Israel

Skandale und Schadensbegrenzung

Israels Premier Benjamin Netanjahu (l.) bei seinem Besuch im Weißen Haus im Februar 2017 Foto: dpa

In Jerusalem rauft man sich die Haare. Natürlich will man vor dem Besuch von US-Präsident Donald Trump positiv und hoffnungsfroh sein, doch es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Skandal in Washington ans Licht kommt. Und die Auswirkungen sind jetzt sogar bis nach Nahost zu spüren. Offenbar hat Amerikas Präsident Top-Secret-Informationen an Russland weitergegeben. Und der Informant war niemand anderes als Israel.

Über die geheimdienstliche Plauderei hatte zunächst die »Washington Post« berichtet, die »New York Times« bestätigte am Dienstag, dass die betreffenden Infos aus Jerusalem stammten. Es soll sich dabei um Einzelheiten zu geplanten Terrorattacken mit Laptops in Flugzeugen handeln, die die Extremistenvereinigung Islamischer Staat verüben wolle.

medien Trump brüstete sich nach Angaben der amerikanischen Medien beim Treffen mit den Russen damit, »die besten Geheimdienstinformationen« zu haben und übermittelte dann Einzelheiten an den russischen Außenminister Sergey Lavrov und den Botschafter in Washington, Sergey Kislyak.

Der Sender ABC berichtete nun, dass dadurch das Leben des Spions, der den Islamischen Staat auf israelische Anweisung infiltriert haben soll, in Gefahr sein könne. Angeblich habe Israel vorher darauf gedrängt, mit diesem Wissen besonders vorsichtig umzugehen. Russland mischt im Bürgerkrieg in Syrien mit, einem Nachbarstaat von Israel, in dem der Islamische Staat aktiv ist, und gilt zudem als Verbündeter des Regimes in Teheran. Die Regierung in Israel sieht den Iran als größte Bedrohung des jüdischen Staates an.

Und obwohl israelische Politiker beteuern, dass die amerikanisch-israelischen Beziehungen trotzdem unantastbar und stark wie nie zuvor seien, schwebt eine dunkle Wolke über dem Besuch von US-Präsident Trump. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman twitterte am Mittwochmorgen: »Die Sicherheitsbeziehungen zwischen Israel und seinem größten Verbündeten, den USA, sind tiefgehend, bedeutsam und in ihrem Umfang in Bezug auf unsere eigene Stärke beispiellos. So war es und so wird es bleiben.« Auch Ron Dermer, der israelische Gesandte in den USA, machte deutlich: »Israel hat vollstes Vertrauen in die geheimdienstliche Verbindung zu den USA und freut sich darauf, dies in den nächsten Jahren unter Präsident Trump noch zu vertiefen.«

befürchtungen Hinter den Kulissen aber sorgt man sich. Die Nachrichten-Site BuzzFeedNews berichtete, ein israelischer Geheimdienstoffizier habe gesagt, dass sich damit Israels schlimmste Befürchtungen bestätigten.

Vor dem jüngsten Skandal hatte sich das Team um Donald Trump bereits einen anderen groben Schnitzer geleistet. Trump will nach Angaben aus dem Weißen Haus als erster amtierender US-Präsident das höchste Heiligtum des Judentums, die Kotel, besuchen.

Als das Büro des Premierministers vorschlug, dass Netanjahu ihn begleite, kommentierte ein Berater des US-Präsidenten wütend, dass dies nicht infrage komme, denn die Kotel liege gar nicht auf israelischem Gebiet, sondern sei Teil des Westjordanlandes. In Israel war man schockiert. Die UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley, versuchte sich anschließend in Schadensbegrenzung und erklärte, sie wissen zwar nicht, was der offizielle Stand der amerikanischen Verwaltung zu diesem Thema sei, »aber ich glaube, die Mauer ist ein Teil von Israel«.

Politik

Superstar der Linken

Naama Lazimi, israelische Abgeordnete der Demokraten, wird vom TIME Magazin als eine der aufstrebenden Persönlichkeiten der Welt gewürdigt

von Sabine Brandes  01.10.2026

Jerusalem

Herzog will »Fly Dubai«-Helfer für Zivilcourage auszeichnen

Vier israelische Passagiere verhinderten auf einem Flydubai-Flug nach Tel Aviv durch ihr beherztes Eingreifen eine Katastrophe. Der Präsident will sie nun für ihren Mut ehren

 01.10.2026

Terrorismus

Hamas-Leibwächter plante Anschläge in Deutschland und Österreich

Der Palästinenser erhielt Asyl und Staatsbürgerschaft in Großbritannien. Er hatte jüdische und israelische Ziele im Visier

von Sabine Brandes  01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026

Der Lehrer einer Kunstschule in Mumbai ehrt Smit Machchhar mit einem Bild

Der unbekannte Held

Schwer verletzt half der indische Pilot Smit Machchhar auf dem verhängnisvollen Flydubai-Flug, die Menschen an Bord vor dem Absturz zu retten

von Sabine Brandes  01.10.2026

Krieg

»Verzerrt, irreführend und unredlich«

Das israelische Militär hat in einer ausführlichen Erklärung auf die anonym erhobenen Vorwürfe des Films »NAZA« reagiert

 01.10.2026

Nachrichten

Klaviere, Dichter, Dienstleistung

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  01.10.2026

Westjordanland

Herzog: Politik tut nicht genug gegen Gewalt israelischer Siedler

Israels Staatspräsident Isaac Herzog hat die Regierung aufgefordert, das Problem entschlossener zu bekämpfen

 01.10.2026

Terror

Netanjahu würdigt angegriffenen Piloten: »Ein wahrer Held«

Die israelischen Fluggäste von Dubai nach Tel Aviv sind nur knapp einer Katastrophe entronnen. Israel spricht von einem versuchten Terroranschlag. Nun werden immer mehr Details darüber bekannt, was sich im Cockpit abspielte

 01.10.2026