Israel

Mail aus Jerus@lem

REGENERATION
Seit der Operation »Gegossenes Blei«, bei der die israelische Armee gegen die Hamas im Gasastreifen vorgegangen ist, genießt die jahrelang unablässigem Raketenbeschuss ausgesetzte Grenzstadt Sderot relative Ruhe. So wurde die Abwanderung kriegsmüder Bürger eingedämmt. Jetzt treibt die Regierung die Entwicklung der Stadt voran. 2012 soll die Stadt ans Eisenbahnnetz angeschlossen werden. Dieser Tage hat die Bahngesellschaft den Bau eines Bahnhofs ausgeschrieben. All das wertet den Standort Sderot im Wortsinne auf: In den letzten zwei Jahren sind die Wohnungspreise in der Stadt um bis zu 40 Prozent gestiegen.

RAGE
»Der Jakubijan-Bau« des ägyptischen Schriftstellers Alaa al Aswani gehört zu den erfolgreichsten arabischsprachigen Romanen des letzten Jahrzehnts. Allerdings hat der Autor, der aus seiner Feindschaft zum Judenstaat keinen Hehl macht, die Zustimmung zu einer Übersetzung seines Werkes ins Hebräische verweigert. Jetzt hat sich das um israelisch-palästinensische Versöhnung bemühte Forschungs- und Informationszentrum Israel-Palästina über das Verbot hinweggesetzt und bietet das von einem Freiwilligen übersetzte Buch auf elektronischem Wege als einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung zwischen den Völkern unentgeltlich an. Aswani selbst hat die Aktion scharf verurteilt. Der Frieden hat es im Nahen Osten eben nicht leicht.

RITZEN
Dem Zahn der Zeit ist kein Stein gewachsen, auch nicht die steinernen Fliesen der Fußgängerzone in der Jerusalemer Ben-Yehuda-Straße, die immer mehr und immer größere Risse aufweisen. Vor allem für Frauen, die Schuhe mit hohem Absatz tragen, wurde das zu einem Problem: Immer mehr modebewusste Fußbekleidungsträgerinnen sind in letzter Zeit in den Steinritzen steckengeblieben: ein Malheur, das bestenfalls zu gebrochenen Schuhabsätzen, schlimmstenfalls zu gebrochenen Knöcheln führen kann. Unter dem Druck der Bürgerinnen hat sich die Stadtverwaltung nun bereit erklärt, die Fliesen in der beliebten Fußgängerzone wieder instand zu setzen.

RAUSCH
Nach der israelischen Straßenverkehrsordnung müssen Autofahrer in der ersten Zeit nach Erlangen der Fahrerlaubnis von einem erfahrenen Führerscheinbesitzer begleitet werden. Dieser Anforderung glaubte ein frischgebackener 18-jähriger Fahrzeuglenker aus dem Landesnorden zu genügen, als er um zwei Uhr nachts auf dem Nachhauseweg war. Schließlich saß auf dem Beifahrersitz sein eigener Vater. Bei einer Routinekontrolle stellten Verkehrspolizisten indessen fest, dass der Herr Papa volltrunken war. Das aber darf der Begleiter nicht sein. So wurden beide ihren Führerschein los: Der Vater, weil er wegen Trunkenheit seiner Aufsichtspflicht nicht genügen konnte, der Sohn dagegen, weil er ohne den gesetzlich vorgeschriebenen und zwar nüchternen – Aufpasser am Steuer saß.

RUHESTÄTTE
In Jerusalem soll die Totenruhe mit modernster Technologie verteidigt werden: Innerhalb einiger Monate soll der alte, auf dem Ölberg gelegene jüdische Friedhof mit Hilfe elektronischer Überwachungskameras vor Eindringlingen geschützt werden. Insbesondere hoffen israelische Stellen, die auf dem von arabischen Wohnvierteln umgebenen Friedhof weit verbreitete Zerstörung von zum Teil jahrhundertealten Grabsteinen unterbinden zu können. Gleichzeitig werden entweihte Grabstätten wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt.

REUE
Für Reue ist es nie zu spät. Am 14. März hatte ein Autofahrer auf der Küstenautobahn (Überlandstraße Nr. 2) einen neben ihm herfahrenden Linienbus der Verkehrsgenossenschaft Egged leicht geschrammt. Da es zu keinem nennenswerten Schaden kam, fuhr der Mann einfach weiter. Allerdings gab ihm sein Gewissen keine Ruhe. Jetzt schrieb er Egged nicht nur einen Entschuldigungsbrief, sondern legte auch einen Scheck über 850 Schekel (170 Euro) als Entschädigung für den vermuteten Lack- und Blechschaden bei. Bei Egged war man über so viel Redlichkeit ganz baff, doch ergab eine Überprüfung, dass der Busfahrer den Unfall wahrscheinlich nicht gemerkt, in jedem Fall aber nicht gemeldet hatte. In Ermangelung einer Schadensfeststellung schickte die Genossenschaft den Scheck dankend zurück.

RETTER
Zwischen dem Roten Davidstern (MDA), der offiziellen und größten Nothilfeorganisation Israels und der ultraorthodox geprägten »Hatzala« (zu Deutsch: Rettung) ist ein Konflikt ausgebrochen. Beim MDA wirft man der kleineren Konkurenz vor, unprofessionell zu arbeiten. So etwa habe Hatzala dem MDA den Großauftrag zur Sicherung eines Großereignisses durch Dumpingpreise abgejagt, sei aber nicht fähig gewesen, Erkrankte ohne MDA-Hilfe ins Krankenhaus zu bringen. Jetzt will der Rote Davidsstern seinen Freiwilligen die gleichzeitige Tätigkeit bei Hatzala untersagen und Zuwiderhandelnde suspendieren. Wie man sieht, haben auch gute Menschen Kämpfe auszustehen.

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