EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Knesset

Neuwahlen abgesagt

Von Gegnern zu Partnern: Benjamin Netanjahu (l.) und Schaul Mofaz Foto: Reuters

Am Montagabend war die Stimmung noch bestens: Friede, Freude, Neuwahlen. Regierung wie Opposition waren sich einig wie selten. Die 18. Knesset muss aufgelöst werden, zum Wohle des Staates und des Volkes.

Ein Jahr früher als geplant sollte es am 4. September für die Israelis an die Urnen gehen. Die Koalition war vor allem wegen des umstrittenen Armeegesetzes bröckelig geworden. Weniger als zwölf Stunden später lächelten Premierminister Benjamin Netanjahu und der Anführer der Oppositionspartei Kadima, Schaul Mofaz, gemeinsam in die Kameras: Die nationale Einheitsregierung war gegründet.

Entsprechend der Vereinbarung tritt Kadima sofort der derzeitigen Regierung bei und versichert, deren Politik bis zum Ende der Legislaturperiode im Spätherbst 2013 zu unterstützen. Als Gegenzug wird erwartet, dass der Kadima-Vorsitzende den Sessel des stellvertretenden Premiers besetzen darf und zudem einen Ministerposten ohne Portfolio erhält. Erst vor zwei Wochen hatte Mofaz Zipi Livni als Vorsitzende der Partei abgelöst.

Armeegesetz Grund für den plötzlichen Zickzackkurs einer der haltbarsten Koalitionen, die Israel je gesehen hat, war vor allem das Armeegesetz, das es ultraorthodoxen Jeschiwastudenten ermöglicht, den Militärdienst zu umgehen – ohne jegliche anderweitige soziale Verpflichtung.

Die Regel ist in der Bevölkerung höchst umstritten, eine große Mehrheit meint, Charedim würden sich damit zu Zehntausenden aus ihrer Bürgerpflicht stehlen. Der Oberste Gerichtshof hatte das Gesetz jüngst mit der Begründung ausgehebelt, es sei verfassungswidrig, da es die Gleichbehandlung untergrabe.

Ein neues Gesetz muss also her. Doch Netanjahu hatte mit seiner Koalition mit ultraorthodoxen Gruppen, die ihre Schäfchen auf keinen Fall in der Armee sehen wollen, und der säkularen Israel Beiteinu von Außenminister Avigdor Lieberman eine Zwickmühle geschaffen. Seit jeher steht auf Liebermans Fahnen: »Militärdienst für jedermann«.

Nun soll die Einheitsregierung offenbar Abhilfe schaffen. Netanjahu erklärte bereits, er wolle Kadimas Initiative für eine Alternative zum gekippten Gesetz unterstützen.

Lesen Sie unseren ausführlichen Bericht in der kommenden Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen – sie erscheint am Donnerstag, 10. Mai.

Knesset-Wahl

Die arabische Antwort auf Ben-Gvir

Die israelischen Araber wehren sich mit dem Stimmzettel gegen den Sicherheitsminister – und könnten zum Königsmacher der nächsten Knesset werden

von Sabine Brandes  28.10.2026

Meinung

In der Sackgasse?

Sabine Brandes wünscht sich nach den Wahlen für Israel neue Bündnisse – trotz aller Schwierigkeiten

von Sabine Brandes  28.10.2026

Analyse

Israel steckt mal wieder im Patt

Der rechte Block gewinnt bei der Auszählung an Boden. Doch weder Regierungslager noch Opposition haben eine klare Mehrheit – und die arabischen Parteien werden zum entscheidenden Faktor

von Sabine Brandes  28.10.2026

Jerusalem

Demokraten-Chef fordert Koalition mit arabischen Parteien

Bei Israels Richtungswahl liegt Netanjahus Lager vorn, verfehlt aber die Mehrheit. Der Chef der Linksliberalen fordert eine Koalition der Opposition mit Beteiligung arabischer Parteien

 28.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlergebnis bleibt offen, mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt

Mit wie vielen Sitzen kann das Netanjahu-Lager rechnen? Wie sieht das bisherige Ergebnis der Opposition aus?

 28.10.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Bis zu 650.000 »Sonderstimmen« könnten Israels Wahlergebnis noch verändern

Die Stimmen von Soldaten, Reservisten und weiteren Wahlberechtigten, die nicht in ihrem regulären Wahllokal abstimmen konnten, müssen noch einbezogen werden

 28.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will rasch neue Regierung in Israel bilden

Netanjahus Lager verliert die Mehrheit, doch auch Ex-Militärchef Eisenkot kann mit seinem Lager nicht allein regieren. Dennoch erklärt er, schon bald eine Koalition schmieden zu wollen

 28.10.2026

Jerusalem

Vorfälle bei Parlamentswahl

Für die große Mehrheit der Israelis verlief der Wahltag friedlich. Es gab jedoch Einschüchterungsversuche und sogar Angriffe

 28.10.2026

Jerusalem

Benjamin Netanjahu bei Wahl vorn - aber ohne Mehrheit

Bleibt der heutige Ministerpräsident an der Macht? Oder kommt es zum Regierungswechsel? Der Politikveteran gibt sich in der Wahlnacht trotz unklarem Ausgang siegesgewiss

 28.10.2026 Aktualisiert