Rüstungstechnologie

Israelische Raketenabwehr für Katar

Die Maschine des Scheichs ist mit einem Elbit-System (roter Kreis) ausgestattet Foto: picture alliance/dpa/TASS

Hochmoderne Abwehrsysteme und computergesteuerte Hightech-Helme für Piloten in F-15 Kampfjets sorgen in Israel gerade für Schlagzeilen: So meldete am Sonntag die Tageszeitung »Haaretz«, dass von den elf Flugzeugen, die von Herrscherfamilie Katars benutzt werden, zwei Boeing 747 und ein Airbus A340-500 mit dem C-Music-Luftabwehrsystem des israelischen Herstellers Elbit ausgerüstet sind. Das beweisen jüngst veröffentlichte Fotos der Maschinen.

Verbaut wurden die Luftabwehrsysteme wohl in den Jahren zwischen 2020 und 2022 bei Wartungsarbeiten in der Schweiz. Das Brisante: Mit einem dieser drei Maschinen war der Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani im vergangenen Jahr zu einem Staatsbesuch nach Teheran aufgebrochen.

Das C-Music-System ist an der hinteren Unterseite von Flugzeugen angebracht und erkennt wärmegesteuerte Boden-Luft-Raketen, woraufhin ein Infrarotstrahl ausgesendet wird, der ihre Zielerfassung stört. Passagierflieger von EL AL oder Arkia sind genauso damit ausgestattet wie die Maschine von Israels Premier Benjamin Netanjahu oder das französische Präsidentenflugzeug, bald auch die Transportflugzeuge der deutschen und der niederländischen Luftwaffe.

Aber nicht nur das. Ferner wurde bekannt, dass israelische Unternehmen wie Israel Aerospace Industrie und Tat Technologies bei der Ausrüstung einer besonderen Variante des F-15-Kampfjets, die Katar in den USA in Auftrag gegeben hat, ebenfalls mit an Bord waren. Man hatte hochmoderne Bauteile im Wert von 150 bis 250 Millionen Dollar sowie 160 Hightech-Pilotenhelme und Nachtsichtbrillen geliefert, und das, obwohl es zwischen beiden Staaten nicht einmal diplomatische Beziehungen gibt. Spezialhelme und –brillen dieser Art hatte man, das wurde nun ebenfalls publik, bereits 2010 an Saudi-Arabien verkauft.

Das Verhältnis zwischen Jerusalem und Katar ist schwierig, das Herrscherhaus gilt als Sponsor der Muslimbruderschaft und damit auch der Hamas. Netanjahu bezeichnete es als »ein kompliziertes Land«. Trotzdem, so hieß es bereits im Juni 2025 in der Tageszeitung »Maariv«, habe er Rüstungslieferungen in einem Volumen von über 100 Millionen Dollar an den Golfstaat genehmigt. Mit eingefädelt hatte sie ein Unternehmen, zu dessen Partner ein ehemaliger hochrangiger Mossad-Mitarbeiter gehörte sowie der pensionierte israelische Generalsmajor Yoav Mordechai. Beide gelten auch als Verdächtigte in den Ermittlungen zu den dubiosen Katar-Geschäften von Netanjahu-Beratern – Stichwort »Katargate«. ja

Israel

Führung und Verantwortung

Benjamin Netanjahus ehemaliger Militärsekretär erhebt Vorwürfe gegen den Premier

von Sabine Brandes  18.10.2026

Nahost

Bericht: Siedler attackieren EU-Diplomaten im Westjordanland

Maskierte Männer umstellen ein Diplomatenfahrzeug bei der Olivenernte im Westjordanland. Auch eine US-Fotografin wird verletzt

 18.10.2026

Kommentar

Ein Tag der Schande

Die Linkspartei, SPD und Grüne haben ihre Sondierungen beendet. Nun wollen sie in Berlin eine Regierung bilden

von Philipp Peyman Engel  17.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Westjordanland/Gaza

Umfrage: Große Mehrheit lehnt Hamas-Entwaffnung vor einem israelischen Rückzug ab

Die Hintergründe

von Sabine Brandes  15.10.2026

Bericht

Netanjahu soll Trump zu Iran-Angriff vor der Wahl gedrängt haben

Der israelische Premier hat angeblich den US-Präsidenten gebeten, den Krieg vor den Wahlen wieder aufzunehmen. In Washington sieht man dabei auch innenpolitisches Kalkül

von Sabine Brandes  15.10.2026

Israel

Vor Schicksalswahl: Eisenkot verspricht Ende der Hamas-Herrschaft in 18 Monaten

Ex-Generalstabschef Eisenkot wirft Benjamin Netanjahu vor, die Kriegsziele im Gazastreifen verfehlt zu haben. Sollte er Regierungschef werden, kündigt er einen klaren Zeitplan an

 15.10.2026

Untersuchung

ADL: Manipulierte Wikipedia-Einträge über Israel immer noch nicht korrigiert

Die Anti-Defamation League wirft den Betreibern der Online-Enzyklopädie vor, zu wenig gegen die Manipulation von Einträgen zu unternehmen, die sich mit Themen wie dem Nahostkonflikt und dem 7. Oktober befassen

 15.10.2026

Wirtschaft

Käsekrise

Was nach einem Lieferengpass im Supermarkt aussieht, steht für ein großes Problem. Weil ausländische Techniker Israel meiden, stehen immer häufiger Maschinen still

von Sabine Brandes  15.10.2026