Nahost

Reaktion auf Beschuss von Schiffen: USA greifen Ziele im Iran an und verschärfen Sanktionen

Ein Kampfjet vom Typ EA-18G Growler landet auf dem im Nahen Osten stationierten Flugzeugträger USS Abraham Lincoln. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Die USA haben in der Nacht nach eigenen Angaben umfangreiche Militärschläge gegen Ziele im Iran durchgeführt. Hintergrund seien iranische Angriffe auf drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus gewesen, hieß es. Parallel dazu hob Washington eine Sondergenehmigung auf, die dem Iran den legalen Verkauf von Rohöl auf dem Weltmarkt ermöglicht hatte. Beide Maßnahmen dürften die Spannungen im Nahen Osten erneut verschärfen.

Nach Angaben des US-Zentralkommandos richteten sich die Angriffe gegen Luftabwehrstellungen, Radaranlagen, Kommando- und Kontrollstrukturen, Küstenraketen sowie mehr als 60 Schnellboote der iranischen Revolutionsgarden. Diese würden seit Beginn des Konflikts immer wieder eingesetzt, um die Schifffahrt in der strategisch wichtigen Meerenge zu bedrohen.

Das US-Militär erklärte, die Einsätze seien eine Reaktion auf Angriffe gegen zivile Handelsschiffe in internationalen Gewässern gewesen. In einer Mitteilung hieß es: »Die Streitkräfte des US-Zentralkommandos haben eine Reihe kraftvoller Angriffe gegen den Iran begonnen, um einen hohen Preis für die Angriffe auf Handelsschiffe zu verhängen, die von unschuldigen Zivilisten in einer internationalen Wasserstraße bemannt werden.« Später teilte das Kommando mit, die Operation sei abgeschlossen.

»Direkte Folge«

US-Regierungsvertreter betonten gegenüber amerikanischen Medien, der Einsatz sei ausschließlich als Vergeltung für die iranischen Attacken auf die Schifffahrt erfolgt. Ein Vertreter erklärte: »Diese Reaktion ist die direkte Folge internationaler Terrorakte, die der Iran gegen unschuldige Schiffe in der Straße von Hormus verübt hat.«

Nach iranischen Angaben waren in Bandar Abbas, Qeschm und Sirik Explosionen zu hören. Über das Ausmaß möglicher Schäden oder Opfer machte das Teheraner Mullah-Regime zunächst keine Angaben. Die iranische Militärführung kündigte jedoch eine entschlossene Antwort an und erklärte, man werde »unter keinen Umständen« zulassen, dass andere Staaten die Kontrolle über die Straße von Hormus übernähmen.

Auslöser der neuen Eskalation waren Angriffe auf drei zivile Schiffe. Nach Angaben britischer Behörden geriet ein Tanker vor der Küste Omans nach einem Treffer in Brand. Zwei weitere Schiffe wurden beschädigt, konnten ihre Fahrt jedoch fortsetzen. Verletzte habe es dort nicht gegeben.

Vorgeschriebene Route

Der Iran beansprucht seit Beginn des Krieges eine weitgehende Kontrolle über die Schifffahrt in der Straße von Hormus. Teheran verlangt, dass Schiffe ausschließlich eine von ihm vorgeschriebene Route nutzen. Die USA sowie mehrere Golfstaaten lehnen dies ab und weisen auch Forderungen nach Transitgebühren zurück.

Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters wurde die Entscheidung, dem Iran auch die bisher geltende Ausnahmegenehmigung für den Verkauf von Rohöl zu entziehen, unmittelbar wegen der Angriffe auf die Schifffahrt getroffen. Das Finanzministerium ordnete an, laufende Geschäfte bis zum 17. Juli abzuwickeln. Ursprünglich hätte die Ausnahmeregelung noch bis Ende August gegolten.

Die Entwicklung wirkte sich umgehend auf die Energiemärkte aus. Der Ölpreis stieg innerhalb kurzer Zeit um rund sechs Prozent.

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Dauerhafte Regelung

Die jüngste Eskalation belastet auch die laufenden diplomatischen Bemühungen zwischen Washington und Teheran. Beide Seiten hatten sich im Juni auf eine 60-tägige Übergangsvereinbarung verständigt, um über eine dauerhafte Regelung zu verhandeln. Zu den schwierigsten Themen zählen das iranische Atomprogramm, die Bestände an angereichertem Uran sowie die Zukunft der Schifffahrt in der Straße von Hormus.

Der iranische Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi bezeichnete sowohl die Aufhebung der Ölausnahme als auch die Luftangriffe als Bruch der Vereinbarung. Der Iran werde »entschlossene Maßnahmen« zum Schutz seiner nationalen Interessen und seiner Sicherheit ergreifen, erklärte er.

Die neuen Militärschläge fallen in die mehrtägigen Trauerfeierlichkeiten für den bei einem Luftangriff getöteten früheren iranischen Revolutionsführer Ali Chamenei. Sein Leichnam wurde zuletzt in der religiösen Stadt Ghom aufgebahrt und anschließend in den Irak überführt, wo weitere Zeremonien in Nadschaf und Kerbela geplant sind. Morgen soll Chamenei schließlich in Maschhad beigesetzt werden.

Neue Angriffswelle

Beobachter hatten erwartet, dass die Trauerfeiern vorübergehend zu einer Beruhigung der Lage führen würden. Das Gegenteil ist nun eingetreten. Laut einem Bericht des iranischen Senders IRIB startete das iranische Regime am Morgen Angriffe auf 85 amerikanische Militärstandorte in Bahrain und Kuwait. Eine Bestätigung dafür liegt nicht vor. Fraglich ist, ob die Vereinigten Staaten überhaupt so viele Stützpunkte in den beiden Ländern haben.

Am Vormittag kamen neue Meldungen über iranische Angriffe hinzu: Wie der staatliche Rundfunk am Vormittag (Ortszeit) berichtete, ist eine neue Welle an Raketen auf Bahrain erfolgt. Dort hieß es, die Flugabwehr habe auf mehrere iranische Angriffe reagiert.

Irans Aggression sei zerstört worden, teilte Nabil al-Ahmar mit, ein Berater am Königshof des Golfstaats. Nach seinen Angaben ertönten im Land seit dem frühen Morgen viermal die Warnsirenen. Einwohner wurden aufgerufen, ruhig zu bleiben und sich in Sicherheit zu bringen, wie das Innenministerium in dem Golfstaat auf X schrieb. im (mit dpa)

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