New York

Als der »Aufbau« einmal die Meisterschaft verspielte

Titelseite des »Aufbau« von 1994 mit dem Nachruf auf den langjährigen Chefredakteur Henry Marx Foto: picture-alliance / akg-images / Dieter E. Hoppe

New York

Als der »Aufbau« einmal die Meisterschaft verspielte

Ende der 30er-Jahre gründeten deutsch-jüdische Emigranten einen Fußballklub – und kickten schon bald um den Titel

von Jim Tobias  18.07.2019 10:11 Uhr

Es war ein herbstlicher Tag im Jahr 1938. Auf einer Wiese im New Yorker Inwood Park im Norden von Manhattan trafen sich ein paar fußballbegeisterte deutsch-jüdische Emigranten. Erst kurz zuvor hatten sie ihre schwer verdienten Dollars zusammengelegt und einen Fußball gekauft. Nun konnte endlich gekickt werden.

»Nach und nach kamen immer mehr unserer Freunde zum Training, und bald hatten wir so viele Leute, dass wir eine Mannschaft aufstellen konnten«, erinnert sich einer der damaligen Aktiven. Um den geliebten Sport jedoch regelmäßig ausüben zu können, mussten Strukturen geschaffen werden. »Unsere Jungs waren hungrig nach Wettspielen«, man brauchte einen Verein und wollte sich einer Liga anschließen.

Schon bald wurde unter dem Dach der deutsch-jüdischen Emigrantenzeitung »Aufbau« ein Fußballverein gegründet.

vereine Schon bald wurde unter dem Dach der deutsch-jüdischen Emigrantenzeitung »Aufbau« ein Fußballverein gegründet. Ab 1939 kickte die Elf des New World Club (NWC) in der Eastern District Soccer League (EDSL) um die Meisterschaft. Neben dem Team von NWC spielten in der Multikulti-Liga mit dem Bronx Jewish Soccer Club, Maccabi Athletic Club und dem Brooklyn Jewish Soccer Club drei weitere jüdische Vereine.

Doch auch andere Emigranten, wie etwa die linken Internationalisten vom Workmen’s Benefit Fund, die ethnisch geprägten Klubs Armenian FC, Lithuanian Americans oder die italienische Mannschaft von Famee Furlane, waren in der Liga vertreten.

Auch wenn die jüdischen Klubs erfolgreich mitspielten, dominierten anfänglich zwei italienische Teams die Liga – Famee Furlane und Youth Sporting Club. In der Saison 1940/41 lagen beide Mannschaften punkt- und torgleich auf Platz eins. Ein Entscheidungsspiel musste angesetzt werden: Der mit großer Spannung erwartete italienische Bruderkampf endete mit einem deutlichen 3:1-Sieg des Youth Sporting Club.

stadion Da lange Zeit keine regelkonformen Fußballplätze vorhanden waren, mussten die Spiele auf Parkwiesen oder Baseballfeldern ausgetragen werden. Die Funktionäre bemühten sich daher, ein »eigenes Spielfeld, nur für die EDSL-Klubs« zu pachten. Doch der Traum vom eigenen Stadion für die gesamte Liga ging nicht in Erfüllung. Lediglich die jüdischen Vereine erhielten feste Spielstätten: So mieteten sie beispielsweise das im Herzen der Bronx gelegene Sterling Oval oder ein Sportgelände in Manhattan, das auf den Namen Maccabi Stadium getauft wurde.

Die gesamte Spielzeit 1941/42 war bestimmt durch die Rivalitäten von zwei jüdischen Teams.

Die gesamte Spielzeit 1941/42 war bestimmt durch die Rivalitäten von zwei jüdischen Teams: Prospect Unity Club (PUC) und New World Club kämpften verbissen um den Titel. Nach 17 von 18 Pflichtspielen führte PUC die Liga an. Mit einem Sieg gegen das Aufbau-Team hätte der Tabellenführer sich vorzeitig die Meisterschaft sichern können.

Doch es kam anders: »Die tapfere Elf des New World Club besiegte im entscheidenden Kampf um den Meistertitel den in der Saison bisher unbesiegten Prospect Unity Club deutlich mit 2:0. Sie nahm dem Tabellenführer gleichzeitig den Nimbus der Unbezwingbarkeit.« Doch im Spiel gegen den Tabellenletzten Jewish Unity Club Newark patzte NWC, und die Meisterschaft war verspielt.

finale Im Juni 1943 konnte eine jüdische Auswahl im Finale um den neu geschaffenen Meyer-Levin-Pokal die Repräsentanz der German-American League mit 5:1 besiegen. »Es ist besonders erfreulich, dass der erste Gewinner des Wanderpokals zu Ehren des jüdischen Fliegerhelden Meyer Levin im Kampf der teilnehmenden Nationen ein jüdisches All-Star-Team ist. Ein Spiel, das in den Annalen der jüdischen Fußballgeschichte New Yorks fortleben wird«, freute sich der »Aufbau«.

Bedingt durch die in Europa und Asien wütenden Kämpfe eilten viele jüdische Sportler zu den Fahnen.

Mike (Meyer) Levin diente als Beobachter und Bordschütze auf einem B-17 Bomber bei der 8th Air Force, 303rd Bombardment Group; diese Einheit flog viele Luftangriffe auf deutsche Städte. Bedingt durch die in Europa und Asien wütenden Kämpfe eilten viele jüdische Sportler zu den Fahnen – die Vereine konnten immer weniger Spieler auf die Fußballfelder schicken.

Die Elf des New World Club existierte aber noch bis Anfang der 50er-Jahre – 1951 löste sich die Mannschaft auf und bildete mit den Spielern von Maccabi und Prospect ein neues Team: Die jüdischen Blue Stars kickten nun in der German-American League gegen nichtjüdische deutsch-amerikanische Fußballer.

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