Oberstleutnant Leshem, wie schätzen Sie die Erfolge der israelischen Luftwaffe im Krieg gegen die Iraner ein?
Wir haben uns lange auf diesen Krieg vorbereitet. Die Operation im Juni vergangenen Jahres, auf die wir uns ebenfalls lange vorbereitet haben, hat den Weg geebnet. Wir haben uns damals hingesetzt, die Erfahrungen ausgewertet und unsere Lehren gezogen. Und wir haben begonnen, Kräfte für die nächste Runde aufzubauen, von der klar war, dass sie kommen würde. Wir haben nicht erwartet, dass die Iraner so schnell vorpreschen würden. So entstand die aktuelle Situation.
Bereits bei der Eröffnungsoffensive gab es eine präzise und meiner Meinung nach beispiellose Koordination zwischen Israel und den Vereinigten Staaten. Ich spreche von einer engen Abstimmung auf der Ebene des Einsatzes von Luftstreitkräften, wie sie meiner Meinung nach noch nie zuvor stattgefunden hat – vielleicht mit Ausnahme des Golfkriegs. Wissen Sie, es war eine Zusammenarbeit, die zwar noch nicht das gesamte Spektrum unserer Fähigkeiten abbildete, aber bereits zeigte, was jetzt auf dem Schlachtfeld zum Einsatz kommt.
Ich denke, dass in den letzten drei Jahren technologische Fähigkeiten erheblich beschleunigt entwickelt wurden, was sich auch in Friedenszeiten positiv ausgewirkt hat. Gleichzeitig hat sich auch die israelische Luftwaffe selbst neu aufgestellt und auf das moderne Schlachtfeld ausgerichtet. Es ist uns gelungen, in weniger als 48 Stunden die Luftüberlegenheit zu erlangen. Und jetzt kann man über einen längeren Zeitraum hinweg Angriffe auf die verschiedenen Ziele durchführen.
Was sind dabei die besonderen Herausforderungen, ist es die Entfernung zwischen Israel und dem Iran?
Das Erste ist, dass sich der Feind auf einem riesigen Gebiet befindet, etwa achtzigmal so groß wie Israel. Und die zweite Herausforderung ist die Entfernung. Die beträgt zwischen der nächstgelegenen israelischen Luftwaffenbasis und dem westlichsten Punkt im Iran etwa 1500 Kilometer. Der am weitesten entfernte Punkt liegt in einer Entfernung von etwa 2500 Kilometern.
Es ist also diese enorme Entfernung, die überwunden werden muss, um die Angriffsfähigkeiten zu entfalten. Hinzu kommt, dass einige Länder zumindest zu Beginn erklärt haben, sie seien nicht damit einverstanden, dass wir über sie hinwegfliegen. Aber letztendlich denke ich, dass man noch in einigen Jahren von den Erfolgen unserer Luftwaffe bei der aktuellen Operation sprechen wird.
Am Mittwoch hat ein israelisches Kampfflugzeug vom Typ F-35 eine iranische Maschine abgeschossen. Wie schätzen Sie das ein?
Wir haben dort die Lufthoheit, wir beherrschen mit der US Air Force gemeinsam den Luftraum. Die größte Bedrohung für uns sind Boden-Luft-Raketen. In Iran gibt es kaum noch Maschinen, die einsatzfähig sind oder spezifische Aufgaben ausführen können. Und am Mittwoch bestand außerdem ein deutliches Ungleichgewicht der Kräfte.
Die F-35 ist ein hochmodernes Flugzeug der fünften Generation, im Gegensatz zur iranischen Maschine, einer russischen Yak-130. Dieser Flugzeugtyp wird meiner Meinung nach sogar von den Russen nur noch für Trainingszwecke verwendet. Die iranische Maschine ist eher zufällig auf unser Flugzeug gestoßen. Als der Sprecher der israelischen Streitkräfte die Funkmeldungen der Flugzeuge veröffentlichte, hörte man unseren Piloten sagen: »Ich sehe ihn, ich identifiziere ihn, ich nehme ihn ins Visier, ich schieße ihn ab und wir setzen den Angriff fort.« Unser Pilot hatte das Glück, das zu schaffen. Wir sind alle neidisch darauf.
