Politik

Liebermanns Landtausch

Außenminister Avigdor Liebermann bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung Foto: Flash 90

Eines Morgens wacht er auf und nichts ist mehr, wie es einmal war. Sein Heimatdorf, vorher ein verschlafenes arabisches Örtchen innerhalb der grünen Linie, ist auf einmal hermetisch abgeriegelt und von Soldaten bewacht. Gänzlich von der Außenwelt abgeschnitten, suchen die Bewohner verzweifelt nach Erklärungen. Was für den israelisch-arabischen Schriftsteller Sayed Kashua lediglich alptraumhafte Vision in seiner Erzählung Da ward es Morgen ist, könnte bald Realität werden. Zumindest wenn es nach Außenminister Avigdor Lieberman geht. In einer Rede vor der UN-Vollversammlung stellte er vergangene Woche seinen Plan vom Landtausch zwischen Israel und den Palästinensern vor. Sehr zum Unmut vieler Zuhörer und jüdisch-amerikanischer Organisationen.

Lieberman hatte dabei vorgeschlagen, dass ein israelisch-palästinensisches Abkommen über einen endgültigen Status »nicht Land für Frieden, sondern stattdessen ein Landtausch« bedeuten sollte.

»Lieberman soll seine persönliche Meinung für sich behalten«, kochten viele Vorsitzende jüdischer Vereinigungen in den USA nach der Rede vor Wut. »Jedes Mal, wenn er etwas an den Friedensgesprächen zu kritisieren hat, unterminiert er gleich komplett die Glaubwürdigkeit von Premier Benjamin Netanjahu und spielt so den Palästinensern in die Hände«, meinten an-
dere. Das Büro des Ministerpräsidenten veröffentlichte anschließend eine Erklärung, in der es hieß, dass die Rede nicht mit dem Premierminister abgestimmt war. »Benjamin Netanjahu verhandelt mit den Palästinensern für den Staat Israel, niemand sonst«, stand da geschrieben. »Die unterschiedlichen Punkte eines Friedensabkommens werden am Runden Tisch dis-
kutiert und entschieden – und sonst nirgendwo.«

Kommentar

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026

Jerusalem

Israel greift »New York Times« wegen Gastbeitrag scharf an

Das Außenministerium wirft der Zeitung vor, Israel gezielt zu diffamieren und gleichzeitig Erkenntnisse zu sexualisierter Gewalt der Hamas vom 7. Oktober zu ignorieren

 13.05.2026

Jerusalem

Charedische Parteien drohen Netanjahu mit Sturz der Regierung

»Von jetzt an werden wir nur noch das tun, was gut ist für das charedische Judentum und die Welt der Jeschiwot«, sagt Rabbiner Dov Lando von der Partei Partei Vereinigtes Tora-Judentum

 13.05.2026

Kultur

ESC bald ohne Israel?

Zwischen Europa und Asien: Diskussionen um Israels Zukunft beim Eurovision Song Contest

von Sabine Brandes  13.05.2026

Wien

Israel zieht ins Finale des ESC ein

Noam Bettan überzeugt mit seinem Lied »Michelle« Jury und Publikum

von Martin Krauß  12.05.2026

Jerusalem

NGO Monitor: Gerald Steinberg gibt Leitung ab

Der amerikanisch-israelische Politikwissenschaftler gründete die Organisation vor einem Vierteljahrhundert. Olga Deutsch übernimmt 2027 die Leitung

 12.05.2026

Jerusalem

Minister Chikli verweigert YouTuber Tyler Oliveira Einreise nach Israel

Das israelische Ministerium für den Kampf gegen Antisemitismus erklärt, der Amerikaner habe »hetzerische Aussagen gegen Juden« verbreitet

 12.05.2026

Massaker vom 7. Oktober

Die Hamas nutzte sexuellen Terror gezielt als Waffe

Tausende unerträgliche Videos, Fotos und Zeugenaussagen: Ein neuer Bericht der Zivilkommission zeigt, wie systematisch die Terroristen Familien erniedrigen und zerstören wollten

von Sabine Brandes  12.05.2026

Hamas-Massaker

Ex-Geisel Rom Braslavski: »Schämt Euch«!

Nachdem Premier Netanjahu seine Schuld erneut relativiert, macht der junge Mann in der Knesset seinem Unmut Luft

von Sabine Brandes  12.05.2026