Jerusalem

Netanjahu überwindet weitere Hürde zur Bildung einer neuen Regierung

Likud-Vorsitzender Benjamin Netanjahu Foto: Flash90

Israels designierter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat eine weitere Hürde zur Bildung einer rechts-religiösen Regierung überwunden. Am Dienstag wurde der von ihm vorgeschlagene Kandidat Jariv Levin mit einer Mehrheit von 64 Stimmen zum vorübergehenden Parlamentspräsidenten gewählt.

Durch die Wahl des Likud-Abgeordneten kann das Lager um Netanjahu nun mehrere Gesetzesänderungen auf den Weg bringen, die als Voraussetzung für einen gemeinsamen Koalitionsvertrag gelten.

Darunter ist auch ein Gesetz, das es dem Vorsitzenden der strengreligiösen Schas-Partei, Arie Deri, ermöglichen soll, trotz einer Verurteilung im vergangenen Jahr wegen Steuervergehen Innenminister werden zu können.

Zudem sollen die Befugnisse des Ministers für Nationale Sicherheit ausgeweitet werden. Das Amt soll der rechtsextreme Politiker Itamar Ben-Gvir bekommen. Neben der Polizei soll er nach der Gesetzesänderung auch für die Grenzpolizei im Westjordanland zuständig sein.

Die palästinensische Autonomiebehörde warnte bereits vor gefährlichen Auswirkungen. Ben-Gvir wurde immer wieder vorgeworfen, den Konflikt mit den Palästinensern gezielt anzuheizen. Er hat sich etwa für die Deportation von Arabern ausgesprochen, »die gegen den Staat Israel sind«. In der Vergangenheit wurde er rechtskräftig wegen Unterstützung einer jüdischen terroristischen Organisation verurteilt.

Medienberichten zufolge sollen bereits in den kommenden Tagen erste Sonderausschüsse zusammentreten, um die Gesetzentwürfe für die erste Lesung vorzubereiten. Sie sollen in der kommenden Woche verabschiedet werden. Netanjahu hat noch bis zum 21. Dezember Zeit, eine Regierung zu bilden. Im Grundsatz hat er sich bereits mit seinen Partnern geeinigt. Ein gemeinsamer Koalitionsvertrag steht jedoch noch aus.

Es wird erwartet, dass die sich abzeichnende Regierung tiefgreifende politische Veränderungen durchsetzt, darunter etwa eine deutliche Schwächung der Justiz. Dies könnte auch zur Einstellung des Korruptionsprozesses gegen Netanjahu führen, der seit 2020 läuft.

Avi Gil (in Uniform), links von Benjamin Netanjahu

Explosives Interview

»Die Geiseln hätten früher zurückkehren können«

Der ehemalige Militärsekretär des Premiers, Avi Gil, erhebt schwere Vorwürfe: Warnungen vor dem 7. Oktober seien ignoriert, Abkommen aus politischen Gründen verhindert und Protokolle manipuliert worden. Netanjahu weist die Anschuldigungen zurück

von Sabine Brandes  11.10.2026

Nahost

IDF: Terrorinfrastruktur in Gaza zerstört

Israelische Armee und Sicherheitsbehörden haben nach eigenen Angaben im Gazastreifen Waffenlager, eine Raketenabschussrampe und eine Kommandozentrale zerstört. Verteidigungsminister Katz droht dem neuen Hamas-Chef

 11.10.2026

Passagiere am Flydubai-Schalter am Ben-Gurion-Flughafen Tel Aviv, 30. September

Vereitelter Terroranschlag

Flydubai-Passagiere wollen auf Hunderte Millionen klagen

Nach dem versuchten Anschlag an Bord des Fluges nach Tel Aviv bereiten Israelis Klagen gegen die Airline und möglicherweise mehrere Staaten vor

von Sabine Brandes  11.10.2026

Gesellschaft

Hamas-Massaker überschattet Israels Wahlkampf

Die meisten Israelis sehen den 7. Oktober als wichtigen Faktor für ihre Wahlentscheidung. Umfragen zeigen, dass weder Netanjahus Lager noch die Opposition die Mehrheit erhält

von Sabine Brandes  11.10.2026

Frachtschiffe vor Anker in der Straße von Hormus bei Bandar Abbas (Iran)

Nahost

Bericht: Iran kann noch immer Raketen und Drohnen produzieren

Teheran soll demnach weiterhin gut ausgestattet mit Raketen sein und schnell nachproduzieren können. Die USA sollen zudem Israel gedrängt haben, Iran erneut anzugreifen – alleine

 11.10.2026

Nahost

Der Lieberman-Plan

Soll das Westjordanland neu verwaltet werden?

von Sabine Brandes  10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026

Luftfahrt

Wer kontrolliert die Flüge nach Israel?

Nach dem vereitelten Anschlag auf einen Flydubai-Flug gerät das israelische Sicherheitssystem für ausländische Airlines unter Druck

von Sabine Brandes  08.10.2026