Jerusalem

Zerstrittene Zionisten

Hat den Austritt seiner Partei aus der Zionistischen Weltorganisation erklärt: Jair Lapid, israelischer Oppositionsführer und Vorsitzender von Jesch Atid Foto: copyright (c) Flash90 2025

Der Paukenschlag kam vergangenen Mittwoch: Israels Oppositionsführer Yair Lapid erklärte den Austritt seiner Partei Yesh Atid aus der Zionistischen Weltorganisation (WZO). Er wirft dem globalen jüdischen Gremium sowie den anderen drei »Nationalen Institutionen« – der Jewish Agency for Israel, Keren Kayemeth LeIsrael (KKL) und Keren Hayesod – eine »Kultur der Korruption« vor.

»Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass sie nicht repariert werden können, sie müssen stillgelegt werden«, sagte Lapid in einer Videonachricht. Der Israeli fordert daher die »sofortige Verstaatlichung« von KKL, in dessen Besitz zehn Prozent des Lands in Israel sind.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Ankündigung Lapids ist der Höhepunkt eines Dramas, das sich derzeit auf dem 39. Zionistischen Weltkongress abspielt.

Seit der Gründung der Konferenz im Jahr 1897 durch Theodor Herzl treffen sich alle fünf Jahre jüdische Vertreter aus der ganzen Welt, um über die Belange der Nationalen Institutionen zu entscheiden. WZO, KKL, Jewish Agency und Keren Hayesod verfügen gemeinsam über ein beachtliches Budget und sind Gegenstand komplexer politischer Aushandlungen zwischen Repräsentanten der israelischen Parteien und der Diasporagemeinden sowie der unterschiedlichen religiösen Strömungen und zahlreicher weiterer jüdischer Organisationen.

Ein zuvor gefundener Kompromiss platzte doch noch

Vor zwei Wochen kamen etwa 550 Delegierte – jeweils ungefähr ein Drittel aus Israel, den USA und dem Rest der Welt – in Jerusalem zusammen. Doch auch wenn die meisten von ihnen längst wieder zuhause sind, ist das Treffen offiziell nicht beendet. Die Verhandlungen laufen bis zur selbstgesetzten Frist am Donnerstag virtuell weiter, weil ein zuvor gefundener Kompromiss doch noch platzte.

Wie die Nachrichtenseite »eJewishPhilanthropy« berichtet, sah die Einigung vor, dass der Vorsitz der WZO zunächst ans Mitte-rechts-Lager, die Leitung von KKL ans Mitte-links-Lager fallen sollte. Nach der Hälfte der Amtszeit hätte es einen Tausch an der Spitze der beiden Organisationen geben sollen.

Kritiker betrachten die Nationalen Institutionen als ineffizient, korrupt und übermäßig politisiert.

Doch der Plan wurde vom Mitte-links-Lager wieder verworfen, nachdem öffentlich wurde, dass der rechtskonservative Likud Yair Netanjahu, den Sohn des Parteivorsitzenden und israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, für ein hohes WZO-Amt vorsah. Yair Netanjahu ist wegen seiner öffentlichen verbalen Angriffe gegen politische Gegner seines Vaters und seiner guten Kontakte zu europäischen Rechtsaußenparteien höchst umstritten.

Nach dem Rückzug von Yair Lapid und seiner Partei aus der WZO war die Aussicht auf eine schnelle Einigung schließlich vollends zunichte. Der Vorsitzende von Yesh Atid vertrat schon zuvor die Ansicht, dass die Nationalen Institutionen in ihrer jetzigen Form nicht weiterbestehen sollten. Er und andere Kritiker betrachten die Organisationen als ineffizient, korrupt und übermäßig politisiert.

Deutsche WZO-Delegierte lobt Arbeit der Nationalen Institutionen

Anderer Auffassung ist dagegen die deutsche WZO-Delegierte, Rabbinerin Gesa Ederberg. Sie ist Vertreterin der jüdisch-konservativen Bewegung »Masorti Olami«, die im selben Lager wie Yesh Atid ist. »Wir haben die WZO nicht verlassen«, sagte Ederberg im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. »Denn wir finden, dass es sich lohnt, mitzuarbeiten und von innen für Veränderungen zu sorgen.«

Sie lobt die Nationalen Institutionen unter anderem für ihre weltweite Bildungsarbeit und ihre Rolle bei der Aufforstung in Israel sowie beim Wiederaufbau der durch die Hamas zerstörten Kibbuzim im Süden des Landes. Die Rabbinerin hofft, dass der Kongress zu einem erfolgreichen Abschluss geführt werden kann. »Es geht schließlich um viel«, sagt sie. »Die WZO ist die einzige Institution, in der wirklich Jüdinnen und Juden aus der ganzen Welt vertreten sind.«

Lesen Sie auch

Bis Donnerstag hat sich der Weltzionistenkongress noch Zeit gegeben, um über die künftige Besetzung seiner wichtigsten Ämter zu entscheiden. Aus dem Umfeld der Verhandler heißt es, dass eine weitere Fristverlängerung vermieden werden soll. Die Gespräche würden auf Hochtouren laufen.

Jom Hasikaron

So viele Verluste

Mein Vater floh vor der Schoa, wurde beinahe in seinem Kibbuz ermordet und starb als Flüchtling im eigenen Land. Der Gedenktag wird dieses Jahr für mich besonders schmerzhaft sein

von Eshkar Eldan Cohen  20.04.2026

Jom Hasikaron

Wenn Hunde heilen

Ein Projekt in Israel bringt Soldaten und traumatisierte Überlebende mit jungen Hunden zusammen – und schafft stille Rettungsräume im Alltag. Eine Begegnung im Yarkon-Park in Tel Aviv

von Sabine Brandes  20.04.2026

Israel

Herzog zeichnet Milei mit Ehrenmedaille aus

Javier Milei erhält in Jerusalem die höchste zivile Auszeichnung des jüdischen Staates. Der argentinische Präsident stellte sich im Konflikt mit dem Iran klar an die Seite Israels und der USA

 20.04.2026

Jom Hasikaron

Schmerz und Erinnerung im Herzen der Stadt

Welche Zukunft hat der Gedenkort der Terroropfer und gefallenen Soldaten am zentralen Dizengoff-Platz in Tel Aviv?

von Sabine Brandes  20.04.2026

Waffenruhe

Präsident Aoun: Libanon verhandelt alleine mit Israel

Seit ein paar Tage gilt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon eine Waffenruhe. Die Regierung in Beirut will dauerhafte Stabilität für den Mittelstaat erreichen

 20.04.2026

Nahost

Soldat schlägt auf Jesus-Statue ein. Israel kündigt harte Strafe an

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte die Attacke »aufs Schärfste«. Das israelische Militär kündigte »angemessene Maßnahmen« gegen alle Beteiligten an

 20.04.2026

Nahost

Iran richtet zwei Männer hin

Den Verurteilten wurde vorgeworfen, für den Mossad spioniert zu haben. Menschenrechtler sprechen jedoch davon, dass es sich um politische Gefangene gehandelt habe

 20.04.2026

Nord-Israel

Kiryat Schmona: Bewohner demonstrieren gegen Waffenruhe mit Hisbollah

Die Demonstranten werfen der Regierung vor, die Sicherheitsinteressen des Nordens preiszugeben

 20.04.2026

Staatsbesuch

Milei sagt Israel Unterstützung zu – Direktflüge und Botschaftsumzug angekündigt

Neben der Politik kommt die Kultur nicht zu kurz: Für eine israelische Fernsehsendung zum morgigen Jom Haatzmaut singt der argentinische Präsident einen Song

 20.04.2026