Energie

Sonne für die Steckdose

Leuchtend: der riesige Solarturm der Anlage »Megalim« in der Negevwüste Foto: Sabine Brandes

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Sonne für die Steckdose

In Israel werden immer mehr Solaranlagen gebaut – nicht nur in der Wüste

von Sabine Brandes  21.11.2019 11:43 Uhr

In der Wüste scheint die Sonne fast immer. In der Arava wird die Stromversorgung während des Tages schon heute fast komplett durch Solarenergie abgedeckt. Im nächsten Jahr sollen es 100 Prozent sein. Die Gruppe, die dies erreicht hat, wünscht sich, dass das ganze Land umgestellt wird.

Denn noch sind die Fakten für den Rest des Landes alles andere als umweltfreundlich: 95 Prozent des Stroms kommen derzeit aus fossilen Brennstoffen. Bis 2020 hat die Regierung zehn Prozent der Versorgung durch erneuerbare Energien vorgesehen. Dagegen werden in der Europäischen Union heute durchschnittlich 17,5 Prozent erreicht.

arava-wüste Doch Josef Abramowitz, Chef des Unternehmens »Energia Global«, und Dorit Banet, Geschäftsführerin von »Eilat-Eilot Renewable Energy«, haben sich die Zahl 100 auf die Fahnen geschrieben. Denn die Arava-Wüste ist nicht nur dünn besiedeltes Gebiet, in dem nicht viel Strom verbraucht wird. Unter anderem gehört zu dem Gebiet die Stadt Eilat. Auch hier gilt: Strom einschalten heißt Sonnenenergie nutzen.

Abramowitz ist einer der Pioniere der Solarindustrie im Land. Seine Firma nutzt das Modell der Arava, um Solar- und Windanlagen für Afrika zu testen. Eilat-Eilot ist eine Non-Profit-Organisation, die Sonnenenergie als Werkzeug für wirtschaftlichen Aufschwung im Süden Israels fördert.

Bis 2020 hat die Regierung zehn Prozent der Versorgung durch erneuerbare Energien vorgesehen.

»Als das Ziel bekannt gegeben wurde, die Arava im kommenden Jahr tagsüber komplett durch Sonnenenergie zu versorgen, schüttelten viele den Kopf«, so Abramowitz. Zwar seien die Gründe der Zweifler – darunter Kosten, Platz, Stabilität des Versorgungsnetzes und anderes – verständlich, und doch funktioniere es.

PREISE Sonnenenergie wird derzeit immer günstiger. Einer der Gründe sind die stark gesunkenen Preise für Kollektoren durch den wachsenden globalen Markt und Massenproduktion in China. »Sie betragen heute ein Drittel des Gaspreises. Das allerdings unterschlagen Politiker und die Betreiber der Gasfirmen. Wenn die Israelis aber verstehen, dass sie das Dreifache zahlen, werden sie Sonnenenergie verlangen«, ist Abramowitz überzeugt. Ebenso würden die Kosten des Speicherns, damit eine konstante Energieversorgung auch in schattigen Zeiten gewährleistet werden kann, stetig sinken.

Wer dieser Tage über die Straße 40 in den Süden fährt, sieht ihn schon von Weitem leuchten: Der 240 Meter hohe Turm des Sonnenkraftwerkes Megalim steht wie ein riesiges außerirdisches Objekt inmitten der unwirtlichen Sanddünen. Nahezu 200 Millionen Euro kostete der Bau des Werkes auf drei Quadratkilometern; Anfang 2019 ist Megalim ans Versorgungsnetz angeschlossen worden.

Wenige Monate darauf wurde das größte Solarprojekt des Landes eingeweiht: Ashalim in der Negevwüste, das rund 70.000 Haushalte versorgen kann. Auf vier Quadratkilometern stehen 16.000 Parabol- und rund eine halbe Million Brennspiegel, die die Sonnenstrahlen in Dampf umwandeln, der für die Stromgewinnung genutzt wird. Außerdem nutzt das Kraftwerk eine besondere Methode, um thermische Energie zu speichern, die auf geschmolzenem Salz basiert. Dadurch kann das Werk weitere viereinhalb Stunden nach Sonnenuntergang funktionieren. Die Kosten werden auf rund eine Milliarde Euro geschätzt.

