Dialogprojekt

Verwaiste Eltern

Nach der Preisverleihung: Nasra Shehab, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Roni Hirshenson und Senioren-Unions-Chef Otto Wulff (v.l.) Foto: www.marco-urban.de

Der Israeli Roni Hirshenson und die Palästinenserin Nasra Shehab teilen ein gemeinsames Schicksal. Beide sind verwaiste Eltern. 1995 starb Amir, der Sohn von Roni Hirshenson, bei einem Selbstmordanschlag. Fünf Jahre später nahm sich der zweite Sohn, Elad, das Leben, nachdem dessen bester Freund von Palästinensern erschossen worden war. Nasra Shehab ist Mutter von zehn Kindern. Ihre Söhne Kamal und Tayser wurden 2002 und 2003 im Zuge von Auseinandersetzungen mit der israelischen Armee getötet.

Hirshenson und Shehab ließen Wut, Hass, Schmerz und Hoffnungslosigkeit hinter sich. Seit Jahren engagieren sie sich im israelisch-palästinensischen Parents Circle – Families Forum (PCFF). Die Elterninitiative ist ein Zusammenschluss von rund 500 Israelis und Palästinensern, die durch die Gewalt zwischen ihren Völkern ein Kind oder einen anderen nahen Familienangehörigen verloren haben. Sie setzen sich gemeinsam für Dialog, Versöhnung und Toleranz ein.

VERSÖHNUNG Vor Kurzem würdigte Otto Wulff, Bundesvorsitzender der Senioren-Union der CDU, den Einsatz von PCFF mit einer Auszeichnung. Stellvertretend für alle Eltern nahmen Hirshenson und Shehab die »Goldene Medaille für Verdienste um Versöhnung und Verständigung unter den Völkern« entgegen. Die Preisverleihung fand im Französischen Dom in Berlin statt.

Die Senioren-Union ehrt die Elterninitiative dafür, »einen Strahl der Hoffnung in eine Welt der Ratlosigkeit zu tragen«. In der anschließenden Festrede sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel: »Die moralische Leistung vieler einzelner Menschen kann Wunder, Frieden und Freiheit bewirken.« Das Engagement der beiden beweise, dass jeder auch außerhalb der großen Politik mithelfen könne, die Welt ein wenig besser zu machen.

Die Empfänger der Medaille übergaben der Kanzlerin im Namen des PCFF einen gläsernen Ring, der an einem Punkt zerbrochen ist. »Er symbolisiert das Brechen des Kreislaufs der Gewalt«, so die Israelin Robi Damelin, deren Sohn 2002 umkam und die heute als Pressesprecherin der Elterninitiative arbeitet.

Der Parents Circle besteht seit 16 Jahren. Yitzhak Frankenthal gründete ihn 1994, nachdem sein Sohn Arik von der Hamas gekidnappt und ermordet worden war. Die Vereinigung, die sowohl in Tel Aviv als auch im Westjordanland ein Büro betreibt, möchte einen Rahmen für die Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern schaffen. »Politische Friedensverträge allein reichen nicht aus«, sagt Damelin.

JUGENDARBEIT Die palästinensischen und israelischen Familien, die sich im Parents Circle zusammengeschlossen haben, treffen sich regelmäßig. Sie sind besonders aktiv im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Einer der Schwerpunkte ist der Dialog in Schulen. Dabei gehen je ein Mitglied aus Israel und Palästina gemeinsam in eine Schule und erzählen dort von ihrem persönlichen Versöhnungsprozess. 90 Prozent der israelischen Schüler begegnen so erstmals in ihrem Leben einen Palästinenser. Umgekehrt treffen viele palästinensische Schüler dabei meist zum ersten Mal einen Israeli, der weder Soldat noch Siedler ist. Die Organisation erreicht auf diese Weise jedes Jahr 40.000 Kinder und Jugendliche.

Über das sogenannte Hello-Shalom-Hello-Salam-Programm ermöglich der Parents Circle seit 2002 Anrufe zwischen Israelis und Palästinensern. Inzwischen sind es über eine Million Gespräche. Nun baut PCFF dieses Projekt aus: Neuerdings können Menschen beider Konfliktparteien, aber auch allgemein Interessierte, über Facebook, Twitter, SMS und Blogs miteinander kommunizieren. Zudem organisiert die Organisation Seminare, an denen beide Seiten in Techniken des Dialogs geschult werden.

Der Parents Circle wird von Organisationen in den USA, England, Deutschland und Israel unterstützt. In Hamburg und möglicherweise auch in Berlin zeigt er im November eine Ausstellung zum Thema »Cartoons in Konflikten«.

www.theparentscircle.com

New York/Madrid

»Warum unterhält Spanien noch immer koloniale Enklaven in Afrika?«

Israels UNO-Botschafter Danny Danon: »Vielleicht sollte Spanien, bevor es uns weiter belehrt, der Welt etwas erklären.«

 02.08.2026

Street-Art

Jeden Tag ein neues Gesicht

In Tel Aviv zeugen unzählige Graffitis von dem, was die Stadt und ihre Menschen bewegt. Eine Tour

von Valentin Suckut  02.08.2026

Kommentar

Sánchez’ alter, antisemitischer Trick

Wer trägt die Verantwortung für die jüngste Katastrophe in Ceuta? Ausnahmsweise wohl nicht »die Zionisten«

von Rafael Seligmann  02.08.2026

Tel Aviv

»Und dann musste ich mein eigenes Grab schaufeln«

Über zwei Jahre lang war Evyatar David in Gewalt der Hamas. Jetzt berichtet er davon, wie er – ausgezehrt und geschwächt – sein eigenes Grab ausheben musste

 02.08.2026

Wahlkampf

Der Anti-Bibi

Erstmals führt Gadi Eizenkot mit seiner Partei Jaschar die Wahlumfragen an. Wer ist der überraschende Top-Herausforderer?

von Joshua Schultheis  01.08.2026

Meinung

Die Vereinten Nationen und ihre obsessive Fixierung auf den jüdischen Staat

Warum der Staatengemeinschaft ihre Heuchelei und Doppelmoral eher früher als später zum Verhängnis werden wird

von Daniel Neumann  01.08.2026

Tel Aviv/Lod

Ben Gurion Airport: Nur jeder dritte Flug startet pünktlich

Die auf dem Flughafen geparkten Tanker der US-Luftwaffe sind nur einer von mehreren Gründen für ständige Verspätungen

 31.07.2026

Libanon

Reaktion auf Drohnenangriff: Israel sprengt Hisbollah-Tunnelsystem

Auslöser für die nun erfolgte Zerstörung sei ein Drohnenangriff der Hisbollah am Mittwoch gewesen, erklären Ministerpräsident Netanjahu und Verteidigungsminister Katz

 31.07.2026

Großbritannien

Hackney will Städtepartnerschaft mit Haifa beenden

Ratsherr Simche Steinberger wirft der Ratsmehrheit vor, die sechs jüdischen Ratsmitglieder überhaupt nicht konsultiert zu haben

 31.07.2026