Erfolg

Priviligierte Partnerschaft

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (l.) begrüßte den indischen Außenminister Somanahalli Mallaiah Krishna Mitte Januar in Jerusalem. Foto: Flash 90

Indien ist für israelische Diplomaten wohl der einsamste Posten auf der Welt.» So kommentierte die New York Times 1974 das Verhältnis zwischen Jerusalem und Neu-Delhi. Damals bestand Israels Repräsentanz auf dem Subkontinent nur aus einem winzigen Büro für auswanderungswillige indische Juden.

Und obwohl beide Länder aus der Konkursmasse des britischen Empire stammen und nur wenige Monate nacheinander in die Unabhängigkeit entlassen wurden, konnte man über Jahrzehnte hinweg kaum von einem herzlichen Verhältnis sprechen. So stimmte Indien 1947 gegen die Teilung Palästinas, gegen die Aufnahme Israels in die UNO und stand als Führungsmacht der Bewegung der blockfreien Nationen regelmäßig auf Seiten der Feinde Israels.

Doch nach 1989 wurden die Karten neu gemischt: Der islamistische Terror, die Reibereien mit Pakistan sowie der Zusammenbruch der Sowjetunion waren Gründe, warum Neu-Delhi sich außenpolitisch am Westen zu orientieren begann. Zudem hatte Israel 1962, 1965 und 1971 Indien bei seinen militärischen Auseinandersetzungen mit China und Pakistan aller unfreundlichen Rhetorik zum Trotz bereits diskret mit Waffen unterstützt.

«Die Entscheidung des indischen Premiers P.V. Narasimha Rao, mit Israel endlich volle und normale diplomatische Beziehungen aufzunehmen, war daher auch Ausdruck der Wertschätzung der bestehenden sicherheitspolitischen Kooperation», erklärt P.R. Kumaraswamy, Israel-Experte an der Universität Neu-Delhi.

Terror Am 29. Januar 1992 war es dann so weit. In Tel Aviv und Neu-Delhi wurden feierlich die Botschaften eröffnet. «Indien ist heute nach den USA unser zweitwichtigster Partner», erklärte kürzlich Israels Finanzminister Juval Steinitz bei seinem Besuch in Neu-Delhi. Betrug das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern vor 20 Jahren gerade einmal 200 Millionen Dollar, waren es 2011 bereits mehr als fünf Milliarden – Militärgüter nicht mitgerechnet. Dieses Jahr soll zudem ein Freihandelsabkommen unter Dach und Fach gebracht werden. Experten rechnen mit einem Anstieg des Handels auf satte 15 Milliarden Dollar.

Ferner ist Indien heute Israels größter Abnehmer von Rüstungsgütern. Umgekehrt ist der jüdische Staat nach Russland der zweitwichtigste Lieferant für die indische Armee. Mittlerweile werden Waffensysteme gemeinsam entwickelt, etwa die neue Generation der Luftabwehrrakete Barak unter der Ägide von Indiens Defense Research and Development Organisation (DRDO) und Israel Aerospace Industries (IAI). Zudem haben die USA keine Bedenken, wenn israelische Waffen-Hightech Richtung indischer Subkontinent exportiert wird. Während Washington dem geplanten Verkauf des Phalcon-Radarfrühwarnsystems an China einen Strich durch die Rechnung machte, gab es bei der Weitergabe an Indien keine Probleme.

Schließlich liegen alle drei Länder in wichtigen außenpolitischen Fragen auf ähnlicher Wellenlänge, sodass Sicherheitsexperten und Politiker bereits von einer strategischen Partnerschaft sprechen. «Die USA, Indien und Israel sind schließlich die drei Hauptziele des Terrorismus», brachte Brajesh Mishra, Sicherheitsberater der indischen Regierung, die gemeinsame Interessenlage auf den Punkt. Auch votierte Neu-Delhi bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA jüngst gegen die nuklearen Ambitionen des Iran.

Goa Eine andere Folge der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen: Rund 50.000 junge Israelis reisen jedes Jahr nach Indien und zeigen sich dabei sehr experimentierfreudig, wenn es um Drogen geht. Über viele Jahre betrieben die Anti-Drogen-Behörden beider Länder gemeinsam das Beit Cham, eine Anlaufstelle in Goa und Manali für all die Israelis, denen der letzte Trip nicht gut bekommen war. Nach Querelen mit den indischen Behörden mussten beide Häuser kürzlich geschlossen werden.

Die Empörung in Israel über diesen Schritt war gewaltig. Doch als Indiens Premier Manmohan Singh auf der letzten UNO-Generalversammlung den Wunsch der Palästinenser nach einem eigenen Staat unterstützte, regte sich niemand auf. Denn Jerusalem weiß ganz genau: Die israelisch-indische Sicherheitspartnerschaft hat in Neu-Delhi einen weitaus höheren Stellenwert als die Beschwichtigung der arabischen Welt. Denn die stand im Kaschmir-Konflikt immer auf Seiten Pakistans, egal wie israelkritisch sich Indiens Regierung auch verhielt.

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