Start-ups entwickeln saubere Alternativen zu Klimaanlagen.

Der Betreiber, die Firma »Shikun & Binui«, erklärte, dass Ashalim eines ihrer bedeutendsten Projekte sei, das Nachhaltigkeit und Umweltschutz in den Vordergrund stelle und gleichzeitig profitabel sei. Außerdem sorge es für Arbeitsplätze im Negev. Auch der Minister für nationale Infrastruktur, Energie und Wasser, Yuval Steinitz, war bei der Eröffnung dabei.

Seit er im Amt sei, habe er jede Möglichkeit genutzt, um die Reichweite von erneuerbaren Energien zu erhöhen, daher werde man die Vorgaben im kommenden Jahr erreichen, sagte er. »Ich bin überzeugt, dass diese Energien neben dem Erdgas von besonderer Bedeutung für die Reduzierung von Luftverschmutzung und für die Gesundheit von uns allen sind.«

Der »Plan 2030« sieht vor, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden. In zehn Jahren will Steinitz 17 Prozent des Stroms umweltschonend produzieren, obwohl diese Zahl noch keine offizielle Politik ist. In der EU hat man vor, in den nächsten zehn Jahren mindestens 32 Prozent zu erreichen.

FARBE Ein Beispiel, dass man Solarenergie auch zum Stromsparen einsetzen kann, kommt aus Israel. Zu den größten Stromfressern gehören Klimaanlagen, die jedoch immer mehr benutzt werden. 1990 gab es 1,6 Milliarden Geräte weltweit, 2050 werden es 5,6 Milliarden sein. Das Start-up-Unternehmen »SolCold« aus der Kleinstadt Nes Ziona glaubt, eine Lösung gefunden zu haben.

Die Firma entwickelte einen speziellen Farbanstrich, der die Raumtemperatur herunterkühlt und dafür Solarenergie nutzt. Nach dem Motto: Je stärker die Sonneneinstrahlung, desto kälter der Effekt. »Wenn es draußen 40 Grad Celsius sind, reflektiert unser Material Temperaturen von 22 Grad«, erläutert einer der Gründer, Jaron Schenhav. »Das ist doch optimal.«

Im vergangenen Jahr machten die erneuerbaren Energien in Israel einen weiteren Schritt nach vorn.

Im vergangenen Jahr machten die erneuerbaren Energien in Israel einen weiteren Schritt nach vorn. Die Elektrizitätsbehörde gab an, dass zusätzliche 430 Megawatt grüner Energie produziert wurden, die das Gesamtvolumen auf 1450 Megawatt erhöhen (das sind derzeit 4,15 Prozent der gesamten Stromerzeugung landesweit). Dazu trugen 600 Solaranlagen auf Dächern und 40 neue Sonnenfarmen bei.

beschränkungen In Israel gibt es rund 1800 Sonnenstunden pro Jahr. Doch eine der größten Schwierigkeiten ist der Mangel an Platz für die großen Anlagen sowie Beschränkungen zum Beispiel durch militärische Anlagen. »Das Land ist klein«, erläutert Nurit Felter von der Abteilung Solarenergie bei der Behörde. »Es gibt nicht mehr viel offenes Gelände, auf dem man Solaranlagen bauen könnte. Aber dafür gibt es viele Dächer mit hervorragendem Zugang zu Sonne und Hitze.«

Die Behörde geht davon aus, dass bis Ende 2019 fast 7,5 Prozent umweltfreundlich produziert werden. Die Solaranlagen auf Dächern wurden im Rahmen des Programms »Moneh netto« (Netto-Einkommen) installiert, das es Geschäfts- und Privatleuten erlaubt, Strom für den eigenen Verbrauch zu produzieren und überflüssige Energie an die E-Werke zu verkaufen.

»Die ganze Welt bewegt sich in Richtung saubere und dezentralisierte Energie«, so der Vorsitzende Asaf Eilat. »Wir sehen derzeit eine riesige Triebkraft für Solar- und Windfarmen sowie Sonnenkollektoren auf Dächern. Wir glauben, dass erneuerbare Energie eine bedeutende Rolle spielen wird, und bereiten uns bestens darauf vor.«

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