Ernährung

Sterne für Kaschrut

Wirtschaftsminister Naftali Bennett (l.) im Gespräch mit dem aschkenasischen Oberrabiner Israels David Lau. Foto: Flash 90

In Israel sollen Sterne zukünftig nicht an die besten Restaurants verliehen werden, sondern an die koschersten. Wirtschaftsminister Naftali Bennett, der zugleich auch Minister für religiöse Angelegenheiten ist, will so das unübersichtliche Kaschrut-Gesetz in Israel revolutionieren. Das neue Dreistufensystem werde für Lokale und Kunden übersichtlicher sein und Ordnung in das Wirrwarr bringen, sagte Bennett am Montag auf einer Pressekonferenz.

Wer in Israel in seinem Restaurant oder lebensmittelverarbeitenden Betrieb ein Kaschrut-Zertifikat an die Wand hängen will, muss sich an die strikten jüdischen Speisegesetze halten. Allerdings sind die Richtlinien oft alles andere als verständlich oder einheitlich. Denn in Israel sind unterschiedliche Körperschaften für die Einhaltung der Regeln zuständig. So gibt es die sogenannten Kaschrut-Komitees der lokalen Rabbiner, die dem Oberrabbinat unterstehen. In der ultraorthodoxen Gemeinde, die eine viel schärfere Auslegung der Gesetze verlangt, untersuchen private Kontrolleure (Badatz) Küche und Co.

Standards Der Chef der Partei Habayit Hayehudi stellte sein neues Konzept gemeinsam mit dem stellvertretenden Minister für Religionsangelegenheiten, Eli Ben-Daan, und dem aschkenasischen Oberrabbiner David Lau vor. Ben-Dahan erklärte, die bisherige Regelung lasse viel zu wünschen übrig. So würden Zertifikate lediglich zweimal im Jahr erneuert, und jeder einzelne Kontrolleur wende seine eigenen Standards an.

Ein derartiges Durcheinander soll es aber bald schon nicht mehr geben. Denn der nationalreligiöse Bennett will für die Einhaltung der Kaschrut drei Sterne verleihen. Pro erreichte Stufe gibt es einen Davidstern. Bei den Frommsten sollen nach der erfolgreichen Überprüfung drei Sterne an der Wand prangen. Die reguläre Einhaltung bleibt gleich, doch kommen zwei weitere Stufen hinzu, die momentan lediglich von privaten Kaschrut-Kontrolleuren vergeben werden: Mehuderet (streng) und Mehadrin (extrem strikt). »Doch jedes Geschäft kann selbst entscheiden, wie viele Sterne es erreichen möchte«, so Bennett.

Prüfer Durch die neuen Regeln soll es auch keine Möglichkeit mehr für Korruption geben. Bisher zahlen die Geschäftsinhaber direkt an die Kontrolleure – am liebsten in bar. Dadurch entstünde jedoch ein Interessenkonflikt, so der Minister. Demnächst soll eine dritte Partei die Rechnung stellen und das »Geschacher« damit ein Ende haben. Auch soll eine größere Anzahl von Prüfern unterwegs sein. »Das Kaschrut-Zertifikat wird prompt und auf dem neuesten Stand sein«, verspricht Bennett.

Kritiker bemängeln, dass sich auch nach dieser Änderung die Überwachung der Kaschrut einzig in den Händen des Oberrabbinats befinde. Dieses Monopol würde nichts revolutionieren, sondern stattdessen den bestehenden Zustand zementieren. Die Initiatoren indes sind ganz von ihrer Idee überzeugt – und sicher, dass auf diese Weise das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Kaschrut wiederhergestellt wird.

Israel

Knessetwahl: Soldaten können bereits abstimmen

In weniger als einer Woche wählt Israel ein neues Parlament. Bereits jetzt dürfen Soldaten die Wahlkabinen betreten - diese werden ihnen bis in den Libanon und nach Syrien gebracht

 21.10.2026

New York/Gaza

Frühere Lehrerin aus Gaza warnt vor Judenhass an UNRWA-Schulen

Die Pädagogin sagt, die ideologische Indoktrinierung palästinensischer Kinder könne den Nährboden für ein weiteres Massaker wie das vom 7. Oktober 2023 schaffen

 21.10.2026

Jerusalem

Netanjahu hält an Sturz des Teheraner Regimes fest

»Ich bin entschlossen, die Aufgabe zu Ende zu bringen«, sagt der israelische Regierungschef

 21.10.2026

Gaza

Israel tötet Hamas-Terroristen, der Shani Louk verschleppte

Tamer Mohammad Ibrahim al-Sabbagh war das letzte lebende Mitglied der Hamas-Zelle, die am 7. Oktober 2023 die deutsch-israelische Geisel entführte

 21.10.2026

Sicherheit

Nach Ausschreitungen: Israel rechnet mit vermehrter Einwanderung von Juden aus Frankreich

Die Hintergründe

 21.10.2026

Boykott?

Weitere Firma verweigert Jerusalemer Seilbahn-Projekt

Die israelische Regierung will per Seilbahn einen direkten Zugang zur hochsymbolischen Klagemauer in Jerusalem schaffen. Aber immer mehr ausländische Partner ziehen sich zurück

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Wahlkampf

Netanjahu stellt sich hinter religiöse Wehrdienstverweigerer

Um an der Macht zu bleiben, braucht Israels Ministerpräsident die Unterstützung der ultraorthodoxen Juden. Wenige Tage vor der Wahl übt er den Schulterschluss mit Religiösen, die sich der Wehrpflicht entziehen

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

Linken-Fraktion vorerst ohne Einigung im Streit um Emde

Eine Abgeordnete, die in ihrer Israel-Kritik immer wieder nachlegt, und eine Fraktionsspitze, die ein Problem mit ihr hat: Im Berliner Koalitionspoker bleibt der Streit um Vanessa Emde ungelöst

 20.10.2026

Hamas

Emiratische Blase in Gaza

Israel erlaubt den VAE Infrastrukturarbeiten nahe Rafah. Den Wiederaufbau der Enklave knüpft Israels Premier Netanjahu an die Entwaffnung der Terrororganisation

von Sabine Brandes  20.10.2026