Jakarta

Zwischen Schalom und Boykott

Die israelische Gymnastin Meital Sumkin bei der WM der rhythmischen Sportgymnastinnen in Rio de Janeiro Foto: IMAGO/SOPA Images

Es sind Signale, die nicht so recht zusammenpassen.

Am Montag dieser Woche – US-Präsident Donald Trump war gerade in Tel Aviv gelandet – machten in Israel plötzlich Gerüchte die Runde, Indonesiens Präsident Prabowo Subianto wolle dem jüdischen Staat spontan einen Besuch abstatten.

Schon vor der UN-Vollversammlung im September hatte Subianto, anders als die Führer der anderen muslimischen Nationen – bereits überraschend gefordert, auch Israels Sicherheit müsse gewährleistet sein. Nur dann könne es einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten geben. Seine Rede endete Subianto mit einem herzlichen »Schalom«.

Auch zum Friedensgipfel im ägyptischen Scharm El-Scheich war der indonesische Staatschef, einst als Militärchef rechte Hand des 1998 gestürzten Dikators Suharto, gekommen. Sein Spontanbesuch in Israel fand dann aber doch nicht statt. Innenpolitische Gründe hätten den Ausschlag gegeben, hieß es aus Jakarta.

Dort beginnen am kommenden Sonntag die Weltmeisterschaften im Turnen, zu denen Vertreter aus mehr als 80 Ländern erwartet werden. Eigentlich wollten auch israelische Sportler an den Wettbewerben teilnehmen. Doch vergangene Woche teilte die indonesische Regierung mit, man habe auf Empfehlung eines Rates islamischer Geistlicher und von Offiziellen beschlossen, den Mitgliedern der israelischen Delegation für die WM keine Visa auszustellen.

Sportgerichtshof lehnt Israels Eilanträge ab

Indonesien ist das weltgrößte muslimische Land und hat rund 285 Millionen Einwohner. Es unterhält bislang keine offiziellen Beziehungen zu Israel, obwohl auch Israelis das Land besuchen können. Die Entscheidung gegen eine diplomatische Anerkennung gelte so lange, bis die Regierung in Jerusalem »die Unabhängigkeit und volle Souveränität des Staates Palästina« anerkenne, sagte Justizminister Yusril Ihza Mahendra am Freitag.

Der israelische Turnverband IGF erhob umgehend gegen die Entscheidung Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne. Die erste Beschwerde, eingereicht am 10. Oktober 2025, richtete sich gegen den Internationalen Turnverband (FIG). Sie verlangte die Aufhebung einer noch am selben Tag veröffentlichten Erklärung der FIG, in der sie die Entscheidung Indonesiens »zur Kenntnis« nahm. Der Weltverband betonte, man habe hinsichtlich der Erteilung von Einreisevisa in Indonesien keine Befugnisse.

In einer zweiten Beschwerde beim CAS verlangten sechs israelische Athleten eingereicht, die sich für die WM qualifiziert hatten, der CAS möge die FIG anzuweisen, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Teilnahme Israels an den Meisterschaften zu gewährleisten, oder den Wettbewerb in Jakarta abzusagen. Das Sportgericht lehnte jedoch Anträge auf einstweilige Anordnungen ab. Die WM wird deshalb ohne die israelischen Sportler stattfinden. Für die erste Beschwerde sei man nicht zuständig, die zweite werde geprüft. Sie hat aber keine aufschiebende Wirkung.

IGF-Generalsekretärin Sarit Shenar zeigte sich enttäuscht und sprach von einem möglichen Präzedenzfall auch für andere Sportveranstaltungen. »Wenn das bei einer Weltmeisterschaft und im Turnen passiert, was kommt dann als Nächstes? Das kann in jeder Disziplin, in jeder Sportart, bei jedem Wettkampf passieren.«

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Indonesien durch Visa-Verweigerung israelische Sportlern von einem internationalen Turnier ausschließt. Im August 2015 konnte Misha Silbermann kurzfristig nicht an der Badminton-WM in Jakarta teilnehmen, obwohl er mit sechs Monaten Vorlauf einen Visumsantrag gestellt hatte. Auch damals blieb der zuständige Weltverband BWF stumm.

IGF-Generalsekretärin Sarit Shenar zeigte sich enttäuscht und sprach von einem möglichen Präzedenzfall auch für andere Sportveranstaltungen. »Wenn das bei einer Weltmeisterschaft und im Turnen passiert, was kommt dann als Nächstes? Das kann in jeder Disziplin, in jeder Sportart, bei jedem Wettkampf passieren.«

An der WM der Rhythmischen Sportgymnastinnen in Rio de Janeiro im August konnten israelische Athleten hingegen teilnehmen.

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