Iran

Mullah-Regime droht Tel Aviv mit »Raketenhagel«

Drohgebärde auf iranisch: Tel-Aviv-Karte in Teheran Foto: picture alliance

Eine überdimensionale Karte, die Tel Aviv, Herzliya, Ramat Gan und Bnei Brak zeigt – aufgestellt im Zentrum von Teheran. Darüber steht in fetten Lettern »Im Hinblick auf einen Raketenhagel ist dies ein kleines Gebiet« auf Hebräisch und darunter auf Englisch: »Ihr fangt an… wir beenden es!« Unter der Karte sind Raketenmodelle, ein Flugzeug, ein Walkie-Talkie und ein roter Knopf mit dem Wort »FIRE« abgebildet. Drohgebärde auf iranisch.

Auf der Karte selbst sind an verschiedenen Stellen der Städte rote »Ziele« markiert, so, als ob sie ins Visier genommen werden sollen. »Für den ersten Tag« steht daneben geschrieben. Kaum ein anderes Bild verdeutlicht die derzeitige Lage bezüglich Iran USA und Israel so wie dieses. Denn während Diplomaten über mögliche Kompromisse sprechen, zeigt Teheran demonstrativ, wozu es sich im Ernstfall fähig sieht.

Nach den Massenunruhen und der gnadenlosen Niederschlagung durch das Mullah-Regime steht die Führung in Teheran unter Druck und versucht, nach außen Stärke zu demonstrieren, wohl besonders, um von den innenpolitischen Schwächen abzulenken.

Iran will Atomprogramm »unter keinen Umständen« aufgeben

Der Zeitpunkt des Plakates ist kein Zufall. Während US-Präsident Donald Trump erklärte, die Iraner wollten »unbedingt ein Abkommen«, verschärft die iranische Führung vor der nächsten Verhandlungsrunde den Ton. Außenminister Abbas Araghchi machte unmissverständlich klar, dass die Islamische Republik ihr Atomprogramm »unter keinen Umständen« aufgeben werde, selbst dann nicht, wenn dies zu einem Krieg führe, machte er klar.

Experten-Schätzungen zufolge finde derzeit im Iran keine aktive Urananreicherung statt, nachdem iranische Atomanlagen im Juni vergangenen Jahres während des zwölftägigen Krieges von Israel und den USA angegriffen worden waren.

Derzeit laufen indirekte Gespräche zwischen Teheran und Washington, vermittelt durch Oman. Bei Gesprächen in der Hauptstadt Muscat mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner bekräftigte Araghchi zwar die grundsätzliche Bereitschaft zu begrenzten Einschränkungen, schloss jedoch einen Verzicht auf die Urananreicherung kategorisch aus.

Büro des Premiers: »Jede Vereinbarung muss Beschränkungen für ballistische Raketen und ein Ende der Unterstützung der iranischen Achse beinhalten.«

Doch trotz demonstrierter Gesprächsbereitschaft liegen die Positionen weit auseinander. Die USA fordern, dass Teheran Schritte unternimmt, um dauerhaft den Weg zu einer nuklearen Bewaffnung zu versperren. Berichten zufolge gehören dazu ein vollständiger Stopp der Urananreicherung, Beschränkungen des Raketenprogramms sowie ein Ende der Unterstützung bewaffneter Stellvertreter in der Region. Trump selbst konzentriert sich öffentlich vor allem auf das Ziel, Iran am Bau einer Atombombe zu hindern – ohne explizit ein Ende jeglicher Anreicherung zu verlangen.

In Israel wird diese Nuancierung mit großer Skepsis verfolgt. Die Regierung befürchtet, dass das Weiße Haus in einem möglichen Abkommen zentrale Forderungen, insbesondere zu ballistischen Raketen und Irans regionalem Einfluss, abschwächen könnte.

Vor diesem Hintergrund kündigte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an, seinen Besuch in den USA um eine Woche vorzuziehen. Bereits am Mittwoch wird er voraussichtlich mit Trump zusammentreffen. Ziel der Reise ist es, Einfluss auf die amerikanische Verhandlungsposition zu nehmen.

»Jede Vereinbarung muss Beschränkungen für ballistische Raketen und ein Ende der Unterstützung der iranischen Achse beinhalten«, heißt es in einer Erklärung aus Netanjahus Büro. Eine hochrangige politische Quelle sagte in israelischen Medien, dass der vorgezogene Besuch vor allem verhindern solle, dass Raketenprogramme aus dem Verhandlungspaket herausfallen. Aus israelischer Sicht sind sie untrennbar mit der nuklearen Frage verbunden – nicht zuletzt, weil sie potenzielle Trägersysteme für Atomwaffen darstellen.

Mullahs wollen zivile Bevölkerungszentren ins Visier nehmen

Parallel dazu unterstreichen die USA, dass Diplomatie nicht die einzige Option sei. Die militärische Drohkulisse wurde zuletzt bewusst verstärkt: Der Chef des US-Zentralkommandos, Brad Cooper, begleitete Witkoff und Kushner nach Oman und anschließend an Bord des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln, der gemeinsam mit mehreren Zerstörern in die Region verlegt wurde. Teheran wiederum warnte, ein amerikanischer Angriff würde einen regionalen Krieg auslösen, in dem auch Israel unmittelbar zum Ziel würde.

Die Werbetafel in Teheran nimmt diese Drohung unmissverständlich auf. Anscheinend hat das Regime vor, im Fall eines Krieges wieder zivile Bevölkerungszentren in Israel ins Visier zu nehmen. Wie bereits im Juni 2025. Neben der Karte der israelischen Zentralregion war zu lesen: »Für einen Raketenhagels ist dies ein kleines Gebiet.« Darunter auf Englisch: »You start it, we finish it.«

Für die Israelis ist die Botschaft mehr als bloße Propaganda. Sie macht deutlich, wie schnell das Land im Fall einer Eskalation selbst zum Zentrum eines Angriffs werden könnte – und dass es keineswegs nur am Rand des diplomatischen Tauziehens zwischen Washington und Teheran steht.

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