Hamas-Massaker

»Verbrechen, die das Gewissen der Menschheit erschüttern«

Chefankläger Karim Khan in Be’eri Foto: Forum für Geisel- und Vermisstenfamilien

Hamas-Massaker

»Verbrechen, die das Gewissen der Menschheit erschüttern«

Sondererklärung von Karim Khan vom Internationalen Strafgerichtshof

von Sabine Brandes  04.12.2023 15:13 Uhr

Es war eine historische Visite. Zum ersten Mal war ein Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes (IStGH) in Israel. Karim Khan war auf die Bitte des Forums für die Geisel- und Vermisstenfamilien angereist. Nach seinem Besuch in Israel und dem palästinensischen Westjordanland veröffentlichte er eine Erklärung.

Während seiner Zeit in Israel besuchte Khan den Kibbuz Be’eri und den Kibbuz Kfar Aza, wo er Bewohner und Angehörige von Geiseln traf. In diesen südlichen Dörfern hatte die Hamas grauenvolle Blutbäder angerichtet.

Am Wochenanfang veröffentlichte Khan eine Sondererklärung: »Ich habe Szenen absichtlicher Grausamkeit gesehen. Die Angriffe auf unschuldige israelische Zivilisten am 7. Oktober stellen einige der schwersten internationalen Verbrechen dar, die das Gewissen der Menschheit erschüttern. Es sind Verbrechen, zu deren Bekämpfung der IStGH gegründet wurde.«

Hamas-Terroristen wegen Völkermord vor Gericht bringen

»Als ich mich mit den Familien der Opfer dieser Angriffe traf, war meine Botschaft klar: ‚Wir sind bereit, im Rahmen unserer laufenden Arbeit mit ihnen zusammenzuarbeiten, um die Rechenschaftspflicht der Verantwortlichen sicherzustellen‘.«

Die Familien der Opfer hatten von dem Chefankläger gefordert: »Wir erwarten von Ihnen, dass Sie sich dafür einsetzen, Hamas-Terroristen für Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord vor Gericht zu bringen.« Der Zweck des Besuches habe darin bestanden, den Staatsanwalt direkt über die von der Hamas begangenen Gräueltaten zu informieren und ihn zu drängen, »eine kompromisslose Untersuchung durchzuführen, um die Mörder, ihre Kollaborateure und ihre Helfer strafrechtlich zu verfolgen«.

»Ich fordere die sofortige und bedingungslose Freilassung aller von der Hamas und anderen Terrororganisationen genommenen Geiseln.«

karim khan (chefankläger IStGH)

Khan wurde auch über das Gelände des Festivals in der Nähe des Kibbuz Re’im geführt und traf sich anschließend mit einem Vertreter der Organisation ZAKA, die für die Bergung der sterblichen Überreste von Opfern zuständig sind. Er sah sich Videos und Fotos an, die die Massaker dokumentierten.

Er besuchte auch das Schneider-Kinderkrankenhaus in Tel Aviv, in dem die meisten der jungen Befreiten aufgenommen wurden, und sprach mit dem Krankenhausdirektor über den körperlichen und geistigen Zustand der freigelassenen Geiseln. Anschließend er klärte Khan: »Ich habe die sofortige und bedingungslose Freilassung aller von der Hamas und anderen Terrororganisationen genommenen Geiseln gefordert.«

Besuch ist Teil eines internationalen Rechtsstreits

Es könne keine Rechtfertigung dafür geben, Geiseln zu halten, und schon gar nicht die eklatante Verletzung grundlegender Prinzipien der Menschlichkeit durch die Entführung von Kindern und deren fortgesetzte Geiselnahme. Khan fügte hinzu, dass Geiseln nicht als menschliche Schutzschilde oder als Verhandlungsmasse behandelt werden dürften.

Der Besuch sei Teil eines umfassenderen internationalen Rechtsstreits, der vom Familienforum unter der Leitung von Rechtsanwalt Yuval Sasson zusammen mit den Anwälten Dr. Shelly Aviv-Yeini, Raz Nazari und Dan Eldad geführt wird. Das Familienforum dankte Chefankläger Khan für »die außergewöhnliche Entscheidung, nach den Gräueltaten der Hamas in Israel am 7. Oktober und der anhaltenden Inhaftierung von Geiseln zu uns zu kommen und den Familien zur Seite zu stehen« und wertete seinen Besuch als »historischen Erfolg«.

Westjordanland/Gaza

Umfrage: Unterstützung für Hamas in Gaza sinkt weiter

Eine palästinensische Studie zeigt wachsende Distanz zu der Terrororganisation und mehr Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung. Eine große Mehrheit lehnt die Entwaffnung vor einem israelischen Rückzug ab

von Sabine Brandes  15.10.2026

Bericht

Netanjahu soll Trump zu Iran-Angriff vor der Wahl gedrängt haben

Der israelische Premier hat angeblich den US-Präsidenten gebeten, den Krieg vor den Wahlen wieder aufzunehmen. In Washington sieht man dabei auch innenpolitisches Kalkül

von Sabine Brandes  15.10.2026

Israel

Vor Schicksalswahl: Eisenkot verspricht Ende der Hamas-Herrschaft in 18 Monaten

Ex-Generalstabschef Eisenkot wirft Benjamin Netanjahu vor, die Kriegsziele im Gazastreifen verfehlt zu haben. Sollte er Regierungschef werden, kündigt er einen klaren Zeitplan an

 15.10.2026

Untersuchung

ADL: Manipulierte Wikipedia-Einträge über Israel immer noch nicht korrigiert

Die Anti-Defamation League wirft den Betreibern der Online-Enzyklopädie vor, zu wenig gegen die Manipulation von Einträgen zu unternehmen, die sich mit Themen wie dem Nahostkonflikt und dem 7. Oktober befassen

 15.10.2026

Wirtschaft

Käsekrise

Was nach einem Lieferengpass im Supermarkt aussieht, steht für ein großes Problem. Weil ausländische Techniker Israel meiden, stehen immer häufiger Maschinen still

von Sabine Brandes  15.10.2026

Diplomatie

Kolumbien verlegt Botschaft nach Jerusalem

Unter dem linken Präsidenten Petro brach Kolumbien die diplomatischen Beziehungen zu Israel ab. Nun schlägt die neue Regierung einen anderen Kurs ein

 15.10.2026

Luftfahrt

Wie sicher sind Israel-Flüge?

Nach dem vereitelten Anschlag an Bord einer flydubai-Maschine werden immer mehr gravierende Sicherheitslücken bekannt

von Sabine Brandes  14.10.2026

Meldungen

Studium, Korruption, Aquädukt

Kurznachrichten aus Israel

von Sabine Brandes  14.10.2026

Reaktionen

EU kritisiert Wahlaufschub in den Palästinensergebieten

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas vertagt die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen bis in den Herbst 2027

 14.10.2026