Geiseldeal

Wird Liri dabei sein?

Liri Albags Mutter und ihre beiden Schwestern rufen auf dem Platz der Geiseln nach ihrer Freilassung. Foto: Flash90

Sie haben das »intensive Gefühl«, dass Liri am Wochenende nach Hause kommt. Shai Albag, deren Schwester Geisel der Hamas ist, sagte dem öffentlichen-rechtlichen Radiosender Kan, die Familie hoffe inständig, dass Liri zu den vier jungen Frauen gehören wird, die am Samstag im Rahmen des Waffenstillstands- und Geiseldeals aus Gaza befreit wird.

Liri wurde am 7. Oktober während des Hamas-Massakers zusammen mit den IDF-Späherinnen Naama Levy, Daniela Gilboa, Karina Ariev und Agam Berger aus der Armeebasis Nahal Oz nahe der Grenze zu Gaza entführt.

Shai Albag berichtete auch, dass die zurückgekehrten Geiseln Nachrichten über Liri mitgebracht hätten. Demzufolge habe Liri sie unterstützt und ermutigt. »Wir zählen die Minuten, bis wir wissen, was passiert und wann sie zurückkommt. Wir spüren, dass es bald so weit ist, und hoffen, dass Liri es auch weiß – und dass sie durchhält.« Wenn sie den Anruf bekommen, wollen sie zu Hause alle zusammen sein, »damit wir endlich vor Freude schreien können«.

Liri Albag ist mittlerweile 19 Jahre alt, musste ihren Geburtstag in der Gewalt der Hamas verbringenFoto: picture alliance / ZUMAPRESS.com
Die Umarmung, »von der wir alle träumen«

Albag beschrieb den vergangenen Sonntag, als Romi Gonen, Doron Steinbrecher und Emily Damari aus der Gewalt der Hamas befreit wurden, als zutiefst emotional. »Es sind Familien, die wir kennen, und der Gedanke, dass sie die Umarmung bekommen, von der wir alle träumen, war sehr bewegend. Ich habe mich für sie gefreut und konnte mir vorstellen, dass Liri als Nächstes dran ist. Es gibt uns Luft zum Durchatmen.«

Doch die Schwester drückte auch ihre große Sorge aus: »Wir hoffen, dass Liri gesund und auf den Beinen wieder zu uns zurückkehrt.« Shai Albag versicherte, dass die ganze Familie auch nach der Rückkehr ihrer Schwester weiterkämpfen werde, bis alle Geiseln freigelassen seien. Derzeit sind noch 94 verschleppte Menschen in der Gewalt der Hamas in Gaza.

Vor etwa drei Wochen hatte die Hamas ein Propagandavideo der 19-Jährigen veröffentlicht. Darin ist Liri zu sehen, wie sie um ihre Freiheit bettelt und weint. An einer Stelle sagt sie: »Ich bin doch erst 19…« Liris Eltern Shira und Eli fühlten sich beim Anschauen, als ob sie »einen Schlag in die Magengrube erhalten«.

»Ich träume, dass Liri nach Hause kommt und sagt, ‚Mama, es war nicht so schlimm, sie haben mich nett behandelt.‘«

»Ich habe es nur einmal gesehen, aber es geht mir nicht mehr aus dem Kopf«, so Shira Albag. »Ich möchte mich an Liri erinnern, wie ich sie kenne, nicht so, wie sie dort aussieht: schwach, verängstigt, zitternd.« Sie sei nicht mehr dasselbe Mädchen, sie hat »große Angst, ihre Augen sind hohl«. Die Mutter hat einen Traum: »Dass Liri nach Hause kommt und sagt, ‚Mama, es war nicht so schlimm, sie haben mich nett behandelt.‘ Ich hoffe so sehr, dass dieser Traum wahr wird.«

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Ihr Vater indes habe sich das Video »hunderte Male« angesehen. »Ich schaue mir jedes Wort, jeden einzelnen Buchstaben« an, sagte er. »Liri sieht aufgedunsen auf, und wir haben mit Ärzten über ihren Zustand gesprochen, die sagten, es liege am Mangel an Nahrung und Proteinen.« Viele Geiseln haben darüber berichtet, dass sie sehr wenig zu essen bekamen und wenn, dann nur oder überwiegend Pitabrot.

Die gesamte Familie, zu der auch Schwester Roni und ihr Bruder Guy gehören, ist so traurig, dass sie seit dem Kidnapping kein einziges Mal alle gemeinsam zu Abend gegessen haben, »weil es ohne Liri einfach nicht richtig wäre«.

Nicht nur Liris Eltern und Schwestern warten sehnsüchtig auf sie. Auch ihr Freund Nir Alboro kann es nicht mehr abwarten, sie in den Arm zu nehmen. Auf Instagram schreibt er: »Ich bin Nir Alboro, und meine Partnerin ist Liri Albag.« Er habe einen palästinensischen Terroranschlag überlebt, bei dem er als Soldat von einem Auto überfahren wurde. Ein Jahr lang lag er anschließend im Krankenhaus.

Liri ließ alles stehen und liegen und kam ins Krankenhaus

»Am Tag des Anschlags war Liri auf dem Weg in die USA und rief mich aus dem Duty-Free-Shop im Flughafen an. Eine Freundin beantwortete mein Handy und informierte sie über meine Situation. Daraufhin ließ sie alles stehen und liegen und kam zu mir, um an meiner Seite im Krankenhaus zu sein. Sie ließ mich in den schwierigen Zeiten niemals allein«, so der 20-Jährige.

Liri sei eine unglaublich freundliche Person, die immer für diejenigen da sei, die Hilfe brauchen. »Ich konnte zunächst nicht glauben, dass sie entführt wurde, es fühlte sich so an, als würde der Boden unter mir einstürzen.« Dennoch, so Alboro, »bin ich sicher, dass diese Geschichte ein positives Ende finden wird.« Der junge Israeli konnte bis vor kurzem nicht allein gehen. Doch jetzt, wo Liri hoffentlich bald aus der Geiselhaft freikommt, hat er geschworen: »Ich werde ihr entgegenlaufen«.

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