Trend

Urlaub unter Planen

Für den kleinen Geldbeutel: junges Paar vor seinem Zelt in der Negevwüste Foto: Flash 90

Für Familie Biton ist es schon lange Tradition: Am Unabhängigkeitstag wird gezeltet. Bis unters Dach belädt die Familie aus Rischon LeZion das Auto, und dann geht es mit Sack und Pack in Richtung Norden. Noch vor wenigen Jahren bauten die Bitons fast allein ihr Zelt im Grünen auf. Doch mittlerweile steht eine Plane neben der nächsten. Camping in Israel liegt im Trend – für Einheimische wie Touristen aus aller Welt gleichermaßen.

Die Israelis selbst nutzen vor allem die Kurzurlaube an den verschiedenen Feiertagen, um der urbanen Hektik zu entfliehen. Besonders beliebt ist Jom Haazmaut, an dem Schulen und Kindergärten geschlossen bleiben. In diesem Jahr wird der 66. Geburtstag des Staates gefeiert. Und das passiert traditionell auf Partys am Abend, Ausflügen sowie Picknicks in der Natur – und neuerdings mit dem Mangal vor dem Zelt.

Zu Pessach wird die Campingsaison inoffiziell eröffnet. Im Frühling, wenn die Temperaturen milder werden, die letzten Winterregen längst in der Erde versickert sind und Nord wie Süd in bunten Farben erblühen. Eigentlich beste Voraussetzungen. Und doch schwor bis vor einer Weile lediglich eine kleine, eingeschworene Gemeinde auf Zelt und Schlafsack zum Urlaubmachen.

In den vergangenen Jahren aber stieg die Zahl erheblich an. So sehr, dass am vergangenen Pessach Radiodurchsagen die Menschen aufforderten, nicht mehr zum Zelten an den Kinneret zu fahren – wegen Überfüllung geschlossen. 50.000 Urlauber ließen sich an den Ufern des größten Binnensees des Landes nieder und machten es sich auf Liegestuhl und Luftmatratze gemütlich.

subventionen Der jüngste Ansturm der Zeltgäste ließ jetzt sogar das Tourismusministerium reagieren. Prompt beschloss es, eine Kampagne ins Leben zu rufen, die in recht kurzer Zeit mehr Campinganlagen schaffen soll. In den kommenden Wochen wird eine Liste mit Subventionen veröffentlicht, die es Unternehmern erleichtern soll, ins Campinggeschäft einzusteigen. Zukünftig soll man seinen Platz auch vorab online buchen können, »damit niemand mehr enttäuscht wird, wenn er einen langen Weg auf sich genommen hat und dann vor verschlossenen Toren steht, weil alles bereits voll ist«, so das Ministerium.

Außerdem sollen separate Einrichtungen für Familien und für junge Leute gebaut werden. Denn die nächtelangen Feiern lassen die Entspannungssuchenden oft kein Auge zutun. Die Bitons können ein Lied davon singen. Mati Biton hat nicht nur einmal vor Wut den Stecker der Musikanlagen der feiernden jungen Leute nebenan gezogen, wie er schmunzelnd berichtet. Dem Vater von zwei Kindern kämen verschiedene Areale für Familien und Partygänger sehr gelegen. Abgesehen von dem kleinen Ärgernis indes ist er überzeugt: »Israel ist das ideale Land zum Campen. Das Wetter ist hervorragend, die Gegend wunderschön und das Völkchen, das sich auf den Plätzen trifft, meist recht entspannt.«

Familie Cohen aus Pardes Hanna verbringt mit ihren drei Kindern fast jeden Kurzurlaub im Zelt, bevorzugt in der Negevwüste. Der Grund: »Das ist etwas für den kleinen Geldbeutel«, wie Mutter Liora betont. »Wir können es uns nicht leisten, als fünfköpfige Familie mit normalen israelischen Einkünften ständig Urlaub im Hotel zu machen.« Daher sind die Cohens bestens ausgerüstet, haben alles, von zwei Zelten, »um nicht ständig aufeinanderzuhocken«, über einen Gaskocher, spezielle Lampen bis zu einem Generator im Miniformat.

Vielfalt Derzeit gibt es 20 registrierte Campingplätze von Belvoir im hohen Norden bis nach Jotvata in der Nähe von Eilat am Roten Meer. Allerdings sind viele dieser Stätten lediglich für Gruppen ab 100 Leuten zugänglich. Das soll sich ändern, denn auch die Parkverwaltungen und Keren Kayemeth LeIsrael haben einen hohen Anstieg von Campinginteressierten vermeldet.

Den Generaldirektor des Tourismusministeriums, Amir Halevy, überrascht das nicht. Israel sei mit seinen hervorragenden Voraussetzungen eine klassische Camping-Destination. »Daher hat es für uns Priorität, die Infrastruktur zu verbessern«, so Halevy. Es sollen auf den neuen Plätzen vor allem saubere Toiletten und ausreichend Möglichkeiten zum Duschen geschaffen werden. Die Initiative ist ein Teil der Kampagne, die Kosten für Israelurlaube zu senken, die das Ministerium seit einigen Jahren verstärkt verfolgt.

Vorschriften Vor allem gehe es darum, eine größere Vielfalt an Übernachtungsarten zu etablieren – von Luxushotels bis zum Zelt, betont auch Minister Uzi Landau. »Damit werden wir den Druck auf die Hotels verringern, die besonders zu den Feiertagen völlig überlastet sind.« Außerdem, so der Minister weiter, arbeiten er und sein Team daran, unnötige Vorschriften für den Bau neuer Unterbringungsmöglichkeiten abzuschaffen, die Zahl der Hotelbetten zu erhöhen und auf diese Weise die Preise zu senken.

Generaldirektor Halevy weiß mittlerweile, dass es nicht mehr nur Leute mit kleinem Geldbeutel sind, die dem Charme des Zeltplatzes etwas abgewinnen können. »Sogar viele ausländische Touristen, die heute nach Israel kommen, wohnen ein paar Tage in einem Luxushotel und möchten dann auf den Campingplatz, um Zeit in der Natur zu genießen. Es ist die Abwechslung, das Außergewöhnliche, das die Leute in ihrem Urlaub schätzen.«

Er sei daher überhaupt nicht verwundert, dass die Zahlen rapide ansteigen. Halevy: »Camping ist der heißeste Trend in Israel und überall auf der Welt – und wir machen dabei mit.«

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