Israel

Neuwahlen in Sicht?

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu Foto: dpa

Die Frist läuft ab. Mittwochnacht um 23.59 Uhr ist die Zeit vorbei, in der der wiedergewählte Premierminister Benjamin Netanjahu eine Koalition bilden kann. Am Montag bereitete der Likud bereits eine Petition vor, um die derzeitige Knesset aufzulösen. Noch ist darüber nicht abgestimmt, aber das Wort »Neuwahlen« wird längst nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand geraunt.

Netanjahu wirft vor allem dem Chef der Partei Israel Beiteinu, Avigdor Lieberman, Sturheit vor. Seiner Meinung nach spekuliere Lieberman regelrecht auf Neuwahlen. Tatsächlich meinte der bereits, dass er einer Petition dafür zustimmen werde. Denn er sei überzeugt, erklärte er vor Journalisten am Wochenbeginn, dass er bei einem neuen Urnengang der Israelis mehr als die jetzigen fünf Sitze holen könne.

Das Wort »Neuwahlen« wird längst nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand geraunt.

CHAREDIM Einen triftigen Grund, der Regierung nicht beitreten zu wollen, hat Lieberman seiner Meinung nach allerdings. Es ist die Weigerung der ultraorthodoxen Parteien Schas und Vereinigtes Tora-Judentum, die gemeinsam 16 Sitze holten, das Armeegesetz zu implementieren. Das besagt, dass alle jungen Männer – auch Charedim – Militärdienst leisten müssen. Das Gesetz ist bereits vor einigen Jahren geändert worden, als es keine religiösen Parteien in der Regierung gab. In die Tat umgesetzt wurde es, wenn überhaupt, lediglich rudimentär.

Denn es wurden so viele Ausnahmeregelungen zugelassen, dass de facto doch jeder charedische junge Mann dem Militärdienst entkommen kann. Und dies sogar gänzlich ohne Strafe. Für alle anderen jungen Frauen und Männer in Israel gilt das nicht. Der Oberste Gerichtshof hatte vor einigen Jahren geurteilt, dass dies dem Gleichheitsgrundsatz widerspreche.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Jetzt urteilte er, dass es eine sofortige Überarbeitung geben müsse. Lieberman will die Implementierung des Originalgesetzes nach Vorschlägen der Armee ohne Ausnahmen in den Koalitionsvertrag aufnehmen.

Netanjahu benötigt sowohl die ultraorthodoxen Parteien wie auch Liebermans fünf Sitze, um eine regierungsfähige Koalition zu bilden.

GESPRÄCHE Netanjahu erklärte am Montag, dass die religiösen Parteien zu einem Kompromiss bereit seien und den Forderungen von Lieberman entgegenkommen würden. Oded Forer, der Leiter der Koalitionsgespräche für Israel Beiteinu, bestritt dies allerdings vehement und nannte es »einen unechten Kompromiss«.

Der Vorsitzende der Partei Vereinigtes Tora-Judentum, Yaakov Litzman, würde genau das verlangen, was er von Anfang an gesagt hatte, erklärte Forer in einem Interview mit dem Fernsehkanal 13. Der Ministerpräsident würde den Charedim gegenüber zurückstecken und jeder Laune von Litzman nachgeben. »Wer leitet hier die Koalitionsgespräche? Netanjahu oder Litzman?«

Der Ministerpräsident benötigt sowohl die ultraorthodoxen Parteien wie auch Liebermans fünf Sitze, um die Mehrheit von 61 Sitzen in der Knesset zu erreichen und eine regierungsfähige Koalition zu bilden.

Tourismus

Haifa eröffnet neuen Kreuzfahrtterminal

Israel verbindet damit die Hoffnung auf eine schrittweise Erholung des Tourismussektors nach Jahren der Sicherheitskrisen

 15.05.2026

Ness Ziona

Israelisches Unternehmen will Erde mit Partikel-Technologie abkühlen

Im Mittelpunkt stehen mikroskopisch kleine Partikel aus amorpher Kieselsäure und Kalziumkarbonat. Die Stoffe sollen in die Atmosphäre eingebracht werden, wo sie einen Teil der Sonneneinstrahlung reflektieren würden

 15.05.2026

Washington D.C.

Israel und Libanon starten neue Gespräche

Eine Entwaffnung der Terrororganisation Hisbollah ist einer der Schwerpunkte. Auf beiden Seiten bestehen offenbar nur begrenzte Erwartungen an schnelle Ergebnisse

 15.05.2026

Jerusalem

Angebliche sexuelle Übergriffe: Israel kündigt Klage gegen »New York Times« an

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu: »Wir werden diese Lügen vor dem Gericht der öffentlichen Meinung und vor Gericht bekämpfen. Die Wahrheit wird siegen.«

 15.05.2026

Jerusalem

Ben-Gvir präsentiert israelische Fahne auf dem Tempelberg

Ausschreitungen und anti-arabische Gesänge während israelischen »Flaggenmarsches« – Polizei nimmt 13 Randalierer fest

 14.05.2026

Mittelmeer

Gaza-Hilfsflotte sticht von Türkei aus erneut in See

Israel wirft einigen Aktivisten Verbindungen mit der islamistischen Terrororganisation Hamas im Gazastreifen vor

 14.05.2026

Israel

Netanjahus Gesundheit vor Gericht

Der Premier erklärt sich in Verleumdungsprozess für »topfit« – doch Widersprüche bei Angaben zu seiner Krebsbehandlung werfen neue Fragen auf

von Sabine Brandes  14.05.2026

Nahost

Drei israelische Zivilisten durch Hisbollah-Sprengstoffdrohne verletzt

In der Mitteilung der israelischen Armee war die Rede von einem schweren Verstoß der Hisbollah gegen die Waffenruhe

 14.05.2026

Westjordanland

»Peace Now«: Friedensaktivist von Siedlern im Gesicht verletzt

Der Leiter von »Peace Now«, Lior Amichai, wurde nach Angaben der Organisation von gewalttätigen Siedlern geschlagen

 14.05.2026