichtige Wende im Sommer 2021

von Stephanie Lettgen, Bernhard Sprengel  08.01.2026

Fußball

England als neue Chance? Daniel Peretz verlässt Hamburger SV

Nach der missglückten Leihe zum Hamburger SV geht es für Bayern-Torhüter Daniel Peretz in England weiter. Dort trifft er auf einen deutschen Trainer

 08.01.2026

Los Angeles

Sega-Mitgründer David Rosen im Alter von 95 Jahren gestorben

Der Unternehmer aus New York ging in den 1950ern nach Japan und importierte Fotoautomaten. Später folgten Flipper-Automaten und Jukeboxen

 08.01.2026

Meinung

Instrumentalisiertes Leid kennt keine Moral

Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana braucht es Mitgefühl und Respekt. Wer eine lokale Tragödie von existenzieller persönlicher Wucht für politische Deutungen missbraucht, handelt zynisch – und entwürdigt die Betroffenen.

von Nicole Dreyfus  08.01.2026

Interview

»Die ICZ gehört zu mir – und ich gehöre zu ihr«

Sie will Brücken bauen, ohne den Rahmen zu sprengen. Die neu gewählte ICZ-Präsidentin Noëmi van Gelder spricht über Tradition und Offenheit, über Sicherheit in bewegten Zeiten – und darüber, wie jüdisches Leben in Zürich sichtbar, stark und gemeinschaftlich bleiben kann

von Nicole Dreyfus  08.01.2026

Jerusalem

Gedenkstätte Yad Vashem verweigerte Selenskyj Rede

Kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine wollte Selenskyj in Yad Vashem sprechen. Aber durfte nicht. Der Gedenkstätten-Vorsitzende nennt nun dafür klare Gründe

 07.01.2026

Venezuela

Kraft für den Neuanfang?

Trotz der spektakulären Festnahme des Diktators Nicolás Maduro durch die USA blickt die jüdische Gemeinde des Landes in eine ungewisse Zukunft

von Michael Thaidigsmann  07.01.2026

Schweiz

Trauer um Alicia, Diana und Charlotte

Bei der Brandkatastrophe im Nobel-Skiort Crans-Montana sind auch drei junge jüdische Frauen ums Leben gekommen

von Nicole Dreyfus  07.01.2026