Warschau

Absage an Antisemitismus: Polnische Bischöfe besuchen Synagogen

Polnische Kardinäle würdigten das Treffen von Johannes Paul II. mit dem Oberrabbiner von Rom, Elio Toaff, vor 40 Jahren als bahnbrechenden Moment in den Beziehungen beider Glaubensgemeinschaften. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Warschau

Absage an Antisemitismus: Polnische Bischöfe besuchen Synagogen

Vor 40 Jahren umarmte Papst Johannes Paul II. in Roms Hauptsynagoge den dortigen Oberrabbiner. In Polen erinnern nun Bischöfe an diesen Meilenstein in den katholisch-jüdischen Beziehungen. Es gibt aber auch Misstöne

von Oliver Hinz  14.04.2026 15:53 Uhr

In den polnischen Städten Warschau, Krakau und Lublin haben katholische Bischöfe bei Synagogenbesuchen für gute Beziehungen zwischen Christen und Juden geworben. Anlass war der 40. Jahrestag des historischen ersten Besuchs eines Papstes in einer Synagoge. Der aus Polen stammende Papst Johannes Paul II. (1978-2005) hatte die Juden damals als »unsere bevorzugten Brüder« und »älteren Brüder« bezeichnet - ein Ereignis von großer symbolischer Bedeutung.

Warschaus Erzbischof Adrian Galbas warnte am Montagabend in der Nozyk-Synagoge vor religiös begründeter Feindschaft gegen Juden. Er erinnerte daran, dass die Kirche in ihrer Erklärung »Nostra aetate« von 1965 jede Form des Antisemitismus verurteile. »Lasst uns stattdessen, vereint im gemeinsamen Gebet, als Brüder auf Gottes Schoß klettern und auf seine Worte hören.« Der Erzbischof bedankte sich beim anwesenden polnischen Oberrabbiner Michael Schudrich für seine Gastfreundschaft.

In der Krakauer Kupa-Synagoge würdigten die Kardinäle Grzegorz Rys und Stanislaw Dziwisz das Treffen von Johannes Paul II. mit dem Oberrabbiner von Rom, Elio Toaff, vor 40 Jahren als bahnbrechenden Moment in den Beziehungen beider Glaubensgemeinschaften. In einem landesweit in Gottesdiensten verlesenen Hirtenbrief hatten Polens Bischöfe zuvor dazu eingeladen, am 13. April dem Beispiel des heiliggesprochenen Papstes zu folgen und eine Synagoge zu besuchen.

Streit um Hirtenbrief zum Jahrestag

Der bei einer Vollversammlung der Bischofskonferenz im März beschlossene Hirtenbrief wurde allerdings zum Teil kritisiert. Der Vizepräsident des Unterhauses des polnischen Parlaments, Krzysztof Bosak von der rechtsnationalistischen Oppositionspartei Konföderation, bezeichnete es als »großen Schaden«, dass kein Bischof den Hirtenbrief blockiert habe. »Warum überhaupt soll die Tatsache, dass der Papst vor einigen Jahrzehnten eine Synagoge besucht hat, heute in Messen erwähnt oder gewürdigt werden? Was hat uns diese Geste gebracht? Nichts«, schrieb er in einem Social-Media-Post. Auch manche Priester lehnten den Hirtenbrief ab.

Kardinal Rys, Erzbischof von Krakau, erwähnte mit Blick auf die Kritik am Brief der Bischofskonferenz eigene »Gewissensbisse«. Denn die Einwände bewiesen, »dass wir als Polnische Bischofskonferenz eine bestimmte Aufgabe nicht erfüllt haben«. Die Kirche in Polen müsse dringend genau das lehren, »was die Weltkirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil lehrt«. Rys leitet in der Bischofskonferenz das Komitee für den Dialog mit dem Judentum.

Großbritannien

Universität Bath sagt Seminar mit Hochschule in Gaza ab

Eine Dozentin hatte britische Studenten aufgefordert, palästinensische Darstellungen des Nahostkonflikts nicht infrage zu stellen. Die Universität entschuldigte sich für die Vorgaben.

von Nicole Dreyfus  15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026

»The Social Reckoning«

Empörungsköder

Der Whistleblower-Thriller zeigt die neue Weltordnung à la Facebook – und was Menschen nicht dagegen tun

von Sophie Albers Ben Chamo  15.10.2026

New York

Magische Juden

Handleser, Geisterbeschwörer, Wahrsager und Wunderheiler: Eine neue Ausstellung beleuchtet die Lust am Okkulten

von Eva C. Schweitzer  15.10.2026

Irland

Ausgerechnet eine Antisemitismuskonferenz fällt dem Judenhass zum Opfer

In Dublin fand eine Tagung von Antisemitismusbeauftragten und jüdischen Vertretern statt. Ein Hotel verweigerte die Unterbringung. Für Irlands Gemeindevorsitzenden zeigt das, wie Antisemitismus sich immer wieder neu manifestiert

von Maurice Cohen  14.10.2026

USA

Süß und gut zu werfen

»Sunkist Fruit Gems« gehören in vielen Gemeinden zum Feiern. Ihr angekündigtes Aus sorgte für Aufregung – nun kommen sie zurück

von Sophie Albers Ben Chamo  13.10.2026

»Imanuels Interpreten« (26)

Paul Simon: Der Brückenbauer

Seit den 60er Jahren schreibt und spielt der New Yorker Künstler Musik, deren Texte durchweg stark sind. Mehrere Generationen haben zugehört. Heute wird das jüdische Talent 85 Jahre alt

von Imanuel Marcus  13.10.2026

Katharina von Schnurbein

»Ich habe das Gefühl, den richtigen Weg gegangen zu sein«

Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein wechselt von Brüssel nach Berlin. Sie folgt dort Felix Klein nach. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  14.10.2026 Aktualisiert

Porträt

Geboren in Auschwitz

Angela Orosz-Richt kam im Dezember 1944 in einer Baracke des deutschen Vernichtungslagers zur Welt. Im Januar wird sie bei der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag sprechen. Unserem Autor hat sie ihr bewegtes Leben geschildert

von Michael Thaidigsmann  09.10.2026