Pessach

Wir sind dann mal weg

Flughafen Ben-Gurion: Auch am Sederabend wird es am Check-in lange Schlangen geben. Foto: Flash 90

Die einen kommen, die anderen gehen. In den Pessachferien, die in diesem Jahr mit den Osterfeiertagen zusammenfallen, wird es hektisch am Flughafen Ben Gurion. Allein am Sederabend werden 64.000 Israelis erwartet, die mit dem Koffer in der Hand Schlange stehen, um in die Ferien zu fliegen. Gleichzeitig kommen Tausende ausländischer Gäste an, die durch das Heilige Land touren wollen.

Seit Beginn der Schulferien am 29. März sind viele Israelis im Reisefieber. Die nationale Vereinigung der Reisebüros und Veranstalter schätzt die Zahl der Urlauber für 2015 auf über 300.000. Lieblingsziele seien vor allem West- und Mitteleuropa, besonders Italien, Frankreich und der deutsche Schwarzwald. Auch auf die griechischen Inseln Rhodos und Kreta zieht es die Reisenden. Bei Fernzielen liegen im Frühjahr die USA und Thailand ganz vorn. Die Türkei, vor einigen Jahren das Top-Ziel, ist indes noch nicht wieder dabei.

Trotz der aktuellen Reisewarnungen der israelischen Regierung nach den Terroranschlägen in Belgien, Dänemark und Paris zieht es die Israelis zum Urlauben nach Europa. Wie Amit Cohen aus Herzlija. Sie wird trotz des schrecklichen Attentats vor einigen Wochen fünf Tage gemeinsam mit ihrer Schwester in der französischen Hauptstadt verbringen. Angst? »Nein!«, sagt die 20-Jährige vehement. »Wenn ich meine Ferienziele von Terroristen bestimmen lassen würde, müsste ich mein ganzes Leben auf dem Sofa verbringen. Und das mache ich bestimmt nicht.«

Krise Während die Flughafenbehörde davon ausgeht, dass die Zahlen für den ausgehenden Tourismus in diesem Jahr um mindestens fünf Prozent steigen werden, sind die für den ankommenden noch immer nicht auf dem früheren Stand. Das Tourismusministerium gibt an, dass in der Pessach- und Osterwoche etwa 128.000 Gäste aus aller Welt erwartet werden.

Damit liegt die Zahl noch um 20 Prozent unter der des Vorjahres. »Dies kann dem andauernden Schaden für die Branche durch die Militäroperation ›Protective Edge‹ und der Wirtschaftskrise in Russland zugerechnet werden«, heißt es aus dem Ministerium. Die russischen Touristen stellen nach den amerikanischen die zweitgrößte Gästegruppe.

Allerdings, gibt das Ministerium zu bedenken, seien die Zahlen in der ersten Hälfte von 2014 exorbitant hoch gewesen. Im Sommer während des Gazakrieges dann kam die Reisebranche im Heiligen Land fast völlig zum Erliegen. Ein Großteil der Veranstalter sagte während der 50 Tage andauernden kriegerischen Auseinandersetzung seine Reisen nach Israel ab. Und die Branche erholt sich nur langsam.

Dennoch ist der Direktor des israelischen Fremdenverkehrsamtes in Berlin, Uri Sharon, sicher, dass man sich auf dem Weg der Normalität befindet. Die Branche müsse sich auch wieder erholen, erläutert er, denn der Tourismus ist für den israelischen Staat ein bedeutender Wirtschaftsfaktor mit Milliardeneinnahmen sowie 200.000 direkt und indirekt Beschäftigten im ganzen Land. »Und außerdem«, macht Sharon klar, »ist der Tourismus für Israel eine wichtige menschliche Brücke.«

Er ist optimistisch. Vor allem, weil sich ein Großteil der Besucher so positiv über das Reiseland Israel äußert. Tausende von Urlaubern werden nach ihrer Tour am Flughafen Ben Gurion vom Ministerium befragt. »Und in diesen Umfragen bekommen wir stets sehr gute Noten, vor allem von den deutschen Gästen.« Das sei nicht selbstverständlich, denn »die Deutschen sind schließlich Profi-Reisende«. Doch von den Israeltouristen aus Deutschland würden 45 Prozent nach dem ersten Mal wiederkehren. »Und das ist ein sehr gutes Zeichen.«

Kampagne Dennoch gibt Sharon zu, dass der Krieg vom Sommer extreme Auswirkungen auf die Branche hatte. »Aber leider sind wir ja an die starken Schwankungen im Tourismus gewöhnt und wissen durch unsere langjährigen Erfahrungen mittlerweile genau, wie wir aus einer Krise wieder herauskommen.« Dafür setzt das Ministerium vor allem auf Werbung.

Allein in Deutschland wurden im November vergangenen Jahres 3,5 Millionen Euro von der Regierung in eine Israelreisekampagne für Fernsehen, Rundfunk, Zeitungen und Internet investiert. Acht verschiedene Facebook-Seiten und die neu gestaltete Website www.goisrael.de sollen die Deutschen ins Heilige Land locken.

Ein dickes Lob hat der Direktor des Fremdenverkehrsamtes für die internationalen Partnerschaften parat: »Wir arbeiten hervorragend mit Unternehmen auf der ganzen Welt zusammen. Und besonders das Vertrauen der Airlines freut mich.« Allein aus Deutschland fliegen jede Woche 90 Maschinen nach Tel Aviv.

Zusammenfassend betont Sharon, dass sich die Zahlen verbessert haben, man aber »noch jede Menge Arbeit« habe. »Je länger die Krise zurückliegt, umso besser geht es.« Er blickt zuversichtlich in die Zukunft – vor allem die nahende Sommersaison. »Der Tourismusmarkt ist immer in Bewegung. Krisen gibt es ständig und überall auf der Welt. Da muss man immer auf Trab sein. Und das sind wir.«

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