Nahost

USA warnen vor Krieg im Libanon

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin begrüßt seinen israelischen Kollegen Joav Galant im Pentagon in Arlington (Virginia). Foto: picture alliance / Anadolu

Die USA haben vor einem Krieg zwischen Israel und der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz im Libanon gewarnt und wollen eine nukleare Aufrüstung Teherans verhindern.

»Die Provokationen der Hisbollah drohen, das israelische und das libanesische Volk in einen Krieg zu ziehen, den sie nicht wollen, und ein solcher Krieg wäre eine Katastrophe für den Libanon«, sagte Austin am Dienstag bei einem Treffen mit Israels Verteidigungsminister Joav Galant im Pentagon in Arlington (Virginia).

Galant warnte eindringlich vor der atomaren Aufrüstung des Iran. »Die größte Bedrohung für die Zukunft der Welt ist der Iran«, sagte er. Die Zeit laufe ab, das Land am Besitz von Atomwaffen zu hindern. »Wir stehen zusammen, um sicherzustellen, dass Iran, der die Quelle von so viel Gewalt und Instabilität in der Region ist, niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelangen kann«, versicherte Austin.

»Äußerst besorgt«

Die Hisbollah im Libanon gilt als bedeutender Verbündeter Teherans. Er sei »äußerst besorgt« über die Zunahme der Raketenangriffe der Hisbollah auf Israels Norden und die jüngste Zunahme der Spannungen, sagte Austin.

»Ein weiterer Krieg zwischen Israel und der Hisbollah könnte sich leicht zu einem regionalen Krieg mit schrecklichen Folgen für den Nahen Osten ausweiten«, warnte der US-Verteidigungsminister. Diplomatie sei »bei Weitem der beste Weg, um eine weitere Eskalation zu verhindern«.

Kanada rief angesichts der Sorgen vor einem Krieg seine Landsleute zum Verlassen des Libanon auf. »Die Sicherheitslage im Libanon wird aufgrund der andauernden und eskalierenden Gewalt zwischen der Hisbollah und Israel immer instabiler und unberechenbarer und könnte sich ohne Vorwarnung weiter verschlechtern«, erklärte Außenministerin Mélanie Joly in einer Mitteilung.

Granaten und Drohnen

Es sei »an der Zeit, abzureisen, solange noch kommerzielle Flüge verfügbar sind«. Seit Beginn des Gaza-Kriegs nach dem Massaker der mit der Hisbollah verbündeten Hamas in Israel vor fast neun Monaten haben proiranische Gruppen wie auch der Iran selbst Israel mit Raketen, Granaten und Drohnen angegriffen.

»Jetzt ist es an der Zeit, die Verpflichtung der amerikanischen Regierungen während der vergangenen Jahre umzusetzen – das Versprechen, den Iran am Besitz von Atomwaffen zu hindern«, sagte Israels Verteidigungsminister Galant. Der Iran hat wiederholt bestritten, Atomwaffen entwickeln zu wollen.

Nachdem Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu die US-Regierung kürzlich in einem Video wegen einer zurückgehaltenen Waffenlieferung verbal angegriffen hatte, lobte Galant bei seinem Treffen mit seinem US-Kollegen Austin die Zusammenarbeit bei der Verteidigung Israels gegen den Iran »und seine Stellvertreter«.

Nachgeholtes Krisentreffen

Nach Informationen des US-Nachrichtenportals »Axios« vom Dienstag haben sich Israel und die verbündeten USA darauf verständigt, ein eigentlich vergangene Woche geplantes Treffen unter Leitung der jeweiligen nationalen Sicherheitsberater zum Krisen-Thema Iran voraussichtlich Mitte Juli in Washington nachzuholen.

Israel will, dass sich die Hisbollah gemäß einer UN-Resolution hinter den 30 Kilometer von der Grenze entfernten Litani-Fluss zurückzieht. Notfalls sei Israel auch zu einem größeren Militäreinsatz bereit, warnte Galant kürzlich. Man müsse die Bereitschaft »für jedes mögliche Szenario besprechen«, sagte er nun in Washington.

Laut CNN versicherten ranghohe US-Repräsentanten Mitgliedern einer israelischen Delegation, dass die USA Israel volle Rückendeckung geben würden, sollte ein größerer Krieg mit der Hisbollah ausbrechen.

»Grausam und unbarmherzig«

Austin forderte unterdessen Galant auf, die Bemühungen zum Schutz der palästinensischen Zivilbevölkerung und der humanitären Helfer im umkämpften Gazastreifen zu verstärken. Israel befinde sich in einem harten Kampf gegen »einen grausamen und unbarmherzigen Feind«, aber man könne in einem urbanen Krieg nur gewinnen, wenn man die Zivilbevölkerung schütze.

»Daher muss Israel weiterhin mehr für den Schutz der palästinensischen Zivilbevölkerung im Gazastreifen tun, und das ist sowohl eine moralische Notwendigkeit als auch ein strategisches Gebot«, mahnte der US-Verteidigungsminister.

Israel lässt Hunderte Lastwagen mit Hilfsgütern pro Tag in den Gazastreifen passieren. Auch da die zuständigen UNO-Organisationen viele der Transporte nicht abholt, stockt der Nachschub seit Monaten immer wieder.

Angriff auf Eskorte

Die Hamas hat israelischen Angaben zufolge ein Geschoss in Richtung israelischer Soldaten im Gazastreifen gefeuert, die einen Hilfskonvoi der UN sichern sollten. Die Einsatzkräfte hätten einen Transport des Kinderhilfswerks Unicef koordiniert.

Dieser sollte Kinder aus dem Norden des abgeriegelten Küstengebiets mit ihren Angehörigen im Süden zusammenzubringen, teilten die Armee sowie die für Palästinenserangelegenheiten zuständige israelische Behörde Cogat am Dienstagabend mit. Verletzt wurde demnach niemand.

Die Hamas nutze Versuche des Militärs, humanitäre Hilfe zu leisten, aus, so die Armee. Die Terrororganisation gefährde damit das Leben der Zivilbevölkerung, hieß es.

Gefahr für Helfer

Die Gefahr für humanitäre Helfer im Gazastreifen wird den Vereinten Nationen zufolge immer untragbarer. »Es gibt Risiken, die inakzeptabel sind«, sagte Sprecher Stéphane Dujarric am Dienstag in New York. Er bestätigte, dass die UN vergangene Woche einen Brief an die israelischen Behörden schickten, der dieser Sorge Ausdruck verleihe.

Die Hamas wäre ein geeigneter Adressat des Briefes gewesen, denn die Terrorgruppe, die auch diesen Krieg begann und Israel erklärtermaßen auslöschen will, weigert sich, ein Abkommen zu unterzeichnen, das eine Waffenruhe und eine Freilassung der mehr als 100 weiterhin von ihr festgehaltenen Geiseln enthält.

Die Hamas gefährdet ihre eigene Bevölkerung, indem sie sie als lebenden Schutzschild missbraucht. Aufgrund ihrer anhaltenden Angriffe auf Israel und die israelischen Streitkräfte befinden sich auch Helfer in unmittelbarer Gefahr.

Tötung von Terrorführer

Das israelische Militär teilte unterdessen am Dienstagabend mit, ein »bedeutendes« Mitglied der Terrororganisation Islamischer Dschihad bei einem Luftangriff im Gazastreifen getötet zu haben. Der Mann habe das Raketenarsenal der Organisation entwickelt, hieß es. dpa/ja

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