Israel

Peretz oder Herzog?

Isaac Herzog oder Miriam Peretz: Wer wird der nächste israelische Präsident? Foto: Flash 90

Während intensiver Koalitionsverhandlungen ist Israels Parlament am Mittwoch für die Wahl eines neuen Staatsoberhauptes zusammengekommen. Bei der Präsidentenwahl tritt der frühere Oppositionsführer Isaac Herzog (60) gegen die Lehrerin und Aktivistin Miriam Peretz (67) an. Der oder die Siegerin übernimmt am 9. Juli das Amt des bisherigen Präsidenten Reuven Rivlin.

Die Wahl geschieht kurz vor einer erwarteten Ablösung des langjährigen rechtskonservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu durch das Lager seiner Gegner. Netanjahu hat sich hinter keinen Kandidaten gestellt, in seiner Likud-Partei gilt auch kein Fraktionszwang bei der Abstimmung.

Der Präsident hat in Israel eine vor allem repräsentative Funktion. Die wichtigsten Aufgaben sind die Begnadigung von Häftlingen und die Erteilung eines Auftrags zur Regierungsbildung. Er wird alle sieben Jahre in einer geheimen Abstimmung vom Parlament bestimmt. Für einen Sieg ist eine Mehrheit von mindestens 61 der 120 Abgeordneten notwendig.

Israelische Medien strichen vor der Wahl die großen Unterschiede zwischen den Kandidaten hervor: Der als Favorit geltende Herzog ist Mann, Repräsentant der aus Europa stammenden Elite und säkular. Peretz dagegen ist eine Frau aus einfachen Verhältnissen, religiös und Galionsfigur orientalischstämmiger Juden in Israel.

Isaac Herzog entstammt einer Politikerdynastie. Sein Vater Chaim Herzog war Israels Staatspräsident, sein Onkel der legendäre frühere Außenminister Abba Eban. Sein Großvater war noch vor der Staatsgründung 1948 Chefrabbiner. Herzog war 2003 als Abgeordneter der Arbeitspartei erstmals in die Knesset eingezogen, später übernahm er mehrere Ministerämter.

Seit 2013 führte der Vater dreier Kinder die Arbeitspartei. 2015 unterlag er bei einer Parlamentswahl als Gegenkandidat Netanjahus für das Amt des Ministerpräsidenten. 2018 wurde er Vorsitzender der Hilfsorganisation Jewish Agency, die unter anderem für Einwanderung nach Israel zuständig ist.

Miriam Peretz wurde in Casablanca in Marokko geboren, ihre Familie wanderte nach Israel aus, als sie ein Kind war. Damals kam sie zunächst in ein Einwandererlager nahe der Wüstenstadt Beerscheva. Nach einem Studium der Erziehungswissenschaften folgte sie ihrem Mann in eine Siedlung auf der damals noch von Israel besetzten Sinai-Halbinsel. Heute lebt die Witwe in einer israelischen Siedlung im Westjordanland.

Peretz hat sechs Kinder aufgezogen, zwei ihrer Söhne sind bei kriegerischen Auseinandersetzungen ums Leben gekommen. Sie gilt als sehr volksnah und wird von vielen Israelis für ihren entschlossenen Umgang mit ihrem Schicksal respektiert. 2018 hatte sie für »die Stärkung des jüdischen Geistes« den Israel-Preis erhalten, die höchste Auszeichnung des Landes.

Jerusalem

Herzog im saudischen Fernsehen: »Mein Traum ist Frieden mit Saudi-Arabien«

Der israelische Präsident äußert sich auch zu den Themen Iran, Syrien, Libanon und Gaza: »Mein Herz schmerzt um jeden unschuldigen palästinensischen Zivilisten, der getötet wird.«

 17.07.2026

Jerusalem

Knesset verabschiedet umstrittene Medienreform – Opposition zieht vor Gericht

Das Gesetz erweitert den Einfluss der Regierung auf den Nachrichtenmarkt erheblich. Nach der Verabschiedung reichten mehrere Organisationen und Oppositionsparteien Klagen beim Obersten Gerichtshof ein

 17.07.2026

Neue Umfrage

Netanjahus Koalition stürzt auf 48 Sitze ab – Opposition kommt auf 62

In Israel zeichnet sich nur gut drei Monate vor der Wahl ein deutlicher Stimmungsumschwung ab

 17.07.2026

Jerusalem

Netanjahu verschiebt USA-Reise wegen Lindsey Grahams Beerdigung

Ursprünglich hatte der israelische Ministerpräsident morgen abfliegen und bis Dienstag in den USA bleiben wollen

 17.07.2026

Essay

Der Flüchtlingsstatus der Palästinenser muss endlich enden

Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  16.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Herkunft und Sympathien der Spielerikone kursieren, erzählen die Söhne eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine andere, besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  16.07.2026 Aktualisiert

Italien

Wenn Anne Frank und Primo Levi mit »Nazis« beschmiert werden

Erneut antisemitischer Vandalismus gegen ein Holocaust-Gedenkgemälde in Mailand

 16.07.2026

Israel

Knesset beschließt Ausweitung geschlechtergetrennter Studiengänge

In Zukunft sollen auch Master- und Promotionsstudiengänge getrennt für Frauen und Männer ermöglicht werden

 16.07.2026

Washington D.C.

Künftige kolumbianische Regierung will Botschaft nach Jerusalem verlegen

Damit gibt es bald neun diplomatische Vertretungen in der israelischen Hauptstadt

 16.07.2026