Es ist die Rede von einer historischen Leistung.
Es ist der weltweit erste Abschuss einer bemannten Maschine durch eine F-35. Und ich glaube, es war auch der erste Abschuss einer feindlichen Maschine durch einen israelischen Piloten seit 1985.
Was sagt das über die Qualität der israelischen Luftwaffe?
Bis zu diesem Krieg hat die Luftwaffe Angriffe im gesamten Nahen Osten durchgeführt und Fähigkeiten aufgebaut. Dabei sammelt man natürlich Kampferfahrung. Nicht umsonst hat dieser Pilot gestern diese mentale Stärke gezeigt, als er sagte: »Okay, ich habe die feindliche Maschine abgeschossen, lasst uns mit dem Angriff fortfahren.« Ich denke, das resultiert aus viel Erfahrung auf dem modernen Schlachtfeld, aber auch aus intensiven strategischen Denkprozessen. In gewisser Weise lässt sich das auch mit dem verbinden, was man als typisch israelisch bezeichnet.
Wie meinen Sie das?
Schauen Sie sich an, was hier im israelischen Hinterland passiert. Ja, es ist eine Realität, dass Raketen aus dem Iran fallen, ballistische Raketen, die einen treffen und töten können. Dem gegenüberstehen Menschen, die Purim feiern und in Schutzräumen sitzen, und ganze Familien, deren Eltern in der Armee sind. Ich denke, das zeigt etwas. Und das ist auch etwas, das aus der jüdischen Geschichte erwachsen ist.
Aber es gibt etwas typisch israelisches, das uns eine mentale Stärke verliehen hat, die sehr bewundernswert ist. Natürlich können wir nicht unterschätzen, dass es hier Schäden für die Kinder gibt. Eine ganze Generation wächst mit einem Trauma auf, besonders nach dem 7. Oktober und allem, was danach geschehen ist. Das möchte ich nicht herunterspielen, aber ich entscheide mich bewusst dafür, die Stärken zu sehen.
Wie lange kann die Luftwaffe Ihrer Meinung nach derzeit im Iran und auch im Libanon ihre Angriffe fortsetzen?
So lange wie nötig. Krieg ist ein weiteres Instrument in den Händen der Politiker und der Diplomatie. Übrigens denke ich, dass die Amerikaner in der aktuellen Situation alles versucht haben, um dieses Mittel nicht einsetzen zu müssen – mit weiteren Gesprächen und noch mehr Gesprächen. Es war jedoch offensichtlich, dass die Iraner Zeit schinden wollten. Deshalb gibt es jetzt diesen Krieg. Und jetzt darf man nicht stoppen, bevor die Ziele erreicht sind.
Ich glaube nicht, dass ein Krieg das Regime stürzen kann, aber er kann die Voraussetzungen dafür schaffen. Er kann das System so weit schwächen, dass das iranische Volk selbst die Zügel in die Hand nimmt und die Regierung ablöst. Wir werden das gesamte Atomforschungsprogramm zerstören, alles, was dieses Programm unterstützt, nicht nur die Atomanlagen.
Aus Sicht der Amerikaner ist auch die Zerschlagung der gesamten iranischen Marine und all ihrer Fähigkeiten wichtig, damit es keine Bedrohung mehr für die Straße von Hormus und die Schifffahrtswege gibt. Ich denke, dass es noch mehr zu tun gibt. Die Operationen werden sehr aggressiv, aber sie erfolgen wie geplant und vorbereitet. Es wird eine Weile dauern. Man darf nicht aufhören, bevor alle Ziele erreicht sind.
Mit dem Oberstleutnant (Reserve) der israelischen Luftwaffe sprach Detlef David Kauschke. Oren Leshem ist heute Dozent, Berater und Autor des Buches »Smoke of Uncertainty«.