Nahost

US-Botschafter irritiert mit Aussagen über Israels Grenzen

US-Botschafter Mike Huckabee in Jerusalem Foto: Flash 90

Die Empörung ließ nicht lange auf sich warten. Politiker, Diplomaten und Kommentatoren reagierten in Washington, arabischen Hauptstädten und auch in Israel mit scharfer Kritik auf Äußerungen des US-Botschafters in Israel, Mike Huckabee.

Huckabee äußerte sich in einem umstrittenen Interview mit dem US-amerikanischen Rechtsaußen Kommentators Tucker Carlson. Unter Berufung auf das Buch Genesis fragte Carlson, ob der moderne Staat Israel ein Anrecht auf die Länder habe, die Gott Abraham laut Bibel verheißen habe und die sich vom Euphrat bis zum Nil erstrecken und einen Großteil des Nahen Ostens umfassen.

Huckabee führte aus, dass Israel »sein Volk schützen« wolle

Worauf Huckabee antwortete: »Es wäre in Ordnung, wenn sie alles nähmen. Aber ich glaube nicht, dass es heute darum geht.« Er fügte hinzu: »Wir sprechen über das Land, in dem der Staat Israel heute lebt und in dem er Frieden will. Sie versuchen nicht, Jordanien, Syrien, den Irak oder irgendein anderes Land zu erobern. Sie wollen ihr Volk schützen.«

Obwohl der Botschafter offensichtlich versuchte zurückzurudern, ließen seine Aussagen diplomatische Kanäle glühen. US-Politiker versuchten sich in Schadensbegrenzung. Laut einem Bericht von Politico hätten hochrangige Vertreter der US-Regierung umgehend verschiedene arabische Staaten kontaktiert, um klarzustellen, dass Huckabees Worte nicht die offizielle Politik der Vereinigten Staaten widerspiegelten. Unter anderem habe Vizeaußenminister Chris Landau besorgten Regierungen versichert, es handle sich um persönliche Ansichten des Botschafters.

In Israel wurden die Äußerungen unterschiedlich aufgenommen. Knessetpräsident Amir Ohana (Likud) schrieb auf X: »Wäre ich Amerikaner, wäre ich ungemein stolz darauf, dass ein weiser, standhafter und brillanter Mann wie @GovMikeHuckabee mein Land vertritt. Besonders angesichts von Tuckers Lügen und Manipulationen. Gut gemacht, mein Freund!« Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich postete: »I [Herz-Emoji] Mike Huckabee«.

Amir Ohana: »Stolz auf Mike Huckabee angesichts Tuckers Lügen und Manipulationen.«

Verschiedene Diplomaten und Sicherheitsexperten betonten jedoch, dass solche Positionen Israel international schaden könnten. Selbst konservative Kommentatoren wiesen darauf hin, dass Israel kein Interesse an der Kontrolle fremder Bevölkerungen im Nahen Osten habe.

International fiel die Reaktion deutlich schärfer aus. Die Liga der Arabischen Staaten, der alle arabischen Staaten im Nahen Osten und Nordafrika angehören, bezeichnete Huckabees Äußerungen in einer Stellungnahme auf X als »extremistisch und unbegründet«.

Huckabee ist seit Jahrzehnten einer der prominentesten evangelikalen Unterstützer Israels in der amerikanischen Politik. Seine Positionen sind stark religiös geprägt: Viele evangelikale Christen interpretieren biblische Texte als göttliche Zusage des Landes an das jüdische Volk. Huckabee unterstützt deshalb auch die israelische Siedlungsbewegung und lehnt eine Zweistaatenlösung weitgehend ab. Kritiker werfen ihm vor, religiöse Überzeugungen mit Diplomatie zu vermischen.

Auch innenpolitisch ein Thema in den USA

Das Interview zwischen Carlson und Huckabee entwickelte sich auch sehr schnell zu einem innenpolitischen Thema in den USA. Kommentatoren der linksliberalen israelischen Tageszeitung Haaretz schrieben, die Aussagen hätten die ohnehin schwierige Lage der Republikaner in der Nahostdebatte weiter verkompliziert. Während Teile der Partei eine kompromisslose pro-israelische Linie vertreten, versuchen andere, außenpolitische Eskalationen zu vermeiden.

Offiziell bleibt die amerikanische Position unverändert: Washington unterstützt Israels Sicherheit, befürwortet aber keine territoriale Expansion über international anerkannte Grenzen hinaus. Dass ein amtierender Botschafter öffentlich eine so weitreichende Vision äußert, gilt daher als äußerst ungewöhnlich.

Nachrichten

Basketball, Wahlen, Atombombe

Kurzmeldungen aus Israel

von Ralf Balke  15.07.2026

Israel

Das Studium der Tora wird zum »Grundwert« des Staates

Ein neues Gesetz soll nach Einschätzung von Experten die rechtliche Grundlage schaffen, um Ausnahmen von der Wehrpflicht für ultraorthodoxe Männer dauerhaft abzusichern

 15.07.2026

Nahost

Trump drängt Netanjahu zum Abzug israelischer Truppen aus Syrien und dem Libanon

»Sie wollen euch dort nicht. Ihr solltet euch neu positionieren«, soll der US-Präsident dem israelischen Ministerpräsidenten gesagt haben

 15.07.2026

Luftfahrt

Streit um Tankflugzeuge der US-Luftwaffe am Ben-Gurion-Flughafen

Israel will weitere Maschinen der US-Luftwaffe zunächst nicht auf dem zivilen Flughafen landen lassen. Das US-Zentralkommando sagt, die Maßnahme könne die militärischen Planungen beeinträchtigen

 15.07.2026

Jerusalem

Netanjahu plant Washington-Reise

Im Umfeld des israelischen Regierungschefs bestehen Sorgen über eine zunehmende Distanz zu US-Präsident Trump. Auch könnte Netanjahu an einer Trauerfeier für Senator Lindsey Graham teilnehmen

 15.07.2026

Jerusalem

Netanjahu warnt Iran bei Angriff auf Israel vor »weit stärkerer« Reaktion

»Die bisherige Antwort war bereits stark. Sollte erneut versucht werden, uns zu schaden, wird die Reaktion eine andere sein – weit stärker«, sagt der israelische Ministerpräsident

 15.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  15.07.2026 Aktualisiert

Kochbuch

Quarkkuchen und Palästina-Suppe

Die Nationalbibliothek hat ein seltenes Original der ersten in England veröffentlichten Sammlung koscherer Rezepte erworben. Um die anonyme Autorin ranken sich Legenden

von Sabine Brandes  14.07.2026

Diplomatie

Israel und Libanon verhandeln in Rom

Zu Beginn der Gespräche sind die Fronten verhärtet. Israel fordert die Entwaffnung der Terror-Miliz Hisbollah. Die libanesische Regierung besteht auf Israels Rückzug aus dem Süden

 14.07.2026