Politik

Liebermanns Landtausch

Außenminister Avigdor Liebermann bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung Foto: Flash 90

Eines Morgens wacht er auf und nichts ist mehr, wie es einmal war. Sein Heimatdorf, vorher ein verschlafenes arabisches Örtchen innerhalb der grünen Linie, ist auf einmal hermetisch abgeriegelt und von Soldaten bewacht. Gänzlich von der Außenwelt abgeschnitten, suchen die Bewohner verzweifelt nach Erklärungen. Was für den israelisch-arabischen Schriftsteller Sayed Kashua lediglich alptraumhafte Vision in seiner Erzählung Da ward es Morgen ist, könnte bald Realität werden. Zumindest wenn es nach Außenminister Avigdor Lieberman geht. In einer Rede vor der UN-Vollversammlung stellte er vergangene Woche seinen Plan vom Landtausch zwischen Israel und den Palästinensern vor. Sehr zum Unmut vieler Zuhörer und jüdisch-amerikanischer Organisationen.

Lieberman hatte dabei vorgeschlagen, dass ein israelisch-palästinensisches Abkommen über einen endgültigen Status »nicht Land für Frieden, sondern stattdessen ein Landtausch« bedeuten sollte.

»Lieberman soll seine persönliche Meinung für sich behalten«, kochten viele Vorsitzende jüdischer Vereinigungen in den USA nach der Rede vor Wut. »Jedes Mal, wenn er etwas an den Friedensgesprächen zu kritisieren hat, unterminiert er gleich komplett die Glaubwürdigkeit von Premier Benjamin Netanjahu und spielt so den Palästinensern in die Hände«, meinten an-
dere. Das Büro des Ministerpräsidenten veröffentlichte anschließend eine Erklärung, in der es hieß, dass die Rede nicht mit dem Premierminister abgestimmt war. »Benjamin Netanjahu verhandelt mit den Palästinensern für den Staat Israel, niemand sonst«, stand da geschrieben. »Die unterschiedlichen Punkte eines Friedensabkommens werden am Runden Tisch dis-
kutiert und entschieden – und sonst nirgendwo.«

Wohltätigkeit

Gal Gadot ganz großzügig

Die Hollywood-Schauspielerin spendet Geld vom Genesis-Preis an Organisationen für die Rehabilitation psychisch Kranker

von Sabine Brandes  23.09.2026

Emmanuel Macron spricht vor der UN-Vollversammlung

Vereinte Nationen

Jerusalem nennt Macrons Behauptung zur Hamas »absurd«

Der französische Präsident behauptet vor der Vollversammlung, die Terrororganisation sei im Westjordanland nie aktiv gewesen. Tatsächlich verübt sie dort regelmäßig Anschläge

von Sabine Brandes  23.09.2026

Jerusalem

Israel startet Kampagne gegen Voreingenommenheit der UN

Ein Video zeigt Papageien bei der UNO-Vollversammlung, die »Beschuldigt Israel!« durch den Versammlungssaal schreien

 23.09.2026

Jerusalem

Lucien Lazare gestorben

Der Historiker und Pädagoge schloss sich während der deutschen Besatzung Frankreichs dem Widerstand an. In Israel gehörte er zur Kommission von Yad Vashem

 23.09.2026

Jerusalem

Israel droht mit Räumung Gazas im Falle neuer Entführung

Fast drei Jahre nach dem beispiellosen Hamas-Massaker am 7. Oktober droht Israels Verteidigungsminister mit drastischen Folgen, sollte erneut ein Israeli verschleppt werden

 23.09.2026

Israelische Zeitungen

Wahlergebnisse

»Sieg der Extreme«

Nach dem AfD-Erfolg in Mecklenburg-Vorpommern wächst in Israel die Aufmerksamkeit für Deutschlands politische Verschiebung

von Sabine Brandes  22.09.2026

Debatte

Wehret den Anfängen gilt rechts und links

Ein Offener Brief an Bischof Christian Stäblein vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin/Brandenburg

von Cornelia Seibeld  22.09.2026

Reaktionen

Besorgnis in Israel nach Berlin-Wahl

Der Wahlsieg der Linken sorgt vor allem mit Blick auf Antisemitismus und das jüdische Leben in der deutschen Hauptstadt für Aufmerksamkeit in israelischen Medien

von Sabine Brandes  22.09.2026

Umfrage

Mehrheit sieht keine Chance für friedliche Zwei-Staaten-Lösung

Eine friedliche Koexistenz ist für eine Mehrheit der Israelis und eine noch größere Mehrheit der Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem derzeit nicht vorstellbar

 22.09.2026