Waffenstillstandsabkommen

Liri, Daniella, Karina und Naama sind in Freiheit!

Liri Albag formt mit ihren Händen ein Herz, als der Helikopter auf dem Rabin Medical Center in Petah Tikva landet Foto: copyright (c) Flash90 2025

Nur eine Stunde nach ihrer Freilassung formt sie ein Herz mit ihren Händen und hält es in die Kamera: die 19-jährige Liri Albag. Zusammen mit Naama Levy, Karina Ariev und Daniella Gilboa kam sie am späten Samstagvormittag in Freiheit. 477 Tage waren die jungen Israelinnen Geiseln der Hamas im Gazastreifen. Im Gegenzug entließ Israel 200 palästinensische Gefangene aus israelischen Gefängnissen, darunter auch Terroristen, die wegen Mordes verurteilt waren.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Es war ein Schabbat, an dem sie auf brutalste Weise von der Hamas aus ihrem Leben gerissen wurden. Terroristen verschleppten Liri, Naama, Karina, Daniella und Agam Berger, junge Späherinnen der israelischen Armee, während des Massakers vom 7. Oktober 2023 in den Gazastreifen. Jetzt kamen vier von ihnen im Rahmen der ersten Phase des derzeitigen Waffenstillstands- und Geiselabkommens aus der Geiselhaft frei.

Agam Berger ist die fünfte Soldatin, die aus der Militärbasis Nahal Oz entführt wurde. Die zurückgekehrten Geiseln gaben an, dass sie zusammen festgehalten wurden und dass die 20-Jährige am Leben sei.

Danksagungen der Eltern und befreiten Geiseln
Liri Albag mit ihren ElternFoto: IDF-Spokesperson

Die Eltern der vier jungen Israelinnen warteten in der Militäreinrichtung an der Grenze zwischen Gaza und Israel auf ihre Töchter. »Liri, Chaim scheli«, rief Eli Albag, »Liri, mein Leben«. Er nahm seine Tochter fest in den Arm und hob sie in die Luft, als sie um die Ecke bog. »Liri ist deine Tochter Nummer eins«, rief die und lachte laut.

»Ich liebe euch, ganzes Volk von Israel und alle Soldaten, die ihr alles getan habt, damit wir freikommen«, sprach sie unmittelbar danach in die Kamera und lächelte. »Vielen Dank euch allen.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Schriftstellerin Ruhama Elbag ist Liris Tante. Minuten nach den ersten Bildern ihrer befreiten Nichte sagte sie: »Es ist wundervoll zu sehen, wie sie lächelt. Sie sieht viel besser aus, als wir erwartet haben. Und das ist großartig.« Auf die Frage, ob dies ein »Wunder« ist, antwortet sie, dass sie nicht an Wunder glaube, aber dass es zweifelsohne ein »großer Moment« sei.

»Wir werden nicht aufhören, zu kämpfen, bis alle Geiseln zu Hause sind.«

Kurz zuvor hatten Naama, Daniella und Karina, alle 20, und die 19-jährige Liri auf einer Bühne der Hamas in Gaza-Stadt gestanden – gekleidet in olivgrüne uniformartige Anzüge und umringt von Dutzenden Hamas-Männern mit Masken und schweren Maschinengewehren. In einer Inszenierung der Terrororganisation sollten die jungen Israelinnen vorgeführt worden, stahlen der Hamas jedoch die Show mit ihrem Mut und ihrer Haltung. Sie winkten, reckten die Daumen in die Höhe und lächelten strahlend ins feindlich gesinnte Publikum.

Karina Ariev mit ihren ElternFoto: IDF-Spokesperson

Erst nach ihrer Freilassung wurde bekannt, dass man sich besonders um Daniella Gilboa gesorgt habe, da sie am 7. Oktober verletzt wurde und es nicht klar war, wie es um ihren Gesundheitszustand bestellt ist. Doch auch sie ging - zumindest äußerlich - unversehrt die Stufen zur Bühne hinauf und hinunter.

Als die Bilder aus Gaza auf den Bildschirmen zu sehen waren, brach auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv, wo sich viele Angehörige und Aktivisten versammelt hatten, die das Geschehen auf einer großen Leinwand verfolgten, großer Jubel aus. Viele Menschen umarmten sich spontan.

Anschließend veröffentlichten alle Eltern Erklärungen, dass sie »unendlich glücklich«, seien, ihre Töchter wieder in die Arme schließen zu können, doch dass sie in Gedanken mit den Eltern von Agam Berger und Arbel Yahud seien. Sie versicherten auch, dass »wir nicht aufhören zu kämpfen, bis alle Geiseln zu Hause sind«.

