Israel

Lehrer streiken am ersten Schultag

Während Tausende Kinder heute eingeschult werden, müssen unzählige Zehn- bis Zwölftklässler Zuhause bleiben Foto: Copyright (c) Flash90 2024

Heute soll in Israel die Schule wieder losgehen. Doch für die meisten Schüler der zehnten bis zwölften Klassen beginnt das neue Schuljahr mit Freistunden. Denn die Gewerkschaft der Sekundarstufenlehrer hat für Sonntag einen Streik angekündigt. An einigen Schulen könnten auch die neunten Klassen betroffen sein.

Der Grund: Die Gewerkschaft fordert rückwirkende Gehaltserhöhungen und andere Boni, auf die sich Gewerkschaftsvertreter mit dem Finanz- und Bildungsministerium geeinigt hatten, die aber wegen des Kriegsausbruchs verschoben wurden.

Regierung versprach Lehrern 2.000 Schekel pro Monat mehr

Während die Gewerkschaft sich für einheitliche Gehaltserhöhungen von 2.000 Schekel (etwa 500 Euro) pro Monat für alle Sekundarstufenlehrer einsetzt, will die Regierung lieber mit jedem Lehrer individuelle Verträge abschließen. Denn seit rund drei Monaten muss das Kabinett wegen des Krieges gegen die Terroristen der Hamas mehr Schulden machen als vorgesehen.

Am Samstagabend gab es ein erfolgloses Krisentreffen zwischen Ran Erez, dem Chef der Lehrergewerkschaft, Bildungsminister Yoav Kisch und Vertretern des Finanzministeriums, sowie einem Bund lokaler Behörden. Große Hoffnungen wurden von vornherein nicht in die Runde gesetzt.

Bildungsminister spricht von »Kampf der Egos«

Schon am Freitag veröffentlichte Erez ein Video an Gewerkschaftsmitglieder, in dem er an dem geplanten Streik festhielt: »Am Sonntag, dem ersten September, werden wir das Schuljahr nicht beginnen. Egal, was sie euch schreiben, sagen oder versprechen: Sonntag wird es einen Streik geben. Nichts kann das verhindern.«

Bildungsminister Yoav Kisch wirft Finanzminister Bezalel Smotrich und Gewerkschaftschef Ran Erez vor, kein Interesse an einer Einigung zu haben: »Nach dem Krisentreffen und den nächtlichen Verhandlungen, in denen ich einen weiteren Kompromissvorschlag unterbreitet habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Finanzminister Smotrich und Ran Erez diesen Streik wollen.« Kisch wirft beiden vor, in einem »Kampf der Egos« verwickelt zu sein, der Schülern und Lehrern schade.

Im vergangenen Jahr konnte ein Lehrerstreik noch kurz vor Schulbeginn abgewendet werden - mit ebenjener Einigung, deren Umsetzung wegen der Massaker vom 7. Oktober verschoben wurde.

Hintergrund

Kampf um den mächtigen Sessel

Ohana raus, Lapid rein? Die Opposition will den Knessetpräsidenten austauschen. Es geht um weit mehr als einen repräsentativen Posten

von Sabine Brandes  02.11.2026

Regierungsbildung in Israel

Präsident Herzog will erst mit kleinen Parteien sprechen

Präsident Isaac Herzog beginnt am Mittwoch mit den Konsultationen zur Regierungsbildung

 02.11.2026

Wirtschaft

Wahlkater an der Börse

Die Hoffnung auf einen politischen Wandel in Israel ließen Aktien und Schekel zunächst steigen. Doch das Ergebnis schürt die Unsicherheit

von Sabine Brandes  02.11.2026

Wahlen

»Wie schwarz muss eine Seele sein …«

Rechte Demonstranten machen am Sonntagabend bei einem Protest vor dem Wohnhaus des Politikers Gadi Eisenkot den Tod seines Sohn zum Gegenstand der Hetze

von Sabine Brandes  02.11.2026

Westbank

Israels Armee zieht aus Hebron ab

Elf Tage nach Beginn des Anti-Terror-Einsatzes haben sich die israelischen Truppen zurückgezogen

 02.11.2026

Krieg

Tanker im Persischen Golf attackiert

Die Golfregion ist für Tanker und Frachtschiffe weiterhin gefährlich. Erneut wird ein Tanker angegriffen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Jerusalem

Lieberman: »Nicht mit Bibi und nicht mit Tibi«

Der Chef von Israel Beiteinu schließt eine Zusammenarbeit mit Netanjahu und den arabischen Parteien aus – und fordert eine rein zionistische Koalition

von Sabine Brandes  02.11.2026 Aktualisiert

Israel

Herzog ruft Israels Politiker zu Kompromissbereitschaft auf

Der Präsident mahnt die Parteichefs zur Flexibilität bei den Koalitionsgesprächen und warnt vor Neuwahlen. Am Mittwoch beginnen die Beratungen in seinem Amtssitz

 01.11.2026