Israel

Reservisten wegen Schmuggels in den Gazastreifen angeklagt

Über den Grenzübergang Kerem Schalom fahren täglich Hundete Lastwagen mit Hilfsgütern nach Gaza Foto: picture alliance / newscom

Die israelische Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch Anklage gegen zwölf Verdächtige erhoben, darunter mehrere Reservisten der israelischen Armee (IDF). Ihnen wird vorgeworfen, Teil eines organisierten Schmugglerrings gewesen zu sein, der während des Krieges Waren in den Gazastreifen gebracht haben soll.

Die Anklagen wurden beim Bezirksgericht Be’er Scheva eingereicht und umfassen unter anderem die Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten, Terrorfinanzierung, Betrug und Bestechung. Nach Angaben des Gerichts agierten die Beschuldigten »systematisch und raffiniert«, indem sie Schwachstellen an Übergängen sowie militärische Aktivitäten ausnutzten und den Schmuggel als legitime sicherheitsrelevante Einsätze tarnten.

Bruder von Shin-Bet-Chef soll im Zentrum des Schmugglerrings stehen

Zu den mutmaßlich geschmuggelten Gütern zählen Zigaretten, iPhones, Batterien, Telekommunikationskabel, Autoteile und medizinische Ausrüstung im Gesamtwert von mehreren Millionen Schekel. Ein Teil der Waren gilt als sogenanntes »Dual-Use«-Material, das auch für militärische Zwecke, etwa von Terroristen der Hamas, genutzt werden kann.

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein Netzwerk, das mit Bezalel Zini in Verbindung gebracht wird, dem Bruder des Shin-Bet-Chefs David Zini. Er soll seine Tätigkeit als IDF-Reservist im Gazastreifen genutzt haben, um insbesondere Zigaretten einzuschleusen. Zini soll laut Staatsanwaltschaft aufgrund seiner Funktion als Kommandeur eines Ingenieurteams der Gaza-Division befugt gewesen sein, Fahrzeugkonvois in den Küstenstreifen zu bringen. Seine Anklage wird für Donnerstag erwartet.

Mindestens zehn Millionen Schekel Gewinn

Das Gericht listet insgesamt 15 Schmuggelversuche zwischen August und Dezember 2025 auf, von denen die meisten erfolgreich gewesen sein sollen. Allein im August und September seien 26 Lieferungen von Zigaretten mit einem Wert von rund 3,9 Millionen Schekel erfolgt (rund 1 Mio. Euro). Die Brüder Eliran und Avi Elgrably sollen daraus mindestens 6,8 Millionen Schekel (1,86 Mio. Euro) Gewinn erzielt haben, ein weiterer Hauptverdächtiger, Imad al-Din Abu Mukh, mindestens drei Millionen.

Ein Schmuggelversuch am 19. Dezember 2025 wurde nach Angaben des Gerichts von IDF-Truppen vereitelt. Ein Fahrzeug mit Batterien, Mobiltelefonen, Kochgeräten, Gasbrennern und Zigaretten wurde innerhalb des Gazastreifens gestoppt, vier uniformierte Reservisten festgenommen. Weitere Beteiligte wurden noch am selben Tag verhaftet.

Laut Gericht bot ein Beschuldigter zudem Bestechungsgelder an zwei Reservisten an, darunter Zini. Beide sollen jeweils 15.000 Schekel angenommen haben, um Waren mit einem Militärfahrzeug nach Gaza zu transportieren.

Shin Bet: Schmuggel ist »erhebliche Bedrohung für die Sicherheit des Staates Israels«

Der Inlandsgeheimdienst Shin Bet warnte, Schmuggel stelle »eine erhebliche Bedrohung für die Sicherheit des Staates Israel« dar. Er unterstütze die wirtschaftliche und administrative Stabilisierung der Hamas und könne zudem als Grundlage für weitere militärische Angriffe dienen. Die Organisation betonte, Hamas nutze insbesondere Einnahmen aus illegal eingeführten Waren, um ihre Herrschaft im Gazastreifen aufrechtzuerhalten.

Israel hat während des Krieges die Einfuhr von Zigaretten und Tabakprodukten nach Gaza verboten. Laut Staatsanwaltschaft zählen diese zu den wichtigsten Schmuggelgütern: Sie hätten Hamas seit Kriegsbeginn »Hunderte Millionen Schekel« eingebracht und damit zur finanziellen Überlebensfähigkeit der Terrororganisation beigetragen.

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