Waffenstillstand und Geiselbefreiung

»Papa ist endlich zu Hause«

Ermordet: Ronen Engel (hier mit seiner Frau Karina) Foto: Sabine Brandes

Waffenstillstand und Geiselbefreiung

»Papa ist endlich zu Hause«

Die beiden toten Geiseln Ronen Engel und Sonthaya Oakkharasri wurden in der Nacht nach Israel überführt

von Sabine Brandes  19.10.2025 12:45 Uhr

Zwei weitere Geiseln sind nach Israel zurückgekehrt: der Israeli Ronen Engel und der Thailänder Sonthaya Oakkharasri. Beide Männer seien am 7. Oktober 2023 von Terroristen der Hamas ermordet und mehr als zwei Jahre im Gazastreifen festgehalten worden, gaben israelische Sicherheitskräfte an.

Nachdem die Identität des 54-Jährigen bestätigt worden war, schrieb seine Tochter Mika Engel auf Instagram: »Papa ist endlich zu Hause«. Kurz zuvor hatte das Büro des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu bestätigt, dass die sterblichen Überreste von Engel, einem Fotografen und freiwilligen Sanitäter aus dem Kibbuz Nir Oz, in der Nacht aus Gaza überführt wurden.

Es sei nicht das, was die Familie erhofft und gewünscht hatte, doch »er ist jetzt hier«, so die junge Frau weiter. »Unsere Gedanken sind bei den Familien der Verschleppten, und wir werden nicht ruhen, bis die letzte getötete Geisel nach Hause zurückgekehrt ist.« Das Forum der Familien von Geiseln erklärte am selben Tag, es stehe der Familie Engel bei und nannte die Rückkehr »eine Form der Erleichterung für eine Familie, die über zwei Jahre lang in quälender Ungewissheit und Zweifel lebte«.

Ehefrau und Töchter kamen im November 2023 frei

Engel wurde während des verheerenden Hamas-Angriffs auf Südisrael am 7. Oktober 2023 getötet. Seine Frau Karina und ihre Töchter Mika und Yuval wurden von der palästinensischen Terrororganisation als Geiseln genommen. Nach über 50 Tagen kamen die drei im Rahmen des ersten Waffenstillstands- und Geiselbefreiungsabkommens nach Hause zurück. Ihr Vater jedoch blieb zurück.

Behörden zufolge hatte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz am Samstagabend zwei Särge aus Gaza abgeholt und sie an die israelische Armee übergeben. Wie in früheren Fällen gab die militante palästinensische Organisation die Identität der Toten nicht bekannt. Nach einer ersten Untersuchung und militärischen Zeremonie unter der Leitung eines Rabbiners wurden die sterblichen Überreste zur forensischen Untersuchung geschickt, um Identität und Todesursache festzustellen.

Engel hinterlässt seine Frau Karina, die Töchter Mika und Yuval, seinen Sohn Tom, der am Tag des Angriffs nicht im Kibbuz war, und seinen Bruder Dani.

Familienforum: »Sonthayas Arbeitsvertrag in Israel endete, und er hatte bereits seine Rückkehr nach Thailand geplant.«

Er wurde in Tel Aviv geboren und wuchs dort auf. 2010 zog er nach Nir Oz und arbeitete als professioneller Fotojournalist, unter anderem für die Zeitungen Haaretz und Israel Hayom. In seiner Freizeit war er Motorradfahrer, baute Objekte aus Altmetall und restaurierte Möbel.

Außerdem war er leidenschaftlicher freiwilliger Sanitäter für Magen David Adom. Der Rettungsdienst schrieb: »Er stand kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Krankenwagenfahrer – eine Tätigkeit, die er als eine weitere Möglichkeit sah, anderen zu helfen.« Selbst in schwierigen Situationen habe er immer gelächelt und Menschen auf diese Weise beruhigt. Magen David Adom fügte hinzu, dass Engel am Morgen des 7. Oktobers das Haus mit seiner Rettungstasche verlassen hatte, in der Hoffnung, bei dem durch die Hamas Verletzten helfen zu können.

Am Sonntagmittag gab es zudem die Nachricht, dass es sich bei der zweiten Leiche um Sonthaya Oakkharasri handele. Der 30-Jährige war thailändischer Landarbeiter auf den Plantagen des Kibbuz Be’eri. Seine Familie wurde am 17. Mai 2024 über seinen Tod informiert – an dem Tag, der eigentlich sein 31 Geburtstag gewesen wäre.

Sonthaya Oakkharasri arbeitete acht Jahre in Israel

»Sonthaya war Vater einer siebenjährigen Tochter und träumte davon, nach Hause zurückzukehren. Er wollte in Thailand seine eigene Farm aufbauen«, gab das Familienforum an. »Acht Jahre lang war er als Landarbeiter in israelischen Kibbuzim beschäftigt, zunächst im Norden, später in Be’eri.«

»Er war ein ruhiger Mann, konzentrierte sich auf seine Arbeit, und hielt täglich Kontakt zu seiner Mutter Amorn und seiner kleinen Tochter Kaimook«, so die Gruppe. Doch dann brach der Horror über ihn herein. »Sein Arbeitsvertrag in Israel endete im Oktober 2023, und er hatte bereits seine Rückkehr in seine Heimat Thailand geplant.«

Bislang wurden seit Beginn des Waffenstillstands in der vergangenen Woche zwölf der verstorbenen Geiseln nach Israel überführt. 16 befinden sich noch im Gazastreifen. Angehörige und befreite Geiseln haben am Samstagabend auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv für ihre Freilassung demonstriert und klargemacht: »Wir geben nicht auf – bis zur letzten Geisel.«

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