Israel–Iran

Sohn von Ex-Schah trifft Top-Politiker

Reza Pahlavi mit Ministerin Gila Gamliel in Yad Vashem Foto: Flash90

Er musste schlucken und kurz innehalten, als er davon erzählte, wie »überwältigend er von den Israelis aufgenommen wurde«. Reza Pahlavi, Sohn des Ex-Schahs im Iran, tourt derzeit durch Israel – von Yad Vashem über die Kotel in Jerusalem bis ins Trauerzelt der Familie Dee. Auf seiner Reise traf er auch mit den Top-Politikern des Landes zusammen: Premierminister Benjamin Netanjahu und Präsident Isaac Herzog.

Der älteste Sohn des iranischen Schahs, der 1979 nach der Islamischen Revolution ins Exil geschickt wurde, ist der selbst ernannte Leiter der iranischen Exilregierung und Gründer der Exil-Oppositionsvereinigung »National Council of Iran«. Es ist das erste Mal, dass eine derart prominente iranische Persönlichkeit nach Israel reist. Seit Langem setzt er sich für einen Regimewechsel in seinem Heimatland und die Demokratisierung ein. Er meint, die »Zeit dafür sei momentan sehr günstig«.

botschaft »Ich bin hergekommen, um den israelischen Bürgern diese Botschaft zu übermitteln«, sagte er in einem Fernseh-Interview, »die Iraner sind absolut bereit für eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel.« Pahlavi unterschied dabei zwischen der iranischen Öffentlichkeit und ihrer militant anti-israelischen Regierung. »Was das iranische Volk betrifft, so sind sie begeistert, sie sind glücklich, dass sie endlich in einem anderen Licht dargestellt werden. Wir sind keine Terroristen. Das Regime aber sehr wohl. Wir sind Freunde jeder Nation, die unsere Souveränität und unser Recht auf Freiheit und Demokratie respektiert.«

»Wir sind keine Terroristen. Das Regime aber sehr wohl.«

Reza Pahlavi

Am Montagabend hatten er und seine Frau Yasmine an der Zeremonie zum Jom Haschoa in der Holocaust-Gedenkstätte in Yad Vashem teilgenommen. »Es ist eine biblische Beziehung, die unsere beiden Länder über Jahrhunderte hatten. Und heute, wenn wir ein Regime haben, das den Holocaust leugnet, ist es meine Pflicht, hier zu sein und meine Landsleute zu vertreten, die Opfer des Holocaust zu ehren und ihnen meinen Respekt zu erweisen«, so Pahlavi im Anschluss.

AUSKUNFT Geheimdienstministerin Gila Gamliel (Likud) betreute die Visite der Pahlavis, gab jedoch keinerlei Auskunft darüber, worum sich die Gespräche zwischen Pahlavi und Netanjahu sowie Herzog drehten. Sie sagte auch nicht, wer den Besuch initiiert hatte.

Am Dienstag waren er und seine Frau in die Siedlung Efrat im Westjordanland gereist, um der Familie Dee ihr Beileid auszusprechen. Die Mutter Lucy sowie die zwei Töchter Maia und Rina waren durch einem palästinensischen Terroranschlag getötet worden. Rabbi Leo Dee dankte beiden für den Besuch, und der Iraner und seine Frau signierten ein Psalmenbuch für die Familie.

KOTEL Das Paar besuchte auch die Kotel. Die Bilder, wie Pahlavi mit Kippa auf dem Hinterkopf am höchsten Heiligtum der Juden steht, gingen um die Welt. Pahlavi und seine Frau sind Muslime, jedoch statteten sie der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom, nur wenige Schritte von der Klagemauer entfernt, keinen Besuch ab.

Die historische Visite findet zu einem Zeitpunkt statt, in dem israelische Experten und Politiker wachsende Besorgnis über die verstärkten Bemühungen des Iran äußern, Instabilität in und um Israel zu schaffen. Der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant warnte: »Der Iran führt einen Zermürbungskrieg an mehreren Fronten gegen uns.« Und Regierungschef Netanjahu unterstrich, dass der Iran für 90 Prozent der Probleme in Nahost verantwortlich sei.

Nachrichten

Geisel, Hamas, Charedim

Kurzmeldungen aus Israel

 22.07.2026

Jerusalem

Bericht: Kabinett billigte Maßnahmen gegen Siedlergewalt

Ministerpräsident Netanjahu bezeichnet die Gewalt extremistischer Siedler gegen Palästinenser als ein »metastasierendes Krebsgeschwür«

 22.07.2026

Medallienregen

Israelische Schüler holen 13 Medaillen bei internationalen Wissenschafts-Olympiaden

Besonders erfolgreich war das israelische Team bei der Internationalen Physik-Olympiade in Kolumbien

 22.07.2026

Jerusalem

Herzog warnt vor Gewalt im Wahlkampf: »Wahlen sind kein Bürgerkrieg«

Der Präsident appelliert an Politiker, Kandidaten und Wahlkampfhelfer aller Parteien, »rote Linien« nicht zu überschreiten

 22.07.2026

Beit Lid

Nach Festnahme eines Wehrdienst-Verweigerers: Tausende Haredim demonstrieren

Einzelne Teilnehmer versuchten, einen Zaun vor dem Gefängnis niederzureißen

 21.07.2026

Flugverkehr

Wegen des Krieges: Dutzende Flugausfälle pro Tag möglich

Die Amerikaner wollen weitere fliegende Tanker schicken. Die Konsequenzen: Tausende Passagiere pro Tag könnten ohne Flugverbindung dastehen

 21.07.2026

Photo by Al-Aqsa TV/UPI Photo via Newscom picture alliance

Gaza

Khalil al-Hayya wird neuer Hamas-Führer

Knapp zwei Jahre nach der Tötung ihres Anführers Yahya Sinwar durch die israelische Armee hat die radikalislamistische Hamas mit Khalil al-Hayya offenbar einen neuen Chef

 20.07.2026

Tel Aviv

Zamir warnt Iran vor Angriffen auf Israel

»Wir werden mit großer Stärke gegen jeden vorgehen, der uns schadet«, sagt der Generalstabschef, nachdem Trümmer einer iranischen Rakete auf Israel niedergegangen sind

 20.07.2026

Protest

Minister und Aktivisten demonstrieren für Wiederaufbau von Siedlungen in Gaza

Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir setzt sich seit Jahren für israelische Siedlungen im gesamten Gazastreifen ein. Premier Netanjahu lehnt das ab

 20.07.2026