Regierungsbildung

Yair Lapid erhält Mandat

Yair Lapid hat nun vier Wochen Zeit, eine Koalition zu bilden. Foto: Flash90

Israel könnte auf dem Weg zu einer neuen Regierung sein. Yair Lapid erhielt den Aufrag zur Regierungsbildung. Präsident Reuven Rivlin übergab ihn dem Vorsitzenden der Zentrumspartei Jesch Atid am Mittwochabend. In der Nacht zuvor war das Mandat für den Noch-Premierminister Benjamin Netanjahu vom rechtskonservativen Likud abgelaufen.

GEFAHR Netanjahu, der Ministerpräsident mit der längsten Amtszeit des Landes, hatte es nicht geschafft, die zwei Jahre andauernde politische Krise zu beenden. Nach der Übergabe des Mandats an Lapid sagte er, es bestehe jetzt die Gefahr, dass eine »gefährliche Linksregierung an die Macht kommt«.

Lapid sieht das anders: »Nach zwei Jahren politischer Lähmung leidet die israelische Gesellschaft. Eine Einheitsregierung ist kein Kompromiss oder ein letzter Ausweg. Es ist ein Ziel. Es ist, was wir brauchen.«  

»Ich werde positiv mit jeder Partei zusammenarbeiten, die das Mandat erhält.«

Mansour Abbas (Raam Partei)

Präsident Rivlin hatte am Mittag die Vorsitzenden aller Parteien ins Beit Hanasi eingeladen und gebeten, ihre Vorschläge abzugeben. 56 benannten Lapid als Kandidaten, das Mandat zu erhalten. Darunter die »Neue Hoffnung« von Gideon Saar, der erst vor drei Monaten den Likud verlassen und eine eigene Partei gegründet hatte, um »den Personenkult um Netanjahu zu beenden«, wie er sagte.

Von der Vereinten Arabischen Liste bekam Lapid fünf (von sechs) Stimmen. Die islamische Partei Raam, die eine Art Zünglein an der Waage nach den vergangenen Wahlen vom 23. März wurde, gab keine Empfehlung ab. Allerdings betonte Vorsitzender Mansour Abbas, »er werde positiv mit jener Partei zusammenarbeiten, die das Mandat erhält«.

MÖGLICHKEITEN Die Rechtspartei Jamina stimmte für ihren eigenen Vorsitzenden Naftali Bennett. Der rief, nachdem er sich nach den Wahlen auf keinen der beiden Blöcke festgelegt hatte, zu einer »Einheitsregierung« auf. Zuvor, betonte er, habe er versucht, eine Regierung aus rechten und religiösen Parteien mit Netanjahu zu bilden. »Doch der hat uns die Tür vor der Nase zugeschlagen.«

Es gebe nun zwei Möglichkeiten: »fünfte Wahlen oder eine breite Regierung, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen«. Jetzt sei die Zeit für einen neuen Weg.

Der 57-jährige Lapid, ein ehemaliger Journalist und Fernsehmoderator, wechselte vor neun Jahren in die Politik. Er diente bereits als Finanzminister in einer Netanjahu-Regierung. Lapids Vater Yosef (Tommy), auch er Journalist, war ebenfalls Knessetminister, allerdings im Justizressort und als Vizepremier. Lapid senior galt als ausgesprochener Kritiker des ultraorthodoxen Einflusses in der Politik.

»Wir brauchen eine Regierung, die zeigt, dass unsere Unterschiede nicht Schwäche sind - sondern unsere Stärke.«

Yair Lapid (Jesch Atid)

Yair Lapid hat vor, sich den Posten des Premierministers mit Bennett zu teilen und dabei sogar Bennett den Vortritt zu lassen. Allerdings scheinen die Unterschiede der an einer Einheitsregierung beteiligten Parteien für viele unüberbrückbar.

TATSACHE Der Vorsitzende von Jesch Atid aber meint: »Wir brauchen eine Regierung, die die Tatsache widerspiegelt, dass wir uns nicht hassen. Eine Regierung, in der Links, Rechts und Mitte zusammenarbeiten, um die Wirtschafts- und Sicherheitsanliegen, denen wir ausgesetzt sind, anzugehen. Eine Regierung, die zeigt, dass unsere Unterschiede nicht Schwäche sind – sondern unsere Stärke«.

Mehrere Parteien hatten bereits definitiv zugesagt, an einer Koalition unter Lapid teilnehmen zu wollen, darunter die Linkspartei Meretz, die Arbeitspartei und Israel Beiteinu von Avigdor Lieberman. Lapid hat jetzt vier Wochen Zeit, um die verschiedenen Meinungen auf einen Nenner zu bringen und eine regierungsfähige Koalition auf die Beine zu stellen.

TV-Tipp

Der Elvis der Violine

Ivri Gitlis ist ein Phantom. Er bespielte mit seiner Geige die großen Bühnen und musizierte mit den Stars der Musikbranche. Seinen Namen kennen heute aber nur die wenigsten. Eine Arte-Doku begibt sich auf Spurensuche

von Manfred Riepe  17.04.2026

Medien

Ex-»Welt«-Chefredakteur Burgard bei Springer künftig für Nahost zuständig

Burgard folgt auf Constantin Schreiber, der sich ab dem 1. Mai als Global Reporter weiter auf seine Podcast-Formate konzentriert

 17.04.2026

Herzliya

Studie: Mit diesen Methoden mehr Erfolg auf Dating-Apps

Eine wichtige Erkenntnis der Untersuchung: Es kommt weniger darauf an, was man über sich preisgibt, als wie man es tut

 17.04.2026

Umfrage

Waffenruhen mit Iran und Hisbollah: Israelis pessimistisch

Weniger als 40 Prozent sagen, sie hätten die erfolgten Militäreinsätze unterstützt, wenn ihnen die Entwicklungen im Voraus bekannt gewesen wären

 17.04.2026

Studie aus Israel

KI treibt Arbeitslosigkeit bei Programmierern und Verkäufern nach oben

Bei Programmierern gehen zwischen 12 und 20 Prozent des jüngsten Anstiegs der Erwerbslosigkeit auf den Einsatz künstlicher Intelligenz zurück

 17.04.2026

Bildung im Krieg

Israel lockert Abiturprüfungen wegen Kriegslage – Sonderregeln für den Norden

Die Maßnahmen schließen eine »flexiblere Berechnung« von schulischen Leistungen mit ein

 17.04.2026

Nahost

Details zur Waffenruhe zwischen Israel und Libanon veröffentlicht

Ein Sechs-Punkte-Plan soll zunächst zehn Tage lang für Ruhe sorgen. Die Einzelheiten

von Imanuel Marcus  17.04.2026

Nahost

Trump verkündet zehntätige Waffenruhe im Libanon

Zuvor habe es Gespräche mit Israels Premier Netanjahu und Libanons Präsidenten Aoun gegeben

 16.04.2026 Aktualisiert

Hintergrund

Hickhack um Friedensgespräche - und eine zehntägige Feuerpause

Nachdem Präsident Trump direkte Verhandlungen erzwingen wollte, setzte er sich schließlich mit einem Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah durch

von Sabine Brandes  16.04.2026