Nahost

Trump verkündet überraschend Huthi-Kapitulation

US-Präsident Donald Trump Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Nach monatelangen Angriffen des US-Militärs im Jemen in Reaktion auf die Dauerattacken des Jemen auf Israel soll es US-Präsident Donald Trump zufolge plötzlich einen Durchbruch geben. Die Huthi-Terroristen im Jemen habe gegenüber den USA kapituliert und wolle keine Schiffe mehr angreifen, erklärte Trump völlig überraschend in Washington. 

Der Oman, der zwischen den USA und den Huthi eigenen Angaben nach vermittelt hatte, berichtete am Abend von einer Einigung zwischen beiden Seiten. Diese hätten sich darauf verständigt, künftig keine gegenseitigen Angriffe mehr durchzuführen, teilte Omans Außenminister Badr al-Busaidi mit. Das schließe auch Angriffe gegen amerikanische Schiffe im Roten Meer ein.

Damit solle die Freiheit der Schifffahrt sowie ein ungehinderter Ablauf des internationalen Handelsverkehrs wieder gewährleistet werden. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff teilte den entsprechenden Beitrag auf der Plattform X. 

Noch kurz vor der Ankündigung flog Israels Militär nach eigenen Angaben mehrere Angriffe auf Huthi-Ziele im Jemen. Huthi-Medien sprachen von israelisch-amerikanischen Angriffen. Auf die Ankündigung Trumps reagierte die vom Iran unterstütze Miliz bisher nicht.

Das US-Militär greift bereits seit Monaten Ziele der Huthi-Miliz im Jemen an, mit dem erklärten Ziel, die internationale Schifffahrt im Roten Meer zu schützen. Die Huthi greifen dort immer wieder Handels- und Militärschiffe an. Eigentlich wollten die Huthi-Terroristen diese Angriffe erst bei einem Ende des Gaza-Kriegs zwischen Israel und der ebenfalls vom Iran unterstützten Terrororganisation Hamas einstellen.

Die Huthi-Miliz kontrolliert große Gebiete im Norden des Landes samt der Hauptstadt Sanaa und der Hafenstadt Hudaida. In Solidarität mit der Hamas feuert sie auch regelmäßig Geschosse in Richtung Israel.

Trump sagte im Weißen Haus, er nehme die Zusicherung ernst und werde im Gegenzug die US-Angriffe auf die Huthi mit sofortiger Wirkung einstellen lassen. »Sie haben kapituliert. (...) Wir werden sie beim Wort nehmen«, so Trump. »Sie haben gesagt, bitte bombardiert uns nicht mehr und wir werden eure Schiffe nicht angreifen.« 

Weitere Details waren nach Trumps Aussagen vollkommen unklar. Die Huthi-Angriffe auf Israel erwähnte der US-Präsident nicht. Aus israelischen Kreisen verlautete, man sei von Trumps Ankündigung überrascht und nicht vorab informiert gewesen. 

Auch im US-Außenministerium schien die Nachricht Sprecherin Tammy Bruce kalt erwischt zu haben. Sie bezog sich lediglich wiederholt auf Trumps Aussagen sowie auf den von Witkoff geteilten Beitrag und konnte keine weiteren Fragen der Journalisten beantworten. Außenminister Marco Rubio sei zum Zeitpunkt der Ankündigung im Oval Office gewesen, erklärte Bruce – und kündigte an, »wahrscheinlich am Donnerstag« mehr zum Thema sagen zu können.

»Ich möchte uns alle dazu ermutigen, und ich bin selbst gespannt darauf, mehr Einzelheiten und Hintergründe darüber zu erfahren, wie sich das Ganze entwickelt hat«, sagte Bruce. »Das interessiert uns natürlich immer.«

Nach Angaben aus dem Oman war die Vereinbarung das Ergebnis jüngster Gespräche und Kontakte mit den USA und den Huthi-Behörden, die mit dem Ziel der Deeskalation geführt wurden, hieß es. 

Kurz zuvor hatte das israelische Militär wiederum selbst im Jemen angegriffen. Der Huthi-nahe TV-Sender Al-Masirah meldete mehrere Angriffe auf den internationalen Flughafen in Sanaa. Dabei seien drei Menschen getötet und 38 Personen verletzt worden, meldete das von den Huthi-kontrollierte Gesundheitsministerium.

Die Huthi drohten, die Angriffe würden nicht unbeantwortet bleiben, wie es in einer Erklärung des politischen Büros der proiranischen Miliz hieß. Israels Luftwaffe hat seit Ausbruch des Gaza-Kriegs bereits mehrmals im Jemen angegriffen, nachdem es selbst immer wieder zuerst aus dem Jemen angegriffen wurde.