Daniella Gilboa mit ihren ElternFoto: IDF-Spokesperson

Der Psychiater Gil Salzman aus dem Krankenhaus Beilinson, in das die jungen Frauen gebracht wurden, macht klar, dass die Realität der Geiseln mehr als ein Jahr lang das reinste Horrorszenario gewesen sei und sie am 7. Oktober ein großes Trauma durchlebt haben. »Doch die Bilder von ihnen stimmen uns definitiv optimistisch.«

Sie müssen sich sicher und wie zu Hause fühlen

Die Kinderärztin Ofrat Baruch-Harlev erklärt: »Sie sind zwar offiziell keine Kinder mehr, aber doch noch fast Kinder.« Besonders wichtig sei jetzt, dass sie sich aufgehoben, sicher und wie zu Hause fühlen, auch im Krankenhaus.

Auch sie bestätigt, man habe sich gesorgt, dass die jungen Frauen in einem wesentlich schlechteren Gesundheitszustand zurückkommen würden. »Wir sind so erleichtert, und jetzt können sie erst einmal nur in Liebe gebadet werden.« Die Mediziner hätten von den vorherigen Geiselbefreiungen gelernt, dass dies der richtige Weg sei.

Naama Levy mit ihren ElternFoto: IDF-Spokesperson

»Vielleicht haben sie mehr oder weniger dasselbe erlebt, aber dennoch sind sie verschiedene Menschen und reagieren anders auf Traumata«, gibt sie zu bedenken. »Daher müssen wir bei der Behandlung ganz individuell auf jede einzelne von ihnen eingehen.«

Am Mittag kamen in der Heimatstadt von Daniella Gilboa, Petach Tikwa, spontan Angehörige und Freunde zusammen, um zu feiern. Ihre Tante Dikla Gilboa kann es nicht erwarten, sie »endlich zu sehen und zu umarmen«. Orly, die Mutter der 20-Jährigen, habe mehr als 15 Monate gekämpft wie eine Löwin und nur ein einziges Ziel vor Augen gehabt: »dass ihre Tochter wieder nach Hause kommt«.

Lesen Sie auch

»Alle anderen 90 Geiseln müssen ebenfalls in Freiheit kommen«, so Gilboa. Es gebe keine andere Option, denn erst dann könne man anfangen zu heilen. »Als Gesellschaft und als Nation können wir es nicht anders verkraften. Sie müssen einfach alle nach Hause kommen«.

Jerusalem

Großeltern umgebettet: Theodor Herzls letzter Wille ist erfüllt

Die Überreste von Schimon und Rikva Herzl, Vorfahren väterlicherseits des Zionismus-Begründers und prägende Gestalten in Theodor Herzls Jugend, wurden von Serbien nach Israel überführt und auf dem Herzlberg beigesetzt

 06.08.2026

Justiz

Israelischer Siedler wegen Tötung eines Palästinensers angeklagt

Der getötete Aktivist setzte sich gegen Siedlergewalt ein und war an dem Oscar-prämierten Film »No Other Land« beteiligt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht

 06.08.2026

Gaza

IDF-Chef Zamir: Jeder Verantwortliche für die Massaker vom 7. Oktober wird zur Rechenschaft gezogen

Die Jagd auf die beteiligten Terroristen sei »eine dauerhafte und fortlaufende Aufgabe, die das Kommando mit großem Erfolg erfüllt«, sagt der Generalstabschef

 06.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 06.08.2026

Gesellschaft

Misstrauen vor der Wahl

72 Prozent der jüdischen Israelis fürchten, dass die Parlamentswahl im Oktober beeinträchtigt werden könnte

von Sabine Brandes  06.08.2026

Magdeburg/Halle

Schulze: Hallervorden-Auftritt steht für Meinungsfreiheit

Der Komiker verbreitet Verschwörungstheorien über Israel und relativiert Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine

 06.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  06.08.2026

Wahlkampf

Who’s who in Jerusalem?

Israels Parteien buhlen nicht nur um potenzielle Wähler, sondern auch um mögliche Bündnisse

von Sabine Brandes  06.08.2026

Jerusalem

Ehemalige Likud-Politiker Erdan und Edelstein gründen neue Partei

Eine konservative Alternative zu Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wollen die Gründer bieten. Haben sie Chancen auf Erfolg?

 06.08.2026