Jerusalem

Premiere für einen indischen Premier

Gemeinsame Pressekonferenz von Indiens Ministerpräsident Narendra Modi und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu in Jerusalem am 4. Juli Foto: Flash 90

Zum ersten Mal in der Geschichte Israels ist ein indischer Premierminister zu Gast: Narendra Modi landete am Dienstagnachmittag zu einem dreitägigen Besuch auf dem Ben-Gurion-Flughafen. Die beiden Länder wollen die seit 25 Jahren bestehenden diplomatischen Beziehungen feiern.

»Wir haben eine lange Zeit auf Sie gewartet«, sagte der israelische Regierungschef noch auf dem Flughafen, nannte Modi einen Freund und erwiderte die Umarmung des Gastes herzlich. »Dies ist ein wahrhaft historischer Besuch, und wir heißen Sie mit offenen Armen willkommen. Wir lieben Indien, bewundern Ihre Kultur, Geschichte, Demokratie und Ihr Engagement für den Fortschritt.«

Tadasana Netanjahu demonstrierte sogar Yoga-Kenntnisse, um seinen Besucher zu beeindrucken. »Wenn ich am Morgen eine entspannende Tadasana-Haltung einnehme und meinen Kopf nach rechts drehe, ist Indien die nächste Demokratie, die ich sehe.« Modi, ein großer Fan der Körper- und Atemübungen hatte vor seiner Abreise vor Reportern scherzhaft erklärt: »Vielleicht würde etwas mehr Yoga dem Nahen Osten guttun.«

Netanjahu und Modi hatten bei einem Treffen in den Vereinten Nationen vor drei Jahren beschlossen, die bestehenden Differenzen – vorwiegend wegen des Konfliktes zwischen Israel und den Palästinensern – ad acta zu legen und eine freundschaftliche Verbindung zu pflegen. Der aktuelle Besuch soll sich vorwiegend um zivile Bereiche drehen: Wasser, Landwirtschaft, Innovation, Cybersicherheit und Raumfahrt. Doch auch der islamistische Terror soll diskutiert werden, kündigten beide vor dem gemeinsamen Abendessen am Dienstag an.

Anders als die meisten Staatsoberhäupter legt Modi keinen Stopp in den Palästinensergebieten ein. Der indische Botschafter in Israel, Pavan Kapoor, sagte vor der Visite dazu, dass die Regierung in Delhi dies bewusst entschieden habe: »Durch unser Selbstbewusstsein können wir mit beiden Verbindungen separat umgehen. Wir sehen nicht die Notwendigkeit, sie zusammenzufügen.« Indien sei sowohl mit Israel als auch mit den Palästinensern befreundet und pflegt Freundschaften mit arabischen Staaten.

Der Besuch umfasst neben dem Treffen mit Netanjahu auch ein Gespräch mit Staatspräsident Reuven Rivlin, Oppositionsführer Isaac Herzog und Vertretern der jüdischen Gemeinde, die aus Indien stammen. Außerdem besuchte Modi bereits die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und das Grab von Theodor Herzl.

Waffensysteme
Indische Medien berichteten vorab, dass Modi ein Abkommen unterzeichnen wird, das den Kauf verschiedener Waffensysteme von Israel besiegelt. Delhi gilt als einer der größten Kunden israelischer Waffenhersteller. Bei ihrem ersten Treffen habe Modi gesagt: »Nur der Himmel ist die Grenze für unsere Partnerschaft«, erinnerte sich Netanjahu und fügte hinzu: »Doch noch nicht einmal der Himmel ist unsere Grenze, denn wir arbeiten auch im Bereich der Raumfahrt zusammen. Damit werden wir ganz neue Höhen erreichen.«

Direkt nach dem Flughafen ging es für die Staatsmänner zur Danziger Blumenfarm in Mischmar HaSchiwa. Statt über Waffenkäufe sprachen die beiden über Pflanzenzucht und landwirtschaftliche Forschung. Im Anschluss an den Besuch benannte die Farm weiße Chrysanthemen nach den Politikern.

Jerusalem

Netanjahu äußert bei Witkoff Zweifel an diplomatischer Lösung

Der Ministerpräsident macht klar, dass das Teheraner Regime aus israelischer Sicht kein verlässlicher Verhandlungspartner sei

 04.02.2026

Gaza

Hamas greift israelische Soldaten an, Reservist schwer verletzt

Das Militär spricht von einem gezielten Angriff und einem schweren Bruch der bestehenden Waffenruhe

 04.02.2026

Diplomatie

Jens Spahn reist nach Israel

Der Unions-Fraktionschef wird am Mittwoch unter anderem Gespräche in der Knesset führen

 03.02.2026

Sport

Warum der israelische Fußballspieler Tay Abed ein Millionenangebot der VAE ausgeschlagen hat

Tay Abed: »Keine Summe kann mich dazu bringen, meine israelische Identität aufzugeben.«

 03.02.2026

Nahost

Gaza: IDF entdecken Waffen zwischen Hilfsgütern der UNRWA

Nach Angaben der Streitkräfte handelt es sich um einen umfangreichen Fund von rund 110 Mörsergranaten sowie Raketen

 03.02.2026

Nahost

Israel und USA halten gemeinsam Marinemanöver ab

Im Roten Meer trainieren US- und israelische Seestreitkräfte gemeinsam – vor dem Hintergrund wachsender Spannungen mit dem Iran. Beide Seiten sprechen von einer Routineübung

 03.02.2026

Tel Aviv

Geheimes Hamas-Papier: Kontrolle über Gazas Verwaltung soll trotz neuer Struktur erhalten bleiben

Die palästinensische Terrororganisation will ihren Einfluss sichern, ohne bei der neuen Verwaltung Verdacht zu erregen

 03.02.2026

Geiseln

»Wie bitte - es gab keine Dringlichkeit?«

Ehemalige Verschleppte und Angehörige fordern den Rücktritt des Koordinators Gal Hirsch nach Interviews zu Befreiungskundgebungen

von Sabine Brandes  02.02.2026

Gaza

Grenzübergang Rafah teils für Personenverkehr geöffnet

Der Übergang ist das Nadelöhr für all diejenigen, die das Kriegsgebiet verlassen wollen. Jetzt sollen einige Palästinenser nach Prüfung durch Israels Geheimdienst wieder aus- und einreisen können

 02.02.2026