US-Friedensplan

Netanjahu will annektieren

Die Palästinenser am »Tag des Zorns« nach der Veröffentlichung des US-Friedensplans Foto: Flash 90

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat vor, den Nahost-Friedensplan sofort umsetzen – zumindest Teile davon. Das sagte er kurz nach Verkündigung der Details durch US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus. Zunächst wolle man die israelische Souveränität in den jüdischen Siedlungen im palästinensischen Westjordanland und im Jordantal nördlich des Toten Meeres einsetzen. Er wolle dies bereits am kommenden Sonntag vor das Parlament bringen.

Die Sitzung wurde jedoch kurz darauf aus »technischen Gründen« verschoben. Der Sprecher des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu erklärte am Sonntag zudem, sie sei nie angesetzt worden.

Lüge Am Dienstag dankte Netanjahu Trump dafür, dass er der »großen Lüge« ein Ende bereite, dass es sich bei den Siedlungen um illegal von Israel besetzte Gebiete handle. So könne mit den Palästinensern Frieden geschlossen werden, fügte er hinzu.

Bei einer Pressekonferenz im Anschluss sagte er, dass die Anerkennung der israelischen Souveränität in zwei Phasen geschehen solle: Nach der nächsten Kabinettssitzung würde sie im Jordantal und sämtlichen israelischen Siedlungen im Westjordanland umgesetzt. Anschließend, so der Premier weiter, wolle er das israelische Gesetz in Abstimmung mit den USA auch auf weitere, die Siedlungen umgebenden Gebiete anwenden.

Likudminister Yariv Levin indes ließ bereits kurz nach der Verkündung des Trump-Plans in einem Interview wissen, dass es am Sonntag »aus technischen Gründen« keine Beratung über eine Annektierung geben werde. Auch der Berater von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, zeigte sich ob Netanjahus Vorpreschen überrascht und sagte, er sei sich nicht bewusst, dass man in Israel so schnell darüber entscheiden könne.

Eine Mehrheit in der Knesset ist für Netanjahus Vorhaben derzeit unwahrscheinlich oder sogar unmöglich.

Eine Mehrheit in der Knesset ist für Netanjahus Vorhaben derzeit ohnehin unwahrscheinlich oder sogar unmöglich, da er als Premier lediglich einer Interimsregierung vorsteht, die derartige Gesetzesänderungen wahrscheinlich gar nicht zur Abstimmung bringen kann.

Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit sagte dazu, dass dieses Thema »entsprechend der existierenden Gesetze untersucht werden muss«. Die Regierung müsse erklären, warum es so dringend ist und warum es vor den Wahlen geschehen muss. Netanjahu steht derzeit zudem unter Anklage wegen Korruption in drei Fällen.

Schlag Die Palästinenserführung jedoch wirft Trump vor, in dem Konflikt vollständig auf der Seite Israels zu stehen, und boykottiert die Zusammenarbeit. Sie rief stattdessen zu einem »Tag des Zorns« auf. Noch am Dienstag demonstrierten Hunderte von Palästinensern in Gaza und im Westjordanland gegen den Plan. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte: »Trump und Netanjahu erklärten den Schlag des Jahrhunderts, nicht den Deal. Und wir werden mit Schlägen antworten.«

Während die israelische Siedlerbewegung Netanjahu über ihre Dachorganisation, den »Yescha-Rat«, aufrief, jeglichen Plan für einen Palästinenserstaat abzulehnen, begrüßte sie die Pläne der Annektierungen von Siedlungen. »Dieser Plan ist nicht perfekt, vielleicht ist er sogar weit davon entfernt, perfekt zu sein«, sagte der Sprecher von Yescha, Oded Revivi.

Er würde Herausforderungen schaffen, die nicht simpel seien, wie die Schaffung eines Palästinenserstaates, die Anerkennung von Ost-Jerusalemer Stadtteilen als palästinensische Hauptstadt und so weiter.

Meilenstein Der Vorsitzende der Zentrumsunion Blau-Weiß, Benny Gantz, der sich ebenfalls mit Trump in den USA getroffen und den Plan als »Meilenstein« bezeichnet hatte, betonte, dass jegliche Schritte erst nach den kommenden Parlamentswahlen am 2. März implementiert werden sollten.

Viele israelische Kommentatoren sehen den Plan als wirklichkeitsfremd an, wie beispielsweise Raphael Ahren, der für die Online-Zeitung »Times of Israel« aus Washington berichtet: »Tatsächlich bevorzugt der Plan die israelische Seite erheblich, indem er erlaubt, fast die gesamte Stadt Jerusalem zu behalten, sofort das Jordantal und alle Siedlungen im Westjordanland zu annektieren.«

Den Palästinensern andererseits werde ein Staat nur dann versprochen, wenn sie eine lange Liste von Forderungen erfüllen, so Ahren.  Das sei »begründet von israelischer Seite«, aber »offen gesagt, unrealistisch«.

Jerusalem

Netanjahu: Israel hat iranische Bombe verhindert

Israels Premier bezeichnete den Angriff auf den Iran als »größte Luftoperation« in der Geschichte des Landes

 22.06.2026

Bildung

Israel setzt auf Künstliche Intelligenz im Englischunterricht

Der Start des Programms fällt in eine Phase, in der die Schulen des jüdischen Staates mit erheblichen Problemen beim Sprachenunterricht kämpfen

 22.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  22.06.2026

Süd-Libanon

Israelische Armee entdeckt Hisbollah-Tunnel mit Raketenstellungen

Die Raketenschächte sind durch Luftangriffe nur schwer oder gar nicht vollständig zerstörbar, so die IDF. Die Terroristen hätten den Tunnel für unterschiedliche operative Zwecke genutzt

 22.06.2026

Absichtserklärung

Trumps Frieden – Irans Sieg

Während der US-Präsident das Memorandum mit Teheran als Durchbruch feiert, warnen Experten in Israel vor Zugeständnissen bei der Atomfrage und im Libanon

von Sabine Brandes  21.06.2026

Jerusalem

Umfrage: 92 Prozent der Israelis sehen Iran als Kriegssieger

Nur wenige Israelis halten die Kriegsführung ihrer Regierung für erfolgreich. Die Mehrheit sieht eine geschwächte Sicherheit und unerreichte Ziele.

 21.06.2026

Jerusalem

Israel lehnt Einschränkungen im Kampf gegen Hisbollah ab

Verteidigungsminister Israel Katz kündigt an, dass die israelische Armee auch weiterhin »Maßnahmen zur Beseitigung von Bedrohungen« im Südlibanon ergreifen könne

 21.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Safed

Festgenommene Hisbollah-Terroristen in zivilem Krankenhaus in Nordisrael behandelt

Im Ziv Medical Center in Safed waren die libanesischen Patienten einem Zeitungsbericht zufolge gefesselt und wurden rund um die Uhr von Soldaten bewacht

 19.06.2026