Knessetwahl

Livnis verpasste Chance

Zipi Livni Foto: Flash 90

Knessetwahl

Livnis verpasste Chance

Mitte-Links-Bündnis kommt nicht zustande

von Sivan Wüstemann  07.01.2013 20:32 Uhr

Eigentlich wollten sie eine Einheit bilden. Stattdessen streiten sie nun darüber, wer was gesagt oder nicht gesagt hat. Keine gute Voraussetzung für ein Mitte-Links-Bündnis vor den Parlamentswahlen am 22. Januar. Anfang der Woche war Zipi Livni von der Partei »Hatnua« medienwirksam auf ihre politischen Konkurrenten Schelly Jachimowitsch und Yair Lapid zugegangen, um »zu überlegen, wie man die derzeitige Regierung gemeinsam stürzen« könne.

»Zusammen können wir es tun«, rief Livni auf. »Wir sind stärker als die rechten Parteien.« Zwar ist nicht mehr viel Zeit, doch eine Union aus den Mitte-Links-Parteien Hatnua sowie Jachimowitschs Awoda und Yesch Atid von Lapid hätte durchaus eine Chance, die Regierung von Benjamin Netanjahu zu überholen. Denn einer Umfrage der Times of Israel zufolge ringt derzeit noch ein beträchtlicher Teil der Israelis mit sich. Fast ein Drittel der Wähler sei unentschlossen. Den Angaben zufolge tendieren diese 31 Prozent eher in Richtung Zentrum und linke Parteien.

Mandate Eine andere Prognose verheißt der Awoda 20 Mandate, Lapid und Livni jeweils zehn. Damit hätte ein Mitte-Links-Block mehr Sitze inne als die Regierungsunion, die derzeit bei 35 prognostizierten Mandaten liegt, und könnte die Regierung bilden.

Der Vorsprung der regierenden Parteien bröckelt also gewaltig. Die Anklage gegen den ehemaligen Außenminister Avigdor Lieberman kommt bei den traditionellen Likud-Wählern nicht gut an. Öl ins Feuer goss am vergangenen Wochenende ein Interview mit dem einstigen Leiter des Inlandsgeheimdienstes, Yuval Diskin. Er beschreibt die israelische Führungselite unter anderem als »selbstherrlich und schwach«. Seine Erfahrungen mit Netanjahu, Barak und Lieberman seien »schrecklich« gewesen. Herbe Kritik hatte Diskin für den Regierungschef: Seine politischen und persönlichen Interessen stünden immer vor denen des Landes.

Lüge Es wäre für Livni und Co. also der ideale Zeitpunkt gewesen, um mit gemeinschaftlichen Kräften auf Stimmenfang zu gehen. Doch offenbar wiegen die Egos der Politiker schwerer als das Wohl des Volkes. Am Dienstag nach ihrem Treffen beschuldigten sich die drei Chefs der Zentrums- und Linksparteien gegenseitig der Lüge und des Übertreibens. »Livni lügt. So hat es gar nicht stattgefunden«, erklärten Jachimowitsch und Lapid unisono, und jegliche Chance war vertan.

Netanjahu und Lieberman streiten nicht. Und so sieht es aus, als würde die rechte Union trotz Verlusten am 22. Januar vorn liegen. Mit dem nationalreligiösen Aufsteiger Naftali Bennett vom »Jüdischen Haus« im Boot steht Israel damit die äußerste Rechts-Regierung bevor, die es in der Geschichte des Staates bisher gegeben hat.

Kommentar

Wenn Chuzpe Leben rettet

Die bemerkenswerte Abwesenheit von Scham, Vorsicht und Selbstzweifel ist eine israelische Eigenart. Im Fall des Flydubai-Fluges half sie, eine Katastrophe zu verhindern

von Sabine Brandes  07.10.2026

Kfar Aza

»Die Angst steckt noch immer im Rucksack«

Shachar Tzuk überlebte das Hamas-Massaker. Drei Jahre später hat sie ein Zuhause, eine Verlobte und ein neues Leben – aber noch immer eine gepackte Fluchttasche

von Sabine Brandes  07.10.2026

Terror

Flydubai-Copilot wollte offenbar Tel Aviver Flughafen treffen

Was war das Ziel des mutmaßlichen Angreifers beim Flydubai-Flug nach Tel Aviv? Die Ermittlungen dazu laufen noch, doch immer mehr Informationen sickern an die Öffentlichkeit

 07.10.2026

Libanon

Hisbollah bezeichnet Hamas-Massaker als »Akt des Widerstandes«

Die Hisbollah hält am dritten Jahrestag an ihrer Rechtfertigung des Angriffs vom 7. Oktober 2023 fest. Seitdem haben die Kämpfe auch im Libanon Tausende Menschen das Leben gekostet

 07.10.2026

Krieg

Israels Armee hat seit Hamas-Massakern 100.000 Ziele angegriffen

Vor drei Jahren ermordeten Hamas-Terroristen rund 1.200 Menschen in Israel. Der Überfall löste den Gaza-Krieg aus. Israel hat seither Zehntausende Ziele in der Region angegriffen

 07.10.2026

Jahrestag der Massaker

Israel gedenkt der Opfer des 7. Oktober

Drei Jahre nach den blutigen Massakern im Süden Israels gedenkt das Land der Opfer. Präsident Herzog findet berührende Worte. Am Abend sollen Zehntausende in Tel Aviv zusammenkommen

 07.10.2026 Aktualisiert

TV-Tipp

Zwischen Terror und Trauma

Eine Reportage von Jan Philipp Burgard auf WELT TV zeigt Israel und seine Menschen drei Jahre nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023

von Detlef David Kauschke  07.10.2026

Westjordanland

Schin-Bet-Chef streitet mit Rechtsradikalen

David Zini fordert von Ministerin Orit Strock eine klare Verurteilung jüdischer Siedlergewalt – und droht mit der Rückkehr zur Verwaltungshaft

von Sabine Brandes  06.10.2026

Jahrestag

Israel warnt vor Angriffen auf Juden am 7. Oktober

Am 7. Oktober jährt sich das Massaker von Hamas-Terroristen in Israel. Bei dem Überfall 2023 wurden rund 1.200 Menschen getötet. Israel warnt nun Israelis im Ausland und Juden weltweit vor Angriffen

 06.10.2026