Die israelische Armee teilte mit, die Luftwaffe habe als Reaktion auf den Angriff auf den Flughafen am Sonntag in Tel Aviv die Infrastruktur der Huthi-Miliz auf dem Flughafen in Sanaa angegriffen und zerstört. Der Flughafen sei vollständig lahmgelegt worden. Getroffen wurden demnach auch Start- und Landebahnen sowie Flugzeuge. »Ähnlich wie der gestern angegriffene Hafen von Hudaida diente der Flughafen der Huthi-Terrororganisation als zentrale Drehscheibe für den Transport von Waffen und Mitgliedern.« 

Das israelische Militär habe zudem mehrere wichtige Kraftwerke im Raum Sanaa angegriffen. Die Huthi nutzten diese ebenfalls für ihre Zwecke. Ein weiteres Ziel sei eine Betonfabrik gewesen, die die Miliz etwa für den Bau von Tunneln brauche. 

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sagte zu dem Angriff im Jemen, dies sei auch eine Warnung an Teheran. Der Iran trage die direkte Verantwortung für jeden Angriff des Krakenarms der Huthi auf den Staat Israel.

Quellen am Flughafen bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, dass der Flugbetrieb eingestellt wurde. Zwei Flugzeuge seien zerstört worden. Ein weiteres sei beschädigt worden. Insgesamt seien an dem Flughafen nur vier Maschinen im Einsatz. Eine davon habe sich zum Zeitpunkt der Angriffe in der jordanischen Hauptstadt Amman befunden und sei wegen der Angriffe zunächst nicht zurückgekehrt.

Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Hans Grundberg, bezeichnete die jüngsten Angriffe zwischen der Huthi-Miliz im Jemen und dem israelischen Militär als gefährliche Eskalation.

Ein Sprecher des israelischen Militärs hatte zuvor alle »Anwesenden im Bereich des internationalen Flughafens« in Sanaa dazu aufgerufen, das Flughafengelände sofort zu verlassen. Rund um den Flughafen befinden sich mehrere Wohngebiete.

Israel hatte am Montagabend bereits Dutzende Ziele der Huthi im Land angegriffen. Dabei gab es mindestens vier Tote und 35 Verletzte.

Eine Rakete der Huthi-Miliz war zuvor am Sonntag in der Nähe des Tel Aviver Flughafens Ben Gurion in Israel eingeschlagen. Israel drohte daraufhin mit einer harten Reaktion. dpa/ja

Essay

Erinnerungen an Schawuot in Be’eri

Unsere Autorin ist in dem Kibbuz aufgewachsen, der durch das Massaker traurige Bekanntheit erlangte. Eines der prägendsten Feste ihrer Kindheit war das Wochenfest – wird jene Freude je wieder zurückkehren?

von Eshkar Eldan Cohen  21.05.2026

Wahlen

Arabisch-israelisches Zünglein an der Waage?

Der Aktivist Yoseph Haddad will den Sprung in die Politik wagen und könnte im festgefahrenen Rennen um die Knesset entscheidend sein

von Sabine Brandes  21.05.2026

Aschkelon

Israel schiebt Hunderte Flottillen-Aktivisten ab

Während die ausländischen Flottillenaktivisten vom Flughafen Ramon aus ausgeflogen werden, steht die israelische Teilnehmerin Zohar Regev in Aschkelon vor Gericht

 21.05.2026

Jerusalem

»Nicht das Gesicht Israels«: Sturm der Entrüstung gegen Ben-Gvir

Der rechtsextreme Politiker steht in der Kritik, weil er ein Video veröffentlichte, in dem Aktivisten der Gaza-Flotille gedemütigt werden. Auch Regierungschef Benjamin Netanjahu distanzierte sich von seinem Minister

von Sabine Brandes  21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Meinung

Das entspricht nicht der Essenz unseres Landes!

Man muss keine Sympathie für die Aktivisten der Gaza-Flotille haben, um die Art abzulehnen, wie Itamar Ben-Gvir mit ihnen umgegangen ist. Der Minister hat dem Ansehen Israels geschadet

von Sarah Cohen-Fantl  21.05.2026

Herzliya

Israelische Studie: Sexy Profilbilder können Dating-Erfolg mindern

Eine Untersuchung der Reichman University zeigt: Stark sexualisierte Fotos in Dating-Profilen erzeugen zwar Aufmerksamkeit, schmälern aber die Chancen auf eine ernsthafte Beziehung

 21.05.2026

Würdigung

»Wo andere laut schweigen, lässt sie sich nicht unterkriegen«

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland würdigt in seiner Laudatio auf die Jüdische Allgemeine die Verdienste der Redaktion - und ihren Mut

von Abraham Lehrer  21.05.2026