Jerusalem

Werden die Wahlen in Israel vorgezogen?

Die Knesset Foto: copyright (c) Flash90 2025

Obwohl der Ausgang des derzeitigen Krieges der USA und Israels gegen den Iran noch unklar ist, könnte er Israels politische Landschaft entscheidend prägen – und damit auch die bevorstehenden Wahlen zur nächsten Knesset.

Minister aus der regierenden Likud‑Partei äußerten sich in israelischen Medien, dass die kommenden israelischen Parlamentswahlen, angesetzt für Oktober 2026, möglicherweise vorgezogen werden könnten. Laut den Berichten könnte ein früherer Wahltag den Regierungsparteien erlauben, das Momentum eines militärischen Erfolges politisch zu nutzen.

Den Angaben zufolge wollen einige Likud‑Abgeordnete Netanjahu dazu bewegen, die Knesset rasch aufzulösen, sobald die Operation »Roaring Lion«, die Israel zusammen mit den USA gegen den Iran führt, vorüber ist.

Keine innenpolitischen, sondern sicherheitspolitische Gründe

Wissenschaftsministerin Gila Gamliel (Likud) sagte am Mittwoch im israelischen Radio 103FM, der Wahltermin hänge davon ab, »wie lange die Kampagne dauert«. Sie nannte Ende Juni oder Anfang Juli als möglichen Zeitpunkt und verwies darauf, dass viele Israelis nach einem Krieg im Ausland Urlaub machen wollten.

Netanjahus außenpolitischer Berater Ophir Falk verteidigte die Militäraktion in einem Interview mit Politico. Falk betonte, dass Israel nicht aus innenpolitischen, sondern aus sicherheitspolitischen Gründen handele. »Israel führt diesen Krieg, weil der Iran eine existenzielle Bedrohung darstellt. Ziel ist es, das Atomprogramm und die militärischen Fähigkeiten dauerhaft zu schwächen«, sagte Falk.

Ministerin Gamliel: »Viele Israelis wollen nach einem Krieg im Ausland Urlaub machen.«

Hinter den Kulissen ist allerdings klar, dass die Kriegsstrategie und Innenpolitik miteinander verknüpft sind. Einen anderen Minister aus Netanjahus Umfeld zitierte die linksliberale Tageszeitung Haaretz mit den Worten: »Netanjahu sieht den Konflikt auch als Gelegenheit, sein beschädigtes Image seit dem 7. Oktober 2023 wieder aufzupolieren.«

An diesem Tag hatte die Terrororganisation Hamas ein unvergleichliches Massaker in südlichen israelischen Gemeinden mit mehr als 1200 Toten und 251 Geiseln verübt.

Netanjahu hat stets betont, der Iran stelle eine dauerhafte Bedrohung der Existenz Israels dar. Er wolle keine politischen Schritte während eines Krieges unternehmen.

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Archäologie

Höhle der Menschheitsgeschichte

Funde in einer Hunderttausende von Jahren verschlossenen Höhle südlich von Haifa könnten eines der größten Rätsel über die Vorgeschichte des Homo sapiens lösen

von Sabine Brandes  30.06.2026

Folgen des 7. Oktober

Israel tötet Peiniger von Rom Braslavski

Rund zwei Jahre lang wurde der Deutsch-Israeli von Terroristen des Islamischen Dschihad gequält. Als er von der Tötung »Abu Yusufs« hört, bricht er in Tränen

 30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Internationales Rotes Kreuz

Knesset lehnt Gesetz zum Besuchsverbot für Häftlinge ab

Sicherheitsminister Ben-Gvir wollte den Zugang zu palästinensischen Sicherheitsgefangenen verwehren, doch der Gesetzentwurf scheitert an Stimmen der eigenen Koalition

von Sabine Brandes  30.06.2026

Bnei Brak

Rabbiner verflucht Israels Armeechef Eyal Zamir

Ein israelischer Soldat wurde wegen eines religiösen Aufnähers inhaftiert. Das und die geplante Einberufung von Charedim sorgt für Verärgerung bei den Ultraorthodoxen

 30.06.2026

Rüstungstechnologie

Israelische Raketenabwehr für Katar

Fotos beweisen, dass in katarischen Regierungsmaschinen Militärtechnologie von Elbit verbaut wurde. Dabei pflegen Israel und Katar nicht einmal diplomatische Beziehungen

 29.06.2026

Reaktionen

»Erster Schritt zum Frieden«

Während Jerusalem und Beirut das Abkommen begrüßen, weist die Hisbollah es entschieden zurück

von Sabine Brandes  29.06.2026

Jerusalem

Israel erkennt den Völkermord an den Armeniern an

Die historische Entscheidung birgt diplomatische Sprengkraft. Außenminister Sa’ar bezeichnete die Anerkennung als »moralische Pflicht«

von Sabine Brandes  29.06